Ausgebremst.

Morgen früh gehe ich nach einer Zeit von drei Wochen Urlaub und Krankheit wieder für durchgängig zur Arbeit. Ich freue mich, auch weil das eine ganz schön merkwürdige Zeit hinter mir ist.

Man kann wohl mit Fug und Recht behaupten, dass man mich zu vielen Zeit als „faulen Hund“ bezeichnen kann. Ich genieße meine Freizeit gern schlafend oder sitzend und setze den größten Teil meiner Energie feiernd um. Nun gut: Vielleicht ist das etwas übertrieben, aber ich verbringe nicht besonders viel Zeit mit körperlichen Aktivitäten.

Allerdings war es in diesem Fall so, dass ich eine gute Weile nicht besonders gut laufen konnte, nicht besonders gut Sport machen konnte und manchmal waren da schon mal ordentlich Schmerzen.

Ich konnte das erste Mal seit Jahren kaum erwarten, Liegestützen zu machen und habe natürlich viel zu früh wieder damit angefangen – das habe ich natürlich sehr bald darauf bereut (Aua!).

Ich wollte keine Bücher lesen, ich wollte keine Texte schreiben, ich wollte nicht am Computer oder der PS4 spielen – nein, ich wollte Menschen sehen – nicht in der Webcam, nicht von ihnen lesen, ich wollte sie treffen. Einfach nur herumlaufen, vorzugsweise schmerzfrei aber wenn es denn sein muß, dann eben auch unter Schmerzen – das war ganz plötzlich ein großes Bedürfnis.

Als es gerade wieder halbwegs ging, war ich dann auch feiern und tanzen und das war so gut, auch wenn ich den halben folgenden Tag mit schwerem Knie-Kater auf dem Sofa verbringen musste.

Dass ich mich wirklich zügeln musste, mir nicht zu viel zuzumuten, das war wirklich neu – ich lerne mich offensichtlich immer noch kennen, selbst nach den paar Jahren.

Vielleicht bin ich in diesen Moment ein klein wenig positiver als zuvor. Vielleicht neige in diesem Moment nicht so sehr dazu, mir die Erinnerung an einen tollen Abend an ein paar winzigen negativen Sekunden zu vergällen.

Mal sehen, was kommt. Ich bin froh, dass es endlich weitergeht.

Ich wollte doch nur Natron! Oder: Legenden der Kundenorientierung

Kaisernatron

Bielefeld hat nicht nur seine eigene Burg, sondern auch eine eigene imperialistische Natronsorte.

Im Supermarkt an der Ecke gibt es kein Natron mehr. „Super“, dachte ich, „jetzt muss ich ja noch den Fußmarsch zum Central auf mich nehmen und – was noch schlimmer ist – dann dort auch noch einkaufen. Für 69 Cent.“ Fremde des Bielefelder Westens sollte ich vielleicht darüber aufklären, dass der Centralkauf ein ganz normaler Supermarkt ist, der von preisbewussten Rumsitzpersonen genutzt wird, um sich mit gekühltem Bier für den nebenan gelegenen Siegfriedplatz zu versorgen. Sonst kauft man dort eigentlich nur im Notfall ein, jedenfalls betrifft das mich und Teile meines Freundeskreises.

Ich hatte mein original Bielefelder Natron gefunden und freute mich, dass ich nun endlich den hartnäckigen Bohnen für das Chili zu Leibe rücken konnte. An der Kasse konnte es ja unmöglich länger dauern, nicht um halb zwölf unter der Woche. Das dachte ich mir jedenfalls, als ich meinen kleinen Einkauf auf das Band legte.

Der eine andere Typ vor mir – so ein älterer Bursche in eindeutig zu knappen Ballonseideshorts – war tief in einem Beratungsgespräch verstrickt und schien noch dazu sehr in Eile zu sein.

„Gibt es hier rote Gauloises?“
„Genau vor ihnen. Drücken sie auf den Knopf, dann kommen sie dran.“

Er tat wie ihm angeraten und bediente sich, zwei Päckchen.

„Ah. Nun weiter. Sind die auch blickdicht? Dazu steht nichts auf der Packung.“

Ich dachte zuerst, es ginge um die optischen Qualitäten der Tabakwaren, dann erinnerte ich mich eine Besonderheit des Centralkaufs: Nicht nur den Tabak bekommt man nur an der Kasse, das gilt in diesem besonderen Markt auch für Kondome. Der junge Mann im Dienst zeigte sich der Situation voll gewachsen.

„Ich glaube, nicht ganz. Da schimmert was durch.“
„Hm. Haare wohl auch. Und die hier?“
„Besser, sie nehmen die Weißen. Die in Latexfarben sehen schon sehr nach… naja, nach Gummi aus.“
„Zeigen sie mir die anderen auch noch. Die schwarzen Dinger können sie weglassen, die interessieren mich nicht.“

Der tapferste Streiter des Einzelhandels tat, wie ihm geheißen: Er zeigte die mehr oder weniger neutralen Pappverpackungen und las dem Kunden die Beschreibungen vor. Während dessen sammelte sich eine ganze beachtliche Schlange hinter mir an. Die Wartenden beklagten sich nicht – sie waren viel zu fasziniert von den Schauspiel, das sich ihnen darbot. Ihr leises Tuscheln und Kichern störte den Präservativinteressierten offenbar nicht im Geringsten.

„Ich interessiere mich weiter für die Weißen. Zeigen sie mir die nochmal, bitte. Danke. Was muss ich für die zahlen?“
„Die kosten 3,34€“
„Oh. Die Durex sind billiger, richtig?“
„Stimmt. Die sind aber auch durchsichtiger: 2,99€.“
„Geben sie mir die, bitte. Haben sie auch Red Bull… aber… so gekühlt?“
„Ja… schon…“

Der Held an der Kasse machte zum ersten Mal eine kleine Pause, holte kurz Luft bevor er… ganz ruhig… fortfuhr.

„… bei den anderen gekühlten Getränken. Ich lasse da aber erstmal die anderen Kunden vor, wenn das in Ordnung ist.“

Ich kam endlich an die Reihe und bezahlte schnell, bevor er wiederkam. Ich lobte beim Herausgehen den Kassierer für seine Beratungskompetenz und Gelassenheit und wurde von ihm mit meinem Blick belohnt, der das nicht enden scheinende Leid von 1000 Jahren (oder bestimmten fünf Minuten an der Kasse) ganz anschaulich ausdrückte. Sein Mundwinkel zuckte fast unmerklich, dann wünschte er mir einen schönen Tag und wand er sich der Kundin hinter mir zu.
Auf dem Weg nach draußen wurde ich vom dem Kondomkunden im Laufschritt überholt, bevor er beinahe beim überqueren der Straße angefahren wurde, was ihn nicht von seinem Ziel abbrachte. Der Autofahrer starrte ihm nach, als der Kurzbehoste um die Straßenecke hastete. Ich starrte mit.

​ Alles was du brauchst

HerzkramWenn du mich fragst, ist es bestimmt nicht Liebe allein – egal was John Lennon euch einzureden versucht. Lass mich mal kurz etwas über Zwischenmenschliches schreiben, in Ordnung? In letzter Zeit beschäftigt mich solcherlei Kram wieder besonders, auch weil ich ein paar sehr positive Erlebnisse mit Menschen und auch ein, zwei weniger schöne mit anderen unterbehaarten Primaten hatte. Könnte auch sein, dass ich aus Versehen zu viele Van Morrison-Songs gehört habe.

Wenn du mit mir zu tun hast, dann musst du nicht rund um die Uhr superlustig und superfreundlich zu mir sein. Du musst ganz sicher nicht immer meiner Meinung sein. Du darfst auch gern mal viel meiner kostbaren Zeit und sogar einiges meiner sogar noch edleren Nerven in Anspruch nehmen; das ist okay für mich, ich weiß… solche Momente gibt es bei mir auch und sie kommen gar nicht selten vor. Sei wütend oder traurig oder niedergeschlagen wenn es denn sein muss und sei ehrlich damit.

Aber dafür erwarte ich auch von dir, dass du mir sagst, wenn ich falsch liege. Sag mir, wenn ich Mist baue oder Mist sage. Sag mir, wenn ich die Grenzen von Freundschaft erreiche und dass es in der greifbaren Nähe einen Punkt gibt, an dem ich die Freundschaft gefährde. Sei nicht derart loyal und rücksichtsvoll, dass du mir nicht mehr sagst, was Sache ist. Nimm dir ein Herz und du kannst dasselbe auch von mir erwarten. Gut, ohne Liebe funktioniert das alles vielleicht halbwegs – so rein funktional – aber es macht so unsäglich wenig Sinn und schon gar keinen Spaß.

Könnten wir uns dann auch diesen albernen Zynismus sparen, der das letzte mal mit 17 ein bisschen cool aussah? Die Welt ist schon schlimm genug, ohne dass wir nur die fürchterlichsten Entwicklungen sehen wollen, finde ich. Ich habe vielleicht in letzter Zeit eine scheußliche Sache erlebt, aber dann waren die Leute um mich wirklich wundervoll zu mir, wieder und wieder. Manchmal reicht es schon, zusammen über den ganzen Mist zu lachen, aber da kam noch viel mehr.

Das war es dann auch schon. Das musste mal raus. Ich lege jetzt etwas munterere Musik auf und koche mir einen Tee. Oh…

All you need is love, love
Love is all you need
There’s nothing you can know that isn’t known
Nothing you can see that isn’t shown

Na gut, John. Ich wünsche euch ein großartiges Wochenende und… hoffentlich sehen wir uns!

Das geheime Leben meines Automobils

Oha.

Oha.


Wenn dein Vater sich während der Arbeit genau so bei dir meldet, dann sollte man der Bitte um Rückruf unbedingt nachkommen. Der Zwinkersmiley verheißt schon einmal nichts Gutes: Der Mann hatte ganz sicher eine gute Geschichte auf Lager, eine von der Sorte die schon jetzt ihm ganz, ganz große Freude macht. Grund zur Sorge, wie meine geneigte Leserschaft vermuten wird. Meine geneigten Leserinnen und Leser liegen selten falsch und dieses Mal war es nicht anders.

Die Polizei hatte sich bei ihm gemeldet, weil er aus finanziellen Gründen als Fahrzeughalter eingetragen war. Mein Auto – geparkt an einer abschüssigen Straße – habe begonnen sehr langsam abwärts zu rollen. Das sei den glücklicherweise meinen aufmerksamen Nachbarn aufgefallen und die hätten einen Backstein hinter das Hinterrad gelegt. Ich sollte nur bei meiner Rückkehr den Stein entfernen und den Wagen an eine waagerechte Stelle umparken. Vielleicht sei es sinnvoll, in der nächsten Zeit einmal die Handbremse zu überprüfen, haha. Sonst sei alles gut, wirklich!

Oh.

Natürlich schossen mir zahllose Gedanken durch den Kopf. „Hast du etwas die Bremse nicht fest genug angezogen? Die war ja immer schon etwas schwach…“ und „Du bist so dämlich, Denis“ waren die ersten und dann setzte es sich ähnlich fort, nur zunehmend nervöser und selbstkritischer. Ich arbeitete also mehr oder weniger konzentriert bis zum Feierabend und wappnete mich auf das peinliche Gespräch mit den aufmerksamen Nachbarn, als ich in den Zug nach Bielefeld stieg. Nur ein paar Minuten Fußmarsch und als ich um die letzte Ecke vor dem… ursprünglichen Parkplatz bog, hatte ich mir bereits in vielen Details ausgemalt, wie weit mein Auto wohl ohne mich unterwegs gewesen war.

Das was mich dort erwartete, hatte ich allerdings nicht erwartet: Da stand ein Auto und es war zu meiner nicht unbeträchtlichen Überraschung meines. Ich untersuchte das Hinterrad nach etwaigen Backsteinen. Da war kein Backstein, kein Y-Tong Stein, nicht mal ein größerer Kiesel. Der Wagen stand genau so da, wie ich ihn geparkt hatte. Interessant, nicht wahr? Ich rief meinen Vater gleich an und berichtete ihm. Er fand das auch interessant – so interessant dass er am nächsten Tag bei der Polizei anrief und sich nach der Sache erkundigte – ich hätte das sicher nie getan. Das hier schrieb er mir am nächstem Morgen:

Threemaauszug

Ich war sofort entspannt.

Ich wirklich habe keine Ahnung, was da an jenem Morgen passiert ist und ehrlich gesagt wird die Geschichte in meinem Kopf nur noch merkwürdiger, solange ich darüber nachdenke. Wer sind diese Nachbarn, von denen ich nie etwas hörte? Wo ist der Backstein jetzt? Hat mein Auto einen Doppelgänger, der die Öffentlichkeit ablenkt? War dieser Motorradpolizist ein Komplize? Was unternimmt mein PKW, wenn ich arbeiten gehe? Was kann mein Auto noch alles? Warum wurde ich nicht informiert? Sorgt mein Auto dafür, dass diese Welt ein weiteres Mal vor einem entsetzlichen Schicksal verschont bleibt? Kann ich Heldentaten von der Steuer absetzen? Ist mein Kraftfahrzeug Batman?

Wenn ich also bisweilen ein wenig abgelenkt und gedankenverloren wirke: Nun wisst ihr, warum.

Warum schaut ihr nicht mal „The Nice Guys“?

The Nice Guys

Promomaterial. Ich hoffe, ich darf das verwenden?

Ich war am letzten Freitag im Kino und habe mir „The Nice Guys“ von Shane Black (genau, der von „Iron Man 3“) angeschaut und das konnte nur passieren weil ich mir etwas Mühe gegeben hatte: Ich habe einen Freundeskreis mit erlesendem Geschmack und passe auf, was sie zu sagen haben, ich habe Filmblogs gelesen und ein wenig die IMDB im Auge behalten. Keine Ahnung, wie ich zufällig von diesem Film hätte erfahren sollen, denn das Cinemaxx hatte nicht ein Plakat an einer halbwegs sichtbaren Stelle aufgehängt. Es gab ein bisschen Online-Werbung und ein paar sehr wohlwollende Besprechungen, aber man musste sich schon ein bisschen für Filme im allgemeinen und für die Macher und Darsteller in diesem Film im besonderen interessieren.

Russell Crowe und Ryan Gosling… allein in den Hauptrollen sind das doch Namen, die man eigentlich kennt, oder? Der Film ist eine ziemlich klassische Krimikomödie… mit ein paar eher ungewöhnlichen Einsprengseln, die ich aber nicht vorab verraten möchte. Es gibt einen schlauen Teenager und eine Menge gelungener Dialoge und Oneliner. Aber in den USA war „The Nice Guys“ kein Erfolg – wie es aussieht, geht es ihm hier ein kleines bisschen besser – aber gelinde gesagt nicht großartig als sechsterfolgreichster Film in der ersten Woche nach der Premiere. In der deutschen Schweiz ist „The Nice Guys“ übrigens ein kleiner Hit. Schau mal einer an.

Vielleicht handelt es sich nicht um den besten Film der letzten 10 Jahre, aber doch ganz sicher um ein sehr, sehr unterhaltsames, wirklich gekonnt gemachtes Werk, garniert mit einem sahnemäßigen 70s Soundtrack. Ich will nicht zuviel verraten, aber Crowe und Gosling geben ein Paar von ganz schön heruntergekommenen Gestalten, die man wirklich nur mit viel gutem Willen als Privatdetektive bezeichnen. Das funktioniert hervorragend. Wir haben wirklich sehr gelacht und ich bin wirklich selten laut in Filmen. Hier fiel das nicht so sehr auf; dem Rest des Publikums ging es hörbar genauso. Wenn ihr Shane Blacks 2005er Film „Kiss Kiss Bang Bang“ mit Robert Downey jr. und Val Kilmer mochtet, dann seid ihr hier sowieso goldrichtig.

Wenn die Filmfreunde eher ihr Filmglück in von der Kritik förmlich zerstäubten Megaprojekten á la „Transformers“ und „Batman v. Superman“ suchen und durchaus gelobte Filme wie dieser hier keine Chance haben, dann könnten wir am in ein paar Jahr ein sehr sehr klägliches Filmprogramm in den großen Kinos haben. Ganz ehrlich, so sehr ich Arthouse und die kleinen Kinos und insbesondere das wundervolle Bielefelder Offkino mag, genauso liebe ich aber auch die großen Säle, die teuren Produktionen, die großen Stars und die fetten Explosionen.
Aber wenn wir wirklich immer nur Sequels und Prequels der jeweiligen Franchises schauen, dann bekommen wir das Mainstreamkino, das wir verdient haben. Brrr.
Geht mal ein minimales Risiko an und schaut diesen Film. Ihr werdet es ziemlich sicher nicht bereuen. Falls doch, entschuldige ich mich persönlich. Jedenfalls dann, wenn ihr das Bier bezahlt.

Gorgmorgs Obsessionen.

JorkensGuten Tag, ich heiße Denis und ich habe Obsessionen. Die habe ich schon mein ganzes Leben lang. Ziemlich sicher hast du auch Obsessionen. Das ist schon okay, würde ich sagen. Wir sind hier ja schließlich unter uns und die anderen sind bestimmt nicht anders.

Ich glaube, wir reden besser nicht über die Angelegenheiten, die mit anderen Menschen zu tun haben. Das wird sonst ganz schnell etwas gruselig und ich glaube, die meisten unter uns haben sich sowieso schon einmal sehr, sehr hingebungsvoll für einen anderen Menschen interessiert. Ich will zugeben, dass ein ganz bestimmtes Lächeln oder eine hübsche Nase… lassen wir das erstmal. Die meisten von uns fangen aber in solchen Situationen nicht unbedingt damit an, geliebte Menschen beispielsweise zu… sammeln. Falls du dich angesprochen fühlst und Menschen sammelst: Hör unbedingt auf damit! Das ist echt schräg und ich halte es für wahrscheinlich, dass diese Leute es gar nicht schätzen, gesammelt zu werden.

Ich habe schon viele Sachen – Sachen sind okay, Lebewesen nicht- angesammelt. Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind Berge von Musikkassetten angesammelt habe. Ich habe sie mit Aufnahmen vom Radio bespielt und fast nie wieder angehört – wie das eben mit Aufnahmen so ist. Man versucht etwas festzuhalten und das Gefühl in diesem Moment ist genau das, was am Ende nicht auf dem Magnetband zu finden ist. Ich habe auch damals keine Vinyl-Platten gekauft, sondern mich auf Kassetten verlegt, die schon ein paar Jahre später nicht mehr abspielbar waren. Irgendwann fand ich heraus, dass ich LPs auf der großen Stereoanlage meiner Eltern abspielen konnte und wie viel besser das klang. Damit war die Episode mit den Kassetten ganz schnell abgeschlossen. Ich glaube, die müssen noch irgendwo bei meinen Eltern liegen.

Ich war ein großer Fan von Bruce Springsteen und stand damit in meiner Grundschulklasse ziemlich alleine da – ich stand sowieso meistens ziemlich alleine da, aber das ist noch eine andere Geschichte. Ich will hier nur sagen, dass ich vermutlich der einzige bin, der einen „Born in the USA“ Seesack besitzt, komplett mit Aufdruck vom „Boss“ in armloser Jeansjacke und dem absolut notwendigen Stirnband, yeah! Die Faszination verließ mich abrupt mit dem schrecklichen „Tunnel of Love“ Album, aber ich mag Springsteen immer noch. Noch frühere musikalische Obsessionen waren die Harry Belafonte „Greatest Hits“ meiner Eltern und… die zu Recht gefürchtete deutsche Band „Dschingis Khan“. Reden wir nicht weiter über Dschingis Khan.

Später legte ich eine Sammlung von mehr oder weniger exotischen Rollenspielregelwerken an, von denen ich ein geschätztes Viertel überhaupt nur einmal im Spiel benutzt habe; die anderen habe ich nur gelesen und stellte mir dabei vor, wie toll es wäre, das zu spielen. Meine weniger abenteuerlustigen Freunde waren dafür nicht zu haben. Ich frage mich oft, wo die ganzen Bücher eigentlich geblieben sind. Ganz, ganz tief im Keller meines Vaters sind immer noch trocken gelagerte Umzugskartons voller Schätze, so die Legende. Ich würde irgendwann mal eine Expedition dahin organisieren, aber ich bin kein Indiana Jones und ich habe tatsächlich manchmal Angst vor meiner Courage. Wer weiß, was da alles zum Vorschein käme…!

Ganz sicher befindet sich da auch ein Großteil meiner gesammelten Jack Vance und Lord Dunsany Buchschätze, die ich über Flohmärkte und später Amazon und Ebay zusammengetragen habe. Warum habe ich nie ein schönes Regal für sie angeschafft? Ich finde, am merkwürdigsten an Obsessionen ist der Moment, in dem sie verblassen. Das Gefühl, in dem dich etwas verlässt – ein kleines bisschen Wehmut und vielleicht ein Funken Erleichterung. Danach kommt dann die große Frage: „Wohin mit dem Zeug?“. Ich will nicht umgeben von verblichenen Obsessionen leben. Verkaufen oder gar wegwerfen kommt für mich auch nicht in Frage, ich mag den ganzen Schiet ja noch – es reicht, wenn ich das alles nicht mehr ständig vor den Augen habe. Ich habe mal meine Comics auf dem elterlichen Dachboden gefunden und ein großer Teil war irgendwann einmal nass geworden; die Seiten klebten zusammen und, ach. Das tat ganz schön weh.

Ich bin ja schon ganz froh, dass ich – zum Beispiel – niemals eine Leidenschaft für Autos oder Baumaschinen entwickelt habe. Vielleicht Architektur? Damit wären die Kapazitäten meiner Eltern ganz klar überfordert gewesen.


P.S. Mir fällt gerade auf, dass ich gar nichts zu Computerspielen geschrieben habe. Das ist wohl einen eigenen Beitrag wert.

Mein Auto ist noch in den Staaten.

Auto

Beweisfoto. Ich habe tatsächlich ein rotes Auto.

Aus einem mir inzwischen schleierhaften Grund habe ich mich mit meinem kleinen roten alten Auto in die USA eingeschifft. Das war gar nicht so einfach. Allein schon der Umgang mit dem etwas unkooperativen Zoll war problematisch: Die dachten doch tatsächlich, ich wollte die Karre dort verkaufen!

Die Schiffsreise verlief eher ereignislos. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mich daran dachte, dass der Atlantik nicht den Ruf hatte, so ruhig zu sein. Aber dann waren die Geschichten über die Atlantiküberquerung immer sehr alt, ich konnte mich an niemanden erinnern der wirklich eine Schiffsreise in die Staaten unternommen hatte. Die meisten waren geflogen. Das wäre vielleicht auch für mich eine gute Idee gewesen, oder? Auto in einen Container und ich würde einfach bequem rüber fliegen, um am Ziel vereint zu werden.

Nun, ich hatte mich einfach anders entschieden.

Als ich ankam, fuhr ich endlose Straßen entlang. Andere Autos kamen mir nur sehr selten entgegen, es waren nur Hügel, Bäume, Felsen, die Straße und der Himmel. Manchmal regnete es heftig. Die großen Regentropfen klatschten mit solcher Gewalt gegen die Windschutzscheibe, dass ich mehr als einmal anhalten musste. Ich machte Fotos mit meinen Smartphone; diese Live Photos die mehr wie ein kleiner Film aus ein paar Sekunden waren, mit einem Fetzen Ton.

Die Reise war sehr anstrengend und die Einsamkeit nagte an mir. Ich hatte es zwar eilig und spürte, dass etwas passieren würde, wenn ich nicht am Steuer bliebe.

Ich habe dann trotzdem in einem Motel eingecheckt, als mir die Augen begannen zuzufallen. Es ging einfach nicht mehr weiter, ich brauchte einfach Ruhe. Einfach nur das Wissen, dass hier noch andere Menschen waren.
Die Merkwürdigkeit der Situation wurde mir erst klar, als ich zur Ruhe kam. Warum war ich eigentlich unterwegs? Was war mein Ziel?

Als ich wieder aufwachte, war ich in meinem Bett. Zuhause. In meiner Bielefelder Wohnung. „Was für ein merkwürdiger Traum“, dachte ich. Dann schaute ich mir die Bilder in meinem Smartphone an und auch die kleinen Live Photos. Ich konnte den Donner hören.

„Mein Auto ist noch auf dem Hotelparkplatz!“, fuhr es mir durch den Kopf.

Das war dann der Moment, in dem ich wirklich und wahrhaftig aufgewacht bin. Im selben Bett, derselben Stadt, ganz sicher nicht in einem Motel, aber ohne die Bilder im Handy.

Ich bin dann trotzdem erst einmal kurz vor die Tür gegangen um nach dem Wagen zu sehen. Sicher ist sicher.

Das Grauen, das zur Theke kam.

Astra. Das waren die guten Zeiten dieses Abends.

Astra. Das waren die guten Zeiten dieses Abends.

Gar nicht so selten gehe ich demonstrieren. Meistens geht es gegen irgendwelche rechten Umtriebe und weil ich in Bielefeld lebe, sehe ich die die andere Seite gar nicht, einfach weil es hier im traditionell eher „roten“ Bielefeld eine sehr, sehr ausgeprägte Tendenz zur anderen Seite gibt. Das ist gut so, finde ich. Ich fühle mich relativ sicher in Bielefeld, zumindest was die ganze Nazigeschichte angeht.

Ich gehe nach so einer Demo dann immer nach Hause und denke, die komischen Leute mit den scheußlichen Ansichten habe auch eine ähnliche Entscheidung getroffen – es handelt sich ja in weiten Teilen sowieso um Auswärtige, auch wenn wir natürlich auch ein paar stadtbekannte Rechte haben – aber um die Teilnehmerzahlen zweistellig zu bekommen, wird halt gern zu uns gereist.

Nun gut. Ihr kennt das ja vielleicht auch: Man ist ein wenig ausgegangen, hat ein, zwei, drei Drinks gedrunken und beschließt, den Abend so gegen Mitternacht ausklingen zu lassen und die kurze Wanderschaft nach Hause anzutreten. Du nimmst deinen Deckel und begibst dich an die gewohnte Stelle an der Theke um zu zahlen und dann…! Dann passiert das Unvermeidliche: Da sind Leute, die du bisher noch gar nicht gesehen hast und die du schon seit langem mal wieder sehen wolltest! Das sind Leute, die dich schon lange nicht mehr gesehen haben und dich sogar auch immer mal wieder sehen wollten! Natürlich ist es in einer solchen Situation – Müdigkeit hin oder her – komplett ausgeschlossen, der Vernunft zu folgen und heim zu gehen. Ihr unternehmt etwas ganz anderes: Ihr geht gemeinsam zum anderen Ende der Innenstadt und sucht Tanzlokal auf, in dem du noch nie warst und bislang auch nie auch den Ansatz eines Interesses hattest, dort einmal einzukehren. Aber, hey, die Gesellschaft ist viel zu nett und die Nacht ist plötzlich viel zu jung.

Man amüsiert sich tatsächlich gut, auch wenn dort recht wenig Gäste anwesend sind – genauer gesagt sind wir die einzigen Menschen dort, die nicht für ihre Anwesenheit bezahlt werden. Wir sind natürlich gut darin, uns auf jeden Fall zu amüsieren. Die Musik ist auch gar nicht so schlimm. Warum ich meistens Cola und sonst höchstens einmal das zweifelhafte Becks Lemon trinke, kann ich mir aber auch nicht so richtig zusammenreimen. Vermutlich, weil mein Unterbewusstsein vom Verderben ahnt, das über den unterbesuchten Laden kommen wird, genau wie damals über Sarnath beim ollen Lovecraft 1.

Du stehst also an der Theke und versuchst, dich nicht mit dem volltrunkenen Typen zu unterhalten, der das exakte Gegenteit mit dir vorhat, bevor du drei Getränke für deine Leute und dich bekommst und dich aus dem Staub machen kannst. Du bestellst nichts Böses ahnend und du spürst einen Arm, der sich fast zärtlich um dich legt und ein nicht unbeträchtliches Gewicht das auf dir lastet…das alles erst nach der vernehmlichen Fahne des Neuankömmlings.

„Du.“

„Ja? Was ist denn?“

Er schaut mir tief in die Augen und erhebt die Stimme.

„Ich liebe meine Tochter.“

Er lässt sich auf einen Hocker sinken, lehnt aber weiter auf mir. Ich war schon lange nicht mehr so innig umarmt worden, aber ich hatte das durchaus angenehmer in Erinnerung.
Der Typ trägt schwarz und Glatze und war ganz schön groß und ganz schön breit. Er will wissen, wie ich mit Vornamen heiße und ich sage es ihm, er sagt mit seinen. Er umarmt mich erneut.

„Ich liebe meine Tochter und ich liebe Deutschland.“

„Ah. Das ist ja gut, dass du deine Tochter liebst. Das freut mich.“

„Trinkst du einen mit mir? Liebst du Deutschland auch so?“

Was sagt man denn das so ein einem solchen Moment? „Liebst du deine Tochter auch so wie du Deutschland liebst?“ wäre wohl nicht ideal, nehme mal ich an. Mein leicht beeinträchtigtes Hirn arbeitete auf Hochtouren. Jetzt bloß keine Szene, denke ich – der soll einfach alle hier und insbesondere jetzt gerade mich in Ruhe lassen. Aber auf gar keinen Fall werde ich mit dem Typen anstossen. Das Gekuschel darf auch gern aufhören.

„Nein, ich liebe Deutschland nicht so wie du, glaube ich.“

Ich sage es einfach und wundere mich über meine Courage. Ich lächle, klopfe ihm auf die Schulter und sage, dass ich nicht mit ihm trinken möchte. In diesem Moment bringt der Barmann meine Bestellung und ich empfehle mich, vielleicht ein klein wenig eiliger als ich das sonst getan hätte. In meinem Kopf wirbeln die ganzen Sätze durcheinander, die ich hätte sagen sollen und…die vermutlich nicht so gesund gewesen wären2.

Der Typ hat an diesem Abend noch buchstäblich jeden der inzwischen zahlreicheren Gäste angesprochen, bis er von einem wirklich peinlich berührten Türsteher ganz sicher nicht weißer und westeuropäischer Herkunft sanft hinausbegleitet wurde, der sich danach bei (buchstäblich) jedem der Gäste entschuldigte.

Im Nachtleben trifft man Menschen, denen man sonst niemals begegnen würde. Leider eben auch bisweilen die Sorte, die man auch niemals treffen wollte.


  1. H.P. Lovecraft: Bekanntlich selbst arger Rassist und Antisemit und auch sicher nicht die angenehmste Gesellschaft. 
  2. Im Nachhinein denke ich, dass ich da vielleicht ein wenig überreagiert habe, konkret bedroht hat er mich ja nun überhaupt nicht. Ich wollte schlicht nicht da bei ihm sitzen und ein kumpeliges Gespräch mit einem Menschen fühlen, der mir in vielerlei Hinsicht zuwider war. 

Pieps.

Wir nähern uns einer Kommode und sehen hinab. Darauf steht gläserner Kasten, abgedeckt mit Gaze, darüber eine gleißend helle Lampe die dem Sonnenlicht nahe kommen soll. Wir schauen durch die Scheiben und sehen: Eine bräunliche Wurzel, einen großen Stein, eine flache Schale mit Wasser und eine Menge Rindenmulch. Darin behaglich eingerollt sehen wir eine Schlange von mittelmäßiger Größe und Zeichnung. Eine weiße Ratte ist soeben von weiter oben eingeworfen worden und ist dabei, sich mit der neuen Situation vertraut zu machen. Soeben hat sie die Schlange bemerkt.

Wenn wir nun ganz leise sind, dann können wir sie vielleicht belauschen.

„Pieps?“

„Hrm. Hrmrrrm?“

„Pieps.“

„Hör mal, ich versuche hier zu verdauen. Wenn du also bitte ein wenig Respekt…“

„Ähem!“

„… hättest, du kommst auch noch dran. Vielleicht Morgen? Nein. In einer Woche oder so. Ich versuche, ein wenig abzunehmen. Hab ein einfach bisschen Geduld. Nag’ solange am Mulch oder so.“

„Piiieps!“

„Na schön. Na schön. Was ist denn los?“

„… oh. Also, ich habe ja noch nie eine gesehen, aber ich vermute es mal: Du bist… eine… Schlange, ja?“
„Ein Python.“

„Ich dachte, das heißt ‚die Python‘.“

„Fachsprachlich ist es „der Python“ und ich bin ja wohl Fachkraft für Pythons, wenn ich mal so unbescheiden sein darf.“

„Oh. Nein, das sollte keine Kritik an deiner Qualifizierung sein. Ich bin eine Ratte. Fachsprachlich „Die Ratte“, umgangssprachlich auch „Die Ratte“.“

„Ich weiß, dass du eine Ratte bist. Ich, äh, habe ziemlich häufig mit euch zu tun. Wenn du verstehst, was ich meine…“

„Ich heiße Roy. Roy die Ratte. Haha.“

„Hör mal, ich möchte nicht unbedingt mit dem nächsten Mittagessen auf eine persönliche Ebene wechseln…



Die Schlange macht ein Geräusch welches an einen Fahrradschlauch erinnert, aus dem die Luft sehr langsam entweicht. Bestimmt würde sie mit den Augen rollen, wenn Schlangen dazu anatomisch in der Lage wären.

„Schön. Ich bin Cynthia. Cynthia, der Python.“

„‚Der?‘ Das klingt aber merkwürdig.“

„Die letzte Ratte die mir mit dem kam Spruch habe ich gegessen.“

„Oh.“

“ Die vorletzte ebenfalls, die davor auch. Ich habe alle Ratten gegessen, Spruch oder kein Spruch, die hier reingeworfen wurden. Ich mache da keine besonderen Unterschiede.“

„Das beruhigt mich jetzt aber.“

„Bitteschön, keine Ursache. Ihr werdet auf die Dauer übrigens etwas fade, wenn ich das mal äußern darf. Das is auch nicht persönlich gemeint.“

„Tut mir leid. Ich würde mich da ganz gern für die Internationale Rattenschaft entschuldigen.“

„Ich habe noch nie etwas anderes gegessen als Ratte. Nicht einmal am Schlüpftag gab es etwas Abwechslung…“

„Das tut mir leid. Wir essen ja eigentlich alles, Abwechslung ist da gar kein Problem. Außer wenn man wie ich als Futtertier arbeitet, selbstverständlich. Ich verstehe dich da schon, ganz ehrlich.
Ich hätte da noch eine etwas ungewöhnliche Frage. Wenn das erlaubt ist.“

„Da ich dich sowieso – wie gesagt, das ist nicht persönlich gemeint – demnächst essen werde, sind wohl ein paar ehrliche Antworten angemessen. Ich langweile mich hier sowieso nicht wenig – in einem Terrarium passiert wenig Unterhaltsames. Stell deine Frage.“

„Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber… gut, ich spreche es einfach aus. Wie fühlt sich das so an, eine Ratte zu… verschlingen?“

„Ohhhh. Es ist nicht nur einfach stumpfes Schlingen. Es ist zunächst das Würgen… bis das kleine Tier den Kampf aufgibt und noch ein wenig zuckt… sich in sein Schicksal ergibt. Das hat schon was.“



Roy die Ratte atmet tief durch und setzt sich ein wenig bequemer hin.

„Red weiter. Bitte, red einfach weiter.“

„… Du machst dich gaaanz locker, renkst dir den Unterkiefer aus, wenn die Ratte schön fett ist… du schiebst sie dir ganz rein… du musst manchmal echt aufpassen, um nicht zu ersticken, aber du machst laaangsam weiter… du musst geduldig sein und schlucken, schlucken, schlucken, schlucken…“

„… nicht aufhören… bitte nicht aufhören…“

„Die Ratte rutscht deinen Schlund hinab und du ziehst die Muskeln zusammen… allein der Gedanke an das leise… Knicks! der kleinen, zarten Rippen, wenn sie brechen… oh, allein bei der Vorstellung daran stellen mir die Schuppen auf.“

„Cynthia, ich.. ich bin sehr erregt.“

„Roy.“

„Cynthia.“

„Roy.“

„Pieps.“

Fast so langweilig wie Lokalpatriotismus.

Da komm ich wech.

Da komm ich wech.

Nein, wirklich: Eigentlich interessiere ich mich nicht besonders für eure Heimat. Natürlich gehe ich davon aus, dass es sich um eine sehenswerte Ortschaft handelt, in einem durchweg unterschätzten Landstrich gelegen, der seine Schönheit nicht jedem oberflächlichen Beobachter offenbart. Die Ansässigen aber wissen sehr gut, warum sie ansässig sind: Diese Ortschaft in dieser Landschaft ist selbstredend die Beste und daraus folgernd sind die anderen Ortschaft in derselben oder anderen Landschaften höchstens gerade noch erträglich.

Lokalpatriotismus ist in kleinen Dosierungen eine charmante Sache, solange man die Angelegenheit nicht ernst nimmt.

Da wir gerade beim „nicht ernst nehmen“ sind, wage ich eine kühne These zu verkünden: Es wäre denkbar, dass eine größere Anzahl der Bewohner Berlins durchaus ganz angenehme Zeitgenossen sein können, solange sie nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit versuchen so zu klingen, als seien sie tatsächlich Bewohner Berlins und zu erzählen, wie viel unvergleichlich schöner, größer und natürlich weniger provinziell Weltstadt Berlin ist. Keine Sorge, liebe Berliner: Dergleichen ermüdende Monologe führen auch andere Gruppen ins Feld, sogar Hamburger, Schwaben und – man mag es kaum glauben – sogar wir Bielefelder. Ihr seid damit nicht allein. Ist das ein gutes Gefühl? Ich bin mir da nicht so sicher.

Manchmal finde ich es schade, wenn man sich so lange über die möglichen Eigenheiten verschiedener Regionen unterhalten muss und wie überlegen (oder alternativ auch außerordentlich bescheuert) die eigene Ecke des Planeten sei.

Dann doch lieber das Wetter, das haben wir wenigstens gemeinsam. Wobei, bei uns in Westfalen regnet es ja doch immer, das macht uns natürlich erst zu diesen sturen, zuverlässigen Charakteren… nicht so wie die leichtlebigen Rheinländer, die können dafür besser feiern, die Westfalen sitzen ja nur herum…

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