American Gods und Jonathan Strange & Mr Norrell

Dieses Mal sind wir nicht mehr bei Netflix, sondern bei Amazon; auch sind beide Serien ziemlich gut. Ich weiß, dass solche plötzlichen Neuerungen das unter Umständen zu Massenpanik und Aufständen führen kann, aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt und dasselbe gilt bestimmt auch für meine geneigten Leserinnen und Leser.

American Gods (Starz, 2017)

Es löste doch eher gemischte Gefühle bei mir aus, als eine Serie auf der Basis von Neil Gaimans großartigem Roman bei dem US-Sender mit dem inspirierten Namen Starz angekündigt wurde, denn direkt vorher waren jahrelange Versuche bei HBO gescheitert - Game of Thrones hatten sie zwar glänzend hinbekommen, aber Gaimans Epos über die mit-eingewanderten Götter der USA und deren Kampf ums Überleben war wohl zu viel des Guten - und das ohne Bedarf für große Feldschlachten und ausgedehnte Auslandsdrehs. Dann aber wurde bekannt, dass Bryan Fuller (Hannibal, Pushing Daisies, die beste Serie!) einer der Showrunner sein würde und Neil Gaiman selbst involviert wäre - damit sah die Sache für mich schon wieder ganz anders aus. Tatsächlich: American Gods schafft es, den Roman von 2001 geschickt auf die heutige Zeit zu trimmen, ein paar Elemente hinzuzufügen und seine faszinierende Geschichte in aller Ruhe zu erzählen. Gerade das gemächliche Tempo bleibt erhalten und gerade das hilft der Serie sehr. Es gibt schon während der ersten drei Folgen einige sehr blutige Szenen und einige durchaus sehr explizite Sexzenen. Interessanterweise hat Amazon seine Codesperre für „Ab 18“-Inhalte bei dieser Serie nicht eingeschaltet - merkwürdig. Ebenso merkwürdig finde ich, dass Amazon die Originalfassung nicht in Ultra-HD anbietet.

American Gods - und das gilt vielleicht noch mehr für die Serie als auch für das sehr lesenswerte Buch - hat einiges über sehr aktuelle gesellschaftliche Themen zu sagen, aber es geht vor allem um Glauben und dessen Natur. Alles beginnt im Knast, übrigens.

Jonathan Strange & Mr Norell (BBC, 2015)

Es bietet sich an, diesen Siebenteiler gleich im Anschluss zu besprechen, handelt es sich dabei doch um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Susanna Clarke, dessen wohl bekanntester Fan der bereits weiter oben erwähnte Neil Gaiman ist. Es ist wieder ein Fantasystoff, der allerdings wenig mit Tolkien und Konsorten zu tun hat, dafür aber mit der Rückkehr der englischen Magie zur Zeit der Napoleonischen Kriege und den beiden im Titel genannten Zauberern unterschiedlichen Charakters. Es ist eine wunderschön ausgestattete, exzellent besetzte Serie voll prächtiger Kostüme inklusive eine Menge beeindruckender Hüte, deren BBC-typisch begrenztes Budget für Effekte gekonnt eingesetzt wurde - wenn Magie passiert, dann aber richtig!

Jonathan Strange & Mr. Norell besitzt einen feinen Humor und eine gewisse Melancholie, die sich durch jede einzelne der etwa einstündigen Episoden zieht und eigentlich will man nicht, dass die Geschichte zu Ende geht, aber wie das so mit einer Miniserie ist… es gibt einen Anfang und ein schlüssiges Ende. Ganz toll.

Beide Serien sind Teil des Amazon Prime Abos.

Netflix‘ mittelguteste Serien: Flaked und Marvel’s Iron Fist

Flaked

Da steht er in seinen kurzen Hosen - Will Arnett in Flaked.

Ich habe zu viel gesehen, geneigte Leserschaft - zu viele Filme und zu viele Serien. Es fiel mir daher schwer, zu entscheiden worüber ich das nächste Mal schreiben würde. Ich tat das, was mancher unentschlossene Mensch auf Twitter tut und fragte dort - ich erhielt keine Antwort, aber so schnell gebe ich ja nicht auf.

Auf den folgenden Tweet gab es Resonanz:

In gewisser Hinsicht sind also bestimmte Teile meiner Twitter-Timeline für diesen kleinen Artikel verantwortlich, indem sie positiv reagierten und wieder andere, indem sie diesen Text nicht bereits vor der ersten Zeile verhinderten. Zwei nicht gänzlich überzeugende Serien habe ich mir ausgesucht - eine etwas ältere, die hierzulande nicht besonders viel Aufmerksamkeit bekam und eine, die weltweit für nicht nur positives Aufsehen sorgte: Flaked und Marvel’s Iron Fist.

Flaked (2016)

Will Arnett (Arrested Development, BoJack Horseman) spielt die Hauptrolle und war auch einer der Autoren dieser tragikomischen Serie, die in der Hipster-Hochburg Venice Beach, CA spielt. Er ist Chip, ein mehr oder weniger komplett untätiger Designer von dreibeinigen Stühlen. Seinen durchaus beachtlichen Ruf einer örtlichen Berühmtheit hat er aufgrund einer tragischen Geschichte, die ihm zu einer einem geläuterten Menschen und nunmehr trockenen Alkoholiker machte. Seitdem suchen die Anwohner Rat bei ihm. Dummerweise hat Chip die kleine Charakterschwäche, nur in Ausnahmefällen die ganze Wahrheit zu erzählen…

Eigentlich habe ich Flaked nur angeschaut, weil der Soundtrack von Stephen Malkmus (Pavement) - einem meiner musikalischen Helden - komponiert und eingespielt wurde. Dazu kommen Songs von Warpaint, Kurt Vile und einer ganzen Reihe anderer fantastischer Leute. Die Musik passt wundervoll zu den immer irgendwie sonnendurchfluteten Bildern und der… freundlich ausgedrückt… entspannten Attitüde der Figuren, das gilt insbesondere für Malkmus’ Sachen. Die Serie plätscherte für eine ganze Weile recht beliebig vor sich hin und eigentlich konnte ich die Kritik an ihr ganz gut nachvollziehen: Die Handlung kommt nicht recht voran und die Figuren haben keine Tiefe. Aber da war die Musik und die schönen Bilder und ich mag Will Arnett und… irgendwann nach der dritten oder vierten Folge stellt ich fest, dass ich Flaked eigentlich richtig gern sah. Tatsächlich gewinnen die Figuren mit der Zeit erheblich, die Handlung zieht an und… hey, das hätte Klasse werden können.

Vielleicht war es Arnetts leider allzu realer Rückfall in die Trinkerei während der Dreharbeiten oder die Tatsache, dass Netflix-Eigenproduktionen eigentlich immer zu viele Folgen pro Staffel haben - diese erste Runde Flaked war leider ein wenig fokussiert. Ich würde dennoch sagen: Diese Debutstaffel ist mir ein westfälisches „kann man gucken“ wert - also eine vorsichtige, aber ehrliche Empfehlung.

Eine neue Staffel kommt im Juni 2017.

[Nachtrag]: Jemand auf Tumblr hat sich die Mühe gemacht und den Soundtrack der Serie mit den passenden Szenen dokumentiert - auf The music of Flaked.. Der offizielle Soundtrack ist inzwischen auch auf Spotify angelangt.

Marvel’s Iron Fist

Ach, Iron Fist. Marvels Partnerschaft mit Netflix war bislang so etwas wie ein Triumphzug, Daredevil, Jessica Jones und zuletzt auch Luke Cage sind allesamt mächtig beim Publikum und auch bei großen Teilen der Kritik eingeschlagen. Das neue Werk dreht sich um einen eher obskuren Charakter, der seinen Ursprung in der Martial Arts Welle der 70er Jahre hatte. Danny Rand - ein schwerreicher Konzernerbe - überlebt als Kind einen Flugzeugabsturz und wird in einer mystischen „Lost City“ in den Anden zu einer Lebenden Waffe ausgebildet und so zum Beschützer von K'un-L'un - die Ausschreibung des Job sah offenbar ganz speziell einen blonden, weißen Jungen vor. Danny kehrt nun also zurück nach NYC zurück und will sein Erbe antreten (Das glaube ich, ganz sicher bin ich aber nicht). Natürlich ist er bewaffnet - mit Kung Fu und einem nicht enden wollenden Schatz an salbungsvollen Kalendersprüchen, die selbst Kwai Chang Caine höchstselbst erblassen lassen würden. Letzterer - die Hauptfigur einer gewissen Serie aus den 70s namens - richtig, Kung Fu - sollte übrigens einmal mit einem gewissen Bruce Lee besetzt werden. Am Ende ging die Rolle dann aber an David Carradine. Die Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch: Im Fall von Danny Rand ging die Rolle auch nicht wie dereinst geplant an einen Asiaten mit guten Martial Arts-Skills, sondern anscheinend in letzter Sekunde an den überaus westlichen aussehenden Briten Finn Jones aus Game of Thrones, dessen Training der Kampfkünste drei Wochen(!) vor Drehbeginn startete. Klingt schwer nach den 70ern und dieses Gefühl hatte ich noch oft.

Ich erzähle das so lang und breit, weil Marvel’s Iron Fist nicht nur an einem über weite Strecken wenig überzeugenden Casting leidet, sondern auch an unausgegorenen Scripts, einer nicht recht funktionierenden Handlung mit teils absolut unerklärlichen Charakterentwicklungen. Unverzeihlich für das Genre sind allerdings die schauderhaft schlechten Actionszenen. Man merkte denen leider allzu sehr an, dass sie nach allen Regeln der Kunst zusammengeschnitten wurden, um den untrainierten Helden so gut wie möglich aussehen zu lassen. Marvel kann Kampfszenen so viel besser, wie man vor nicht langer Zeit sehr gut in Daredevil sehen konnte.

Auch ist Jones ist ganz offensichtlich kein schlechter Schauspieler. Er gibt sich ehrliche Mühe, genau wie der Rest der hochkarätigen Besetzung. Aber mit diesen Drehbüchern ist nicht viel zu gewinnen.

Wirklich schlecht ist Iron Fist immer noch nicht. Es ist eine entschieden durchschnittliche Serie, die so viel mehr hätte sein können. Im Gegensatz zu Marvels bisherigem Output kann ich auch am Ende der Staffel nicht sagen, um was in der Serie überhaupt geht - bei allen kleinen dramaturgischen Schwächen hatte z.B. Luke Cage immer etwas zu sagen.

Iron Fist hat nun so gar nichts zu sagen und ein Held, der für nichts steht außer… irgendwie, das Gute, schätze ich… der ist auch eher überflüssig, ebenso wie dieser schon vom Konzept her instinktlose Schnellschuss einer Serie, die nicht in die heutige Zeit passt.

Schaut sie euch trotzdem an, wenn ihr Fans von Marvelkram seid - wirklich langweilig ist Iron Fist nicht. Erwartet nur nicht zu viel.

John Wick: Kapitel 2 (Chad Stahelski, 2017)

Ich garantiere, dass da weiter unten ein Hund neben John herumläuft. Nicht dass sich da jemand Sorgen macht.

So. Da ist also die Fortsetzung zum “Nein, das mit dem Hund kann nicht passieren!”-Film von 2014, der durch zwei erstaunliche Wiederentdeckungen von sich reden machte: Zum einen die Rückkehr von Keanu Reeves als Actionheld, der sich überaus passabel in sehr, sehr überzeugenden Kampfszenen auch ohne viele Schnitte behaupten konnte und seine ansonsten… sagen wir mal… reduzierte Art des Schauspiels als wortkarger Killer im Ruhestand perfekt einsetzte. Die andere Wiederentdeckung war der klassische, handwerklich gekonnte Actionfilm mit sorgfältig inzenierten Gemetzeln, die für den Zuschauer stets gut nachvollziehbar bleiben - ganz im Gegensatz zu den damals vorherrschenden Wackelkamera-Schnittorgien.

Die guten Nachrichten vorab: Wenn es zur Sache geht, ist der Nachfolger dem ersten John Wick ebenbürtig und sicherlich genauso unterhaltsam. Reeves’ altem Stunt-Double und späterem Kampfchoreographen aus den Matrix Filmen sind offensichtlich die Ideen für einfallsreiche Kabinettstückchen nicht ausgegangen. Leider zieht sich die wirklich dünne Story, sobald nicht geschossen und gemeuchelt wird, trotz oder gerade der offensichtlichen Bemühungen, eine Film-Universum im Stil von Marvel zu basteln, rund um die geheime weltweite Killer-Commmunity. Mir fehlt der Minimalismus des ersten Films - die Story hatte die Aufgabe, der Hauptfigur eine Ausrede für sein etwas ungehaltenes Vorgehen gegen seine Feinde zu geben und das war dann schon alles. Immer wenn eine neue Figur eingeführt wird, die nicht gleich anfängt herum zu ballern, immer wenn bedeutungsvolle Dialoge geführt werden, immer wenn ganz offensichtlich die Bühne für einen dritten Film vorbereitet wird - immer dann kommt das zweite Kapitel fast zum Stillstand. Fast, denn zum Glück nimmt John gerade noch rechtzeitig wieder irgendein Tötungswerkzeug zur Hand und rettet sein Sequel auf ganz sicher glorreiche, wenn auch absolut verwerfliche Weise und sofort sind all diese neuen aufgeblasenen Unwichtigkeiten vergessen. Danke, John Wick.

Trotz all dieser Meckereien macht John Wick: Kapitel 2 richtig Spaß, auch wenn er natürlich nicht mehr so originell daherkommt wie 2014.

Die feine Kunst des Weglassens.

Ich habe meine mechanische Tastatur vom Hersteller Razer “repariert”, indem ich die Software des Herstellers Razer entfernt habe - nun geht die Eingabe komplett ohne merkwürdige, bis dato unerklärliche Verzögerungen vonstatten. Erstaunlicherweise ist eine wirklich gute Pizza meistens noch besser, wenn sie weniger unterschiedliche Beläge hat. Das gilt so ähnlich auch für Blogsysteme.

Warum habe ich - wenn ich schon erklärtermaßen große Lust aufs Schreiben habe - seit November Zeit keine neuen Medienschauen geschrieben und auch sonst exakt null neue Beträge veröffentlicht? Ein Grund dafür ist das Stimmungstief, mit dem ich zum Jahresende in schöner Regelmäßigkeit zu kämpfen habe, die andere Sache ist die Software, auf der ich Gorgmorg betreibe: WordPress. Inzwischen ist das nicht mehr nur eine schlanke, flotte Bloggingplattform, sondern ein recht mächtiges Content Management System (CMS): Es kann viel, viel mehr als zu Beginn. Je mehr Möglichkeiten WordPress im Laufe der Jahre zu bieten hatte, desto mehr ließ meine Motivation nach, dieses Werkzeug zu benutzen. Richtig gut erklären kann ich das nicht, aber nehmen wir mal diesen Vergleich: Ich kann Texte sehr gut in einem Leitz-Ordner schreiben, in den ich einzelne gelochte Blätter hefte. Das Ding kann aber noch viel mehr! Ich kann Register einsetzen, ich kann Klarsichthüllen mit Dokumenten dazu tun, ich kann meine Fotosammlung darin verwalten, ich kann mit den richtigen Tütchen Massen von DVDs dort unterbringen und vermutlich noch viel mehr, noch dazu sind solche Ringbuchordner sehr gut dazu geeignet, ein umfangreiches Archiv anzulegen.

Ich könnte aber auch einen Text in einem handlichen Moleskine-Notizbuch herunterkritzeln. Das lenkt mich nicht ab und es dient tatsächlich nur zu diesem einen Zweck, dem es in Perfektion entspricht: Notizen schreiben. Wenn es um schreiben geht, ist für mich weniger mehr. Ich will das Projekt nicht aufgeben, aber ich mag es gern einfacher und geradliniger “hinter den Kulissen”. Ich brauche keine extrem flexible Plattform, die alles kann - ich will nur schnell und einfach und hübsch Texte veröffentlichen und vielleicht mal ein Bild dazupacken. Ich würde die Seite gern selbst betreiben- daher fallen solche Geschichten wie Medium für mich aus.

Dennoch: Ich habe Gorgmorg fürs Erste wieder flott gemacht - das Kommentieren sollte u.a. wieder funktionieren. Ich werde die Seite wie gewohnt weiter mit mehr oder weniger schrecklichen Inhalten füllen. Ich bin auf der Suche nach einer viel schlankeren Alternative für WordPress, aber es ist ja nicht so, dass ich mit dem Schreiben aufhören könnte.

Also: Es geht weiter, aber hoffentlich bald mit mehr Weglassen.

Gorgmorgs kleine Medienschau, November 2016

Noch ist November und auch am 30.11. kann ich noch schnell eine Ausgabe nachschieben, oder? Diese hier ist nicht ganz so umfangreich, beim nächsten Mal gibt es dann mehr.

Ultra-HD, 4K und HDR

Ich habe einen neuen Fernseher - einen mit der noch volleren HD Auflösung als Full-HD und diesem aufkommenden HDR-Feature (High Dynamic Range), womit größere Helligkeitsunterschiede als zuvor wiedergegeben werden können - kurz gesagt, die so viel kontrastreicheren Farben “knallen” bei den entsprechend produzierten Filmen und Spielen um einiges besser. Von beiden Neuerungen macht meiner Ansicht nach HDR am meisten aus und wird bisher noch weniger als Ultra-HD bzw. “4K” (dabei handelt es sich um die Kino-Bildauflösung, die beinahe von den Ultra-HDs erreicht wird) unterstützt. Womit ich nicht sagen will, dass es keine Inhalte gibt - sowohl Amazon Prime Video als auch Netflix hat einen ganzen Haufen passenden Stoff, wobei man bei Netflix für 4K und HDR eine geringfügig höhere monatliche Gebühr zahlen muss. Ist es das alles wert? Kommt ganz drauf an, ob man bereits einen großen Fernseher hat. Ich würde sagen, dass Ultra-HD auf einem 32-Zöller vom üblichen Sofa-Abstand aus nicht von Full-HD zu unterscheiden ist. Man braucht schon eine große Kiste, um etwas davon zu haben, aber dann… ist das Bild schon eine Offenbarung. Man sieht einfach so viel mehr - inklusive jedem einzelnen Fältchen bei zuvor makellos wirkenden Stars! Darauf haben wir alle gewartet, richtig? Genau, darauf haben wir alle gewartet.

Mangels entsprechender Konsole habe ich Gaming auf dem großen Teil noch nicht ausprobieren können, aber wenn ihr eh schon so viele Stunden mit dem streamen von Filmen und Serien verbringt würde ich bei einer anstehenden TV-Anschaffung ernsthaft empfehlen, bei nicht gewaltigen Mehrkosten in den neuen Standard einzusteigen. Erwartet nur bloß nicht, dass hierzulande normales (Kabel/Sat…) Live-TV in den nächsten Jahren nachziehen wird - für Fußball braucht ihr das alles nicht.

Cosmos (2014)

Nicht nur über den Kosmos, sondern über die Geschichte der Wissenschaft selbst in ganz großartigen Bildern - eine Dokuserie in 13 Teilen, die “in groß” noch viel großartiger aussieht - auch wenn die ganz hohen neuen HD-Auflösungen zumindest auf Netflix nicht unterstützt werden. Toll von Neil DeGrasse Tyson erzählt, visuell mit dem größten denkbaren Aufwand realisiert- ich denke, auch für etwas ältere Kinder absolut spannend und sehenswert. Die Serie ist schon ein paar Jahre alt und wurde euch vielleicht schon ein paar Male nahe gelegt, da kann eine weitere Empfehlung nicht schaden, oder? Die Serie lief auch unter “Unser Kosmos: Die Reise geht weiter” (Original: “Cosmos: A Spacetime Odyssey”).

Shannara Chronicles (Amazon Prime, 2016)

Einer der ersten von vielen, vielen Fantasyschinken in meiner Jugend war ein dickes Taschenbuch namens "Die Elfensteine von Shannara" von Terry Brooks - damals ein ziemlich typisches Genrewerk der 80er Jahre mit allem was so ein Fantasyschinken braucht - Zauberei, magische Bäume, Elfen, Dämonen und so weiter. Nun ist genau dieses Buch eine Amazon Prime Serie und nicht mehr nur eine Fantasygeschichte, es ist auch gleichzeitig eine ganz entschieden grünere Version von “Mad Max”: Das Geschehen findet auf den Ruinen unserer Welt nach dem “großen Knall” statt. An vielen Orten erkennt man die die Hinterlassenschaften unserer untergegangenen Zivilisation. Davon war in den damaligen Büchern damals nicht unbedingt viel zu lesen und wurde größtenteils später von Brooks selbst und später noch verstärkt von den Serienmachern nachträglich hinzugefügt - der 'Post Doomsday' Aspekt funktioniert allerdings in den meisten Momenten ganz gut. Viel eigentümlicher empfand ich die Besetzung von 99% der Rollen mit Model-Level makellosen, perfekt frisierten Personen - der arme John Rhys-Davies wirkt da bisweilen wie ein Fremdkörper als der einzige einigermaßen normal aussehende Mensch, äh, Elf. Im Großen und Ganzen macht das Personal seine Rolle aber ganz gut. Obwohl es der einzigen vorliegenden Staffel zwischendurch immer mal wieder die Puste ausgeht und es sich ermüdend oft darum dreht, zu welcher der weiblichen Hauptfiguren sich der jugendliche Held Wil Ohmsford in diesem Moment gerade ein klein wenig mehr hingezogen fühlt - immer wieder gibt es ein paar spannende Wendungen und einige beachtliche Schauwerte - Amazon hat offensichtlich nicht geknausert. Die Handlung der ziemlich dicken "Elfensteine"-Romanvorlage ist nach dieser ersten Staffel bereits auserzählt und da man anscheinend keine neuen Heldinnen und Helden für die viel, viel später spielenden Fortsetzungen einführen will, bin ich sehr gespannt, wie es weitergehen soll. Trotz einiger Fremdschäm-Momente aufgrund der Dialoge und einigen echten Blindgängern unter den Handlungsfäden: Ich wäre dabei.

Doctor Strange

© Marvel.com

© Marvel.com

Ich bin schon sehr lange Fan der Marvel Comics und ich mag auch die Filme, aber ich muss schon zugegeben, dass die letzten Ergebnisse aus dem hauseigenen Studio für meinen Geschmack zu sehr auf „Nummer sicher“ inszeniert wurden und man das bewährte Konzept vielleicht ein paar mal zu oft neu aufgegossen hat. Nun treffen wir also Doctor Strange, mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle, dazu kommen Tilda Swinton, Mads Mikkelsen und… Chiwetel Ejiofor, dessen Namen natürlich auch ich noch einmal nachschlagen musste, um da ja keinen Fehler zu machen. Für Nicht-Eingeweihte: Der Herr Doktor ist tatsächlich von Haus aus Arzt, genauer: Ein hochtalentierter und hocharroganter Chirurg, der durch einen Unfall selbst zum Fall für die Reha wird und anfängt, nach alternative Heilmethoden für seine zerschundenen Hände zu suchen. Man ahnt es schon - das wird recht zauberhaft und damit erspare ich uns allen weitere Kalauer dieser Art.

Regie führt Scott Derrickson, der schon Horror wie Sinister oder Mystery wie Der Exorzismus von Emily Rose inszenierte und sich so durch reichlich Vorerfahrung für den neuen Job empfahl. Doctor Strange fühlt sich dennoch vor allem wie ein Marvel Studios Film an und hätte meine Meinung nach durchaus mehr Mysterien und mehr Horror vertragen können. Da es aber ein Marvel Studios Film ist, funktioniert die ganze bewährte Melange dank ordentlichem Schwung und einem ganz angenehmen Humor zumeist ganz gut, obwohl wieder eimal etwas zu zäh die Entstehungsgeschichte dieser etwas anderen Superheldenfigur und ihr erster Kampf gegen einen übermächtigen, aber trotz Mads Mikkelsen eher blassen Schurken erzählt wird. Hier hätte sich Marvel wieder einmal etwas zurücknehmen sollen und mutiger eigene Handschrift ihres durchaus talentierten Personals zulassen sollen - auch die eher schwachen Gegenspieler der Heldenfiguren sind ja eine bekannte Schwäche mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Tom Hiddlestons Loki. Doctor Strange steht übrigens auf eigenen Füßen und der “Crossover-Effect” zu den anderen Filmen aus dem Marvel Cinematic Universe ist sehr gering - es handelt sich nicht um ein weiteres gefühltes Iron Man oder Avengers-Spin-Off.

Der glänzende Cast funktioniert um einiges besser, allen voran Cumberbatch und Tilda Swinton. Vielleicht sollte ich kurz auf die Kontroverse um die Besetzung von Stranges Mentor - ursprünglich eines älteren asiatischen Herrn - durch die eindeutig nicht asiatische Tilda Swinton, die auch in der Rolle keine Asiatin spielt - eingehen. Der Produktion wurde im Vorfeld Rassismus in Form von „whitewashing“ des Charakters vorgeworfen - eine seltene positive Rolle für asiatische Männer sei einer erneuten kaukasischen Version als Vehikel für einen Star gewichen. Nun, ich bin nicht ganz sicher wie ich mich da einordnen soll, denn der „alte Weise aus Fernost“ ist nun auch ganz eindeutig eine rassistische Stereotype, von denen die alten Comics - und nicht Doctor Strange allein - zentnerweise vorweisen konnten. Ob man ausgerechnet Swinton allein aufgrund ihrer Starpower im Mainstream besetzt hat, finde ich persönlich nicht wahrscheinlich. Man sollte vielleicht auch erwähnen, dass der Magier Wong („nur Wong“) in den Comics Stephen Stranges Kammerdiener war und hier auf Augenhöhe der anderen Charaktere und insbesondere auch mit Strange selbst agiert. Es ist ganz sicher nicht ganz einfach, einen Stoff wie diesen zu modernisieren, auch im Hinblick auf die Repräsentation von Frauen und man darf Marvel zumindest zugestehen, dass sie sich in dieser Hinsicht einige Gedanken gemacht haben. Wie erfolgreich dieses Unterfangen war, sei einfach mal dahingestellt. In jedem Fall bleibt Strange eher ein etwas zwiespältiger Held, der keine besondere Rücksicht auf die sicher irgendwie sinnvollen Natur- oder sonstigen Gesetze nimmt, wenn er es gerade für richtig hält; auch seine anderen negativen Eigenschaften sind nicht einfach verschwunden. Ich bin durchaus gespannt, wie sich dieser Charakter in Zukunft entwickeln wird.

Ganz sicher ein voller Erfolg ist die Umsetzung der schwer trippigen fremden Dimensionen und verzerrten Realitäten aus den Zeichnungen von Steve Ditko in überbordende 3D-Effekte - es gibt wenige Filme, deren 3D-Fassung ich euch so sehr ans Herz legen will wie dieser. Ich würde auch dazu raten, ihn unbedingt im Kino anzuschauen. Ich habe Doctor Strange übrigens wie üblich in der Originalversion gesehen und kann mich dazu zu den Qualitäten der Synchronisation nicht auslassen - allerdings musste ich mich doch sehr an Benedict Cumberbatchs Version eines amerikanischen Akzents gewöhnen.

Insgesamt: Ein insgesamt richtig guter, stimmungsvoller Marvelfilm mit einigen kleinen Längen, aber bestimmt eure Zeit wert. Es bleibt allerdings das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre.

Gorgmorgs kleine Medienschau, Oktober 2016

Lucifer

"Lucifer" in Amazon Prime Video auf dem iPad. Es ist übrigens "Chloe Decker" nicht "Dancer". Ach, Amazon.

Lucifer (Fox/Amazon Prime, 2016)

Was macht der Teufel, wenn er kurz vor dem Burnout steht? Richtig: Er macht erstmal Urlaub und zwar bei den Sterblichen, wo auch sonst? Er nimmt sich eine Therapeutin, um seine Imageprobleme und seine Daddy-Issues zu verarbeiten und macht sich mit einem eigenen Nachtclub selbstständig. Außerdem macht er das, was schräge und dezent ambivalente Charaktere in den USA offenbar gern tun: Er sucht sich einen Kontakt bei der Polizei und hilft dabei, Kriminalfälle zu lösen. Produziert von Jerry “Con Air” Bruckheimer. Meine Güte, die letzten Sätze waren schon ein bisschen schlimm, oder? Der gute Lucifer Morningstar hat dieses Ding mit dem Hobbydetektiv auch niemals gemacht, als er damals in dieser stets piekfein gekleideten Inkarnation von Neil Gaiman in seinem Comic Sandman eingeführt wurde und die Serie funktioniert auch genau dann am besten, wenn “Lucy” sich gerade nicht mit Mordfällen beschäftigt, sondern mit der Menschheit und der Unsterblichkeit und seinem mehr oder weniger freiwilligen Aufgabe als Höllenfürst hadert, vor der er sich hartnäckig drücken will. Tom Ellis ist aber so gut in der Rolle des durchaus charmant-schmierigen und gelegentlich singenden Ex-Engels, dass die Serie trotz ihrer nicht recht passgenauen Krimi-Strukturen funktioniert - stellt sie euch wie Castle vor, nur eben mit mehr Teufel. Es gibt bisher eine Staffel, mehr ist auf dem Weg.

Luke Cage (Marvel/Netflix 2016)

Marvels Serien auf Netflix waren bisher alle recht erfolgreich und auch von der Qualität her mehr als nur ordentlich - Daredevil und Jessica Jones sind so wohl auch Leuten ein Begriff, denen die Comics oder zweifelhafte frühere Verfilmungen mit Ben Affleck bisher keine Begriffe waren. Der Charakter Luke Cage kam - gespielt von Mike Colter - schon an der Seite von Miss Jones vor und bekommt hier seine ganz eigene Serie. Alles sieht von der ersten Folge an richtig gut aus - im Gegensatz zu Daredevil, wo sich der eigene visuelle Stil erst im Laufe einiger Folgen fand. die Charaktere sind interessant, das Casting ist - wie man bei Marvel inzwischen erwarten darf - schlicht erstklassig. Tatsächlich spielen bisher alle Marvel/Netflix Projekte in New York, dennoch fühlt sich beispielsweise Hell’s Kitchen in Daredevil komplett anders an als Luke Cages Harlem.
Es gibt eine ganze Menge toller Szenen mit einem ganz gelungenen Humor und einen fantastischen Einsatz von Musik in der Serie, aber der Plot? Die Handlung entwickelt sich einfach nicht konsistent weiter, die Weiterentwicklung verschiedener Figuren von Szene zu Szene und von Folge zu Folge sieht man zum Beispiel in Jessica Jones aus dem eigenem Haus deutlich effizienter gemacht - jede Szene dort bringt die Geschichte weiter. Man scheint sich auch nicht ganz entscheiden zu können, wie nah man sich nun an den Comics orientieren will oder die Serie mehr auf eigenen Füßen stehen lassen will. Trotz dieser Schwächen: Luke Cage war für mich spannend, atmosphärisch und durchweg sehr unterhaltsam. Ich bin sehr gespannt, wie die hoffentlich kommende zweite Staffel aussehen wird.

Ash vs. Evil Dead (Starz/Amazon Prime Video, ab 2015)

Viele Jahre nach dem letzten Teil der Evil Dead Trilogie (alias “Tanz der Teufel”) 1993 ist Ashley “Ash” Williams immer noch dabei, in der Haushaltswarenabteilung verschiedener Filialen des S-Mart als… nennen wir es ungelernte Hilfkraft zu arbeiten. Natürlich kommen die Deadites zurück, weil er vielleicht eine winzige Dummheit im Suff begeht - nur gut, dass Schrotflinte und Kettensägen-Handprothese im griffbbereit Wohnwagen liegen. Der Mann mag zwar jede Art von Persönlichkeitsentwicklung ausgelassen haben, dafür sind einige Kilos dazu gekommen, ein paar Beißerchen fehlen inzwischen auch - aber wozu gibt es Bauch-weg-Korsett und künstliches Gebiss, wenn seine einzige wirkliche Begabung - kunstvolle Untotenzersägung nämlich - mal wieder gefordert wird? Bruce Campbell, Sam Raimi, Rob Tapert und all die andern Leute aus Raimis Freundes- und Kollegenkreis kehren in ca 25 Minuten kurzen, knackigen, extrem (!) blutigen Episoden zurück zu ihren Wurzeln und es ist eine glorreiche Heimkehr, die sich in der ersten Linie am zweiten Teil der Filmtrilogie orientiert. Natürlich nimmt sich der Quatsch überhaupt nicht ernst, aber die Charaktere sind sympathisch und man hat es geschafft, neben Lucy “Xena” Lawless noch ein paar andere Leute zu besetzen, die neben dem überzeugend dämlichen Campbell nicht allzu blass aussehen. Ich will gar nicht zu viel schreiben - wer die alten Sachen mag, sollte sich sehr wohlfühlen und sich zumindest die von Raimi selbst inzenierte erste Folge geben. Ihr werdet sowieso weiterschauen. Wartet nur ab, wer in der zweiten Staffel als Ashs Vater auftritt…

Amazon Prime Video

Ich habe einen Probemonat für Amazons Prime Video Streaming Service begonnen und möchte gern ein paar Sätze dazu verlieren. Amazon bringt in etwa dieselbe gute Bildqualität wie Netflix und das Film- und Serienangebot für einige Euro weniger ist wirklich sein Geld wert, vor allem wenn man bedenkt dass die Prime-Mitgliedschaft für Amazon-freundliche Vielbesteller kostenlosen Premiumversand bedeutet. Aber die Apps…! Auf der PS4 werden die Untertitel oftmals eine satte Sekunde nach der gesprochenen Zeile angezeigt, manchmal werden sie beim nächsten Start einer Episode einfach vergessen und müssen erst wieder aus- und wieder angeschaltet werden - wenn man denn die Einstellungen dafür findet, denn die Bedienung ist keineswegs so logisch, wie ich mir das wünsche - vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich etwas beschränkt bin. Sich häufende Kleinigkeiten wie diese werden irgendwann zu einem Ärgernis, insbesondere weil Netflix Probleme dieser Art einfach besser im Griff zu haben scheint - es ist möglich, Amazon!. Ich muss allerdings sagen, dass die deutlich andere Bedienung auf dem iPad für meine Begriffe bei weitem besser war als auf der PS4, ich konnte sogar auf Anhieb die Sprache der Untertitel einstellen. Außerdem: Untertitel kommen sogar pünktlich! Die “X-Ray” Funktion, die beim Pausieren der Szene anzeigt, wer gerade zu sehen ist - wirklich cool! Amazon hat da schon ein paar gute Ideen, aber… da gibt es noch viel zu tun. Dafür gibt es teilweise tolle Exklusivtitel - da kommt noch einiges mehr, insbesondere freue ich mich auf Bryan Fullers Version von Neil Gaimans American Gods.

Nächstes Mal:

Ein paar Lesungen, die ich besuchte, The Elder Scrolls Online, Marvels Doctor Strange - es gab so viel, dass ich kaum alles in den Oktober stopfen konnte und es wird immer mehr!

Laufschuhe im Kofferraum.

Kofferraum

Ich habe extra noch einmal für euch nachgeschaut.

Ich habe einmal ein besonders großes Kompliment von meinem Brötchengeber bekommen und ich bekam es nicht etwa in Form eines gut gefüllten Wurstkorbes oder gar einer Prämie vermittelt - nein, es gab etwas Besonderes für mich: Ein Abend in der Stadthalle mit einem besonders bekannten Motivationstrainer. Da habe ich mich gefreut, was zu einem überraschten bis erleichterten Gesichtsausdruck bei meiner direkten Vorgesetzten führte und bei mir zu einiger Verstimmung, weil ein ansonsten definitiv feucht-fröhlich geplanter Freitagabend nun ganz anderes verlaufen würde. Aber ich war neu in diesem Job und jedwede Anerkennung war mir mehr als recht - keine Chance, dass ich dieses Geschenk ausschlagen würde: Man schätzte meine Arbeit.

Damals wusste ich natürlich noch nicht, was mich dann erwartete.

Der große Saal der Stadthalle war bis zum letzten Sitz gefüllt, zumeist von Personen die ganz offensichtlich ebenso wie ich mit einer “Anerkennung der Geschäftsführung” beschenkt wurden. Man stand ein wenig verloren in der Gegend herum und wunderte sich, ob man vielleicht doch lieber in der Art ungebügeltem grauen Anzug hätte erscheinen sollen - denn der war hier augenscheinlich der inoffizielle Dresscode. Nun gut, man reichte den Gästen O-Saft in Plastikbechern und das kostenlos - so freundlicher gestimmt sollte ich der Veranstaltung wohl eine Chance geben.

Der Trainer war Sportmediziner, aber vor allem Sportler - so sah er auch aus. Er rannte auf die Bühne und riss die Arme in die Höhe, wie er - der hauptberufliche Siegertyp - es wohl sonst an der Ziellinie seines dritten täglichen Ultra-Marathons zu tun pflegte. So oder so ähnlich waren meine ersten Gedanken und wie sich herausstellte, lag ich falsch: Er machte eher Triathlon als Marathon, das lernte ich schnell aus seinen Powerpoint-unterstützten Schilderungen seiner verschiedenen Erfolge bei diversen Iron Man-Veranstaltungen. Er war so unglaublich braungebrannt für einen Tag im November, dass er genauso gut vom Mars stammen könnte und nicht etwa irgendwo aus dem Süden von Deutschland - so fremdartig wirkte er vor diesem Publikum von sichtlich erschöpften Leuten, die gerade ihre ganz normalen kleinen Siege und Katastrophen auf der Arbeit hinter sich hatten. Nur, wie konnte ich selbst so werden wie lockere Trainer-Guy? Er lies das Publikum auf einem Bein stehen und konnte viel länger als jeder einzelne von ihnen. Der Mann war kompetent - das war nun wirklich jedem von uns klar, noch mehr als das: Unsere Leben würden sich ändern und das sofort. Wir müssten es nur tun. Wir mussten nur zuhören und dann alles ändern. Er konnte es ja auch und er konnte es auf einem Bein.

Das ging so: Den Schlafphasen entsprechend aufstehen, die Laufschuhe gleich am Bett, jeden Morgen erstmal einen Apfel und dazu einfach heißes Wasser - ”Kaffee ist aber auch ok. Ich weiß, das sollte ich nicht sagen, aber Kaffee ist ok.”[Lacher] - und dann raus um die Häuser. Jeden Tag, gleich morgen früh. Zwischendurch Nüsse als Snack, am besten Walnüsse - “Haben sie sich die mal genauer angeschaut? Die Kerne sehen fast so aus wie Gehirne. Da sieht man gleich, dass die Natur sich etwas dabei gedacht hat.” - und dann wird das alles schon laufen. Wenn der Job einen nicht glücklich macht, tja, dann sucht man sich einfach einen neuen. Außerdem einfach mehr Training, das muss man einfach nur mal wollen, egal wie müde man nach der Arbeit auch sein mag. Außerdem - das sagte er mit einem verschwörerischen Zwinkern von der Großleinwand hinab - gäbe da gewisse Momente… hier wurde ein Bild seiner Frau gezeigt, genauso gebräunt, genauso fit, genauso lächelnd, sie sah ein bisschen aus wie ein Fitnessmodel - “… sie ist Fitnessmodel.”… da könnte man als Mann dann einfach besser performen “wenn es drauf ankommt, wenn ihr wisst was ich meine. Ihr Frauen hier wisst was ich meine. DU weißt was ich meine.”.

“Morgen DU.”

Meine Güte. Der Typ hatte den Bogen raus. Der Typ war ein Gewinner. Das musste ich neidlos (naja…) anerkennen.

Schwer beeindruckt plante ich den nächsten Morgen durch… wie ich den den Wecker umstellen müsste und wann ich ins Bett musste. Ich überlegte, wo genau meine lang vernachlässigten Laufschuhe wohl liegen könnten. Ich hörte weiter zu. Möglicherweise war das ein Fehler. Trainer-Guy berichtete uns über seinen Tagesablauf. Wie er wie bereits im kleinesten Detail beschrieben aufstand, wie er trainierte, trainierte, arbeitete, arbeitete, trainierte, meditierte, für sich kochte, laufen ging und dann zeitig ins Bett kroch - vermutlich nachdem er seine Frau sportlich zu zahlreichen Höhepunkten gebracht hatte - das sagte er zwar nicht, aber ich und vermutlich große Teile des dachten es uns. Ziemlich genau in diesem Moment tat er mir plötzlich leid und ich tat mir plötzlich selbst ein ganz gutes Stück weniger leid. Trainer-Guy wird sicher 150 Jahre alt, aber das könnten 150 ganz schön freudlose Jahre werden, in denen es nur um Leistung, Leistung, Leistung geht - sogar ficken war bei ihm so eine Art Leistungssport - ja, das klang genau so, aber er war sowieso besser darin als wir, haha - und solche Sachen wie Ausgehen, gekonnt inzenierte Abstürze, Kultur, Bücher, Comics, falsches Essen, falsche Witze, ungebräunte Haut, lustvolle Faulheit und unproduktive Freundschaften, stundenlanges Konsolenzocken und Lachen Lachen Lachen… sowie die Schlummertaste auf dem Wecker, die gab es einfach nicht in diesem Leben.

“Und morgen DU.”

Danke, aber… nein. Naja, vielleicht mache ich in Zukunft wirklich ein paar Sachen anders, gesünder und einiges habe ich bereits geändert und es tut mir gut. Aber meine kleinen und großen Schwächen, die sind vielleicht gar nicht so schlimm, auch wenn ich vielleicht nicht 150 Jahre alt werde.

Meine Laufschuhe liegen übrigens bei meinen Reserverad im Auto. Ich habe eben noch einmal nachgeschaut und sie doch lieber an Ort und Stelle gelassen.

Gorgmorgs kleine Medienschau, September 2016

3D

Essentielles Zubehör für Filme wie "Der Schrecken vom Amazonas"

Brooklyn Nine-Nine (Netflix)

Im Moment sind die großen Netflix-Eigenproduktionen wie Narcos nicht ganz zu Unrecht in aller Munde und ich bin da natürlich voll dabei. Meine meistgeschaute Serie ist zur Zeit allerdings Brooklyn Nine-Nine, eine in den USA auf Fox Television laufende Sitcom mit Andy Samberg, André Braugher, Terry Crews und einem ganzen Haufen anderer relativ hochkarätiger Akteure. Sie sind allesamt Cops, die (zu?) wenig zu tun haben und unter dem neuen, strengen Chef doch zu kämpfen haben, ihre gewohnten Zeitvertreibe durch solche Sachen wie Vorschriften oder Arbeit nicht einschränken zu müssen. So weit, so wenig ungewöhnlich - und sicher darf man die Frage stellen, ob heute bei den vielen, vielen Fällen von Polizeigewalt in den USA das NYPD so harmlos-sympathisch dargestellt werden darf. Allerdings hat Brooklyn Nine-Nine anderen Genrevertretern eines voraus: Die Serie ist wirklich lustig, die Charaktere sind sympathisch und bis in die Nebenrollen glänzend besetzt, allen voran der großartige Terry Crews.

Fritz Leiber im O-Ton

Wer sich mal mit mir über meine Lesevorlieben unterhalten hat, wird früher oder später mal den Namen Fritz Leiber gehört haben - einem 1992 verstorbenen Autor aus den USA, der sich vor allem in den Bereichen Horror, Science-Fiction und Fantasy einen Namen gemacht hat, aber immer in vielen anderen Genres seit den 1930er Jahren (!) erfolgreich gearbeitet hat - so hat er auch einen Haufen Geschichten mit Katzen als ProtagonistInnen verantwortet, die angeblich auch ziemlich gut sein sollen. Ich habe aber noch nicht den Mut aufgebracht, mir diesen Teil des Werkes zu geben - sicher haben sie aber auch den feinen Humor, der Leiber immer auszeichnete. Für mich sind die Nehwon-Stories mit Fafhrd und dem Grauen Mausling der Einstieg in sein Werk gewesen und ich liebe sie noch immer am allermeisten. Ich höre nicht allen Autoren, die ich in Schriftform mag gern zu - allen voran Tolkien, den ich entschieden einschläfernd fand - aber in diesem Fall mochte ich schon die Stimme und die ganze unaufgeregte Art von Fritz Leiber. Ich habe da ein paar Audiodokumente gefunden, die ich sehr hörenswert finde und die gibt es auf der Fanseite Scrolls of Lankhmar. Beginnen würde ich mit dem 1997er Interview. Leiber hat gegen Ende seiner gut fünfzigjährigen Karriere noch härter als zuvor getrunken und leider schlug sich das auch in der Qualität seiner sonst wenigstens handwerklich herausragenden Arbeit nieder, hier ist er aber noch voll auf der Höhe und so klingt er auch: Mächtig inspiriert.

Der Schrecken vom Amazonas (Creature from the Black Lagoon, Jack Arnold 1954)

Der Kiemenmensch aus Jack Arnolds 3D-Klassiker ist nicht ganz so bekannt - schon gar nicht in der 3D-Fassung, für die man die rotblauen Brillen braucht. Ich finde, es ist nach wie vor ein sehr unterhaltsamer Film, auch wenn natürlich der Zahn der Zeit ein ganz klein wenig an einigen der Schockmomente genagt hat und man vielleicht nicht passend zu jeder Einstellung mit der Kreatur der Soundtrack dramatischst anschwellen lassen muss, um anzuzeigen wann man sich nun gefälligst zu gruseln hat. Die Geschichte ist einfach, dafür aber gekonnt in Szene gesetzt - insbesondere die Unterwasseraufnahmen sind immer noch sehr reizvoll. Der 3D Effekt wirkt mal besser und mal schlechter, auf jeden Fall war wohl nicht nur ich aufgrund meiner enormen Kopfschmerzen aufgrund angestrengten “Schielens” dankbar, dass es in der Mitte des Films eine kleine Pause gab. Ich wohne in Bielefeld und dort gibt es ein besonders umtriebiges Offkino, das diesen und noch eine ganze Menge mehr sehenswerter Filme gezeigt hat. Sehr empfehlenswert!

The Epic (Kamasi Washington, 2015)

Ganz sicher bin ich kein Experte für Jazz, aber diese dreistündige live(!) eingespielte Aufnahme von Kamasi Washington finde ich dennoch so gut, dass ich sie empfehlen möchte. Richtig gute Musik, die aber ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Ein klarer roter Faden fehlt trotzi einer schwindelerregenden Anzahl von Stilwechseln und eigentlich jazzfremden Einflüssen nie - bewundernswert! Gebt euch das mal.

Die mysteriösen Machenschaften des Denis Outlook

Supreme X Jordan 5 Camo

Denis Outlook hat unter anderem einen schrecklichen Geschmack, was Schuhe angeht.

Ich habe eine ganze Menge verschiedener E-Mail Adressen und darin unterscheide ich mich wohl nicht entscheidend von euch. Die meisten benutze ich gar nicht regelmäßig, sondern behalte sie nur aus Nostalgie (”was, wenn sich die große Liebe von damals wieder meldet?”) oder Faulheit (”Ich könnte sie löschen, aber…”) - na gut, ich behalte sie in den meisten Fällen aus Faulheit. Ich habe mir eine neue, kurze Adresse registriert, als Microsoft mit Outlook.com neu startete und sie dann relativ bald wieder links liegen gelassen, als ich zu Google Mail zurückkehrte. Allerdings entwickelte dieses Mailkonto einige mehr oder weniger beunruhigende Eigentümlichkeiten und ich bringe es einfach aus ein paar Gründen nicht übers Herz, "Denis Outlook" still zu legen. Es könnte natürlich sein, dass ich einfach Ziel verschiedener Spammer wurde und einfach aufgrund der prägnanten, kurzen Namens bevorzugt mit Phishing und Spam zugebombt wurde. Mir gefällt aber der Gedanke viel besser, dass Denis Outlook - meine ungeliebte und vernachlässigte Microsoft Identität - irgendwann begann, eigene Interessen zu entwickeln und sich ein paar Hobbys zum Zeitvertreib organisierte. Man kann es ihm wohl nicht verdenken, oder? Einige seiner Zeitvertreibe habe ich ermitteln können:

1. Hobby: Menschen mit günstigen Uhren glücklich machen

“Rolex Submariner 2-Toned only $129!”

Wie sich herausstellte, hat Denis Outlook eine neue Geschäftsidee entdeckt: Der Handel mit “garantiert echten” Uhren-Replikas. Niemand wird sich daran stören, dass diese Dinger irgendwelchen teuren Zwiebeln täuschend ähnlich sehen, oder? Steht ja immerhin “Replica Watch” dran. Also, an den Mails, nicht an der Uhr. Offenbar habe ich Geschäftsbeziehungen die bis nach Indonesien reichen.

2. Hobby: Weltverschwörung für Einsteiger

Wie so viele ungeliebte, verkannte Wesenheiten konnte auch Denis Outlook der Faszination von Verschwörungstheorien nicht widerstehen. Er bekommt immer wieder Nachrichten… per automatischer Antwort… die von einem fürchterlichen Ende für uns alle künden:

“Sie töten mit Krieg, Alkohol und Abtreibungen!!! Rette uns!!”

Glücklicherweise ist am Ende der sehr, sehr langen Auto-Reply ein kleiner Funken Hoffnung versteckt:

“Securing the future... - Improving services - Enhancing quality of life - Making best use of public resources.”

Na denn, alles wird gut.

3. Hobby: Reisen in England

Das The Bear Inn and Burwash Motel in Sussex empfängt offensichtlich auch einsame E-Mail Adressen und bieten ihnen eine reichhaltige Auswahl an Real Ales. Nicht schlecht. Vielleicht bin ich selbst auch ein klein wenig E-Mail-Adresse, tief in mir drin? Nun, diese Parallelen fangen bei Ale an und hören bei der ein klein wenig gruseligen “warmen freundlichen Begrüßung” schon wieder auf. Was Denis Outlook dort vorhat? Man weiß es nicht. Allerdings scheint es immer wahrscheinlicher, dass Mr. Outlook von der Insel stammt.

4. Hobby: Pferdekontrolle - aber nur mit der richtigen Hardware

Mr. Outlooks Interessen sind mannigfaltig und so interessiert er sich auch für… individuell angepasste Sättel.

“Kontrollieren Sie Ihren Sattel! Vertrauen Sie dem Vorreiter in anatomisch korrekter Sattelanpassung für Pferd und Reiter! Lassen Sie sich von unserem einzigartigen, dem Becken angepassten Sitz begeistern.”

Achso. Der Vorreiter in Sachen Reiterbedarf. Naja, äh. Hauptsache, alles passt zum Becken. Ob er die Grafschaft Sussex auf dem Rücken eines edlen Rosses erreichte? Wir wissen so wenig.

5. Hobby: Kostspielige Sneaker auf Kosten von Denis Original ersteigern

“Supreme X Jordan 5 Camo UK SIZE 8‏”

… und die kosteten beim ersten Gebot schon deutlich über £480 und nur meine schnelle Reaktion und die prompte Hilfe von Ebay.uk konnte verhindern, dass jemand ein paar ausgesprochen geschmacklose Sneaker für einen noch geschmackloseren Preis erwerben konnte. Ein Sieg für die Gerechtigkeit, mein Bankkonto und die Mode.

Moral: Klage nicht über deine lange und schlecht zu merkende E-Mail Adresse. Vielleicht würdest du es noch bereuen, wenn sie knapp und prägnant ist.

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