Jenny interviewt Powderfinger

Es ist jetzt schon eine Weile her, da hatte ich das Vergnügen Darren Middleton von der australischen Band Powderfinger zu interviewen, die als Support mit den Manics auf Tour waren.
Powderfinger
Jennifer Richmond.: Ich habe euch gestern schon einmal in Hamburg spielen sehen, wo ihr euer neues Album vorgestellt habt. In Deutschland ist es das erste Album, aber ihr habt in Australien schon mehrere veröffentlicht.

Darren Middleton: Ja, insgesamt ist es unser viertes Album.

J.R.: Und wie fandest du eure Auftritte?

D.M.: Die Stimmung heute war besser, aber das liegt vielleicht auch daran, dass unser Raum hier hinten größer ist als der gestern. Wir sitzen hier schon den ganzen Nachmittag.

J.R.: Ich fand euch heute auch besser als gestern.

D.M.: Ja, vielleicht liegt es aber auch ein bißchen am deutschen Publikum. Wir sind gewarnt worden, dass es manchmal ziemlich ruhig sein kann.

J.R.: Im Vergleich zu gestern war heute aber richtig Stimmung.

D.M.: JA, vielleicht sind die Berliner einfach besser drauf als die Hamburger?

J.R.: Ich glaube, es lag eher an den 20 Mädels, die gestern schon in Hamburg waren und heute wieder dabei sind. Die meisten fanden euch ganz gut, aber sie sind halt nicht wegen euch da.

D.M.: Vielleicht nächstes Mal. Wir wollen im August wieder nach Europa kommen und auf ein paar Festivals spielen, da haben wir dann noch mehr Publikum, das uns kennenlernen kann. Ich hoffe dich sehen wir dann auch irgendwo.

J.R.: Mal sehen wo ich dann stecke. Wie lange macht ihr schon Musik?

D.M.: In dieser Zusammensetzung spielen wir schon seit zehn Jahren. Wir haben uns schon in der Schule kennengelernt, und auch nichts anderes seitdem gemacht.
Die meisten von uns sind seit drei Jahren mit der Schule fertig. Und weil wir nicht wussten, was wir sonst machen sollen haben wir uns auf die Musik konzentriert. Wir machen das jetzt seit 1991, aber damals waren wir noch nicht so gut.

J.R.: Und hast du mal darüber nachgedacht, was du machen würdest, wenn du nicht Musik machen würdest, oder es nicht mehr könntest?

D.M.: Nein, ich mache ja nur Musik. Also würde ich sonst wohl auch was mit Musik machen. Früher habe ich auch viel gekocht, das kann ich auch ganz gut, aber ich habe keinen richtigen Beruf gelernt. Das was ich jetzt mache liebe ich einfach.
Wenn ich selber nicht mehr spielen könnte würde ich vielleicht für andere Songs schreiben und produzieren

J.R.: Habt ihr ein Schema nach dem ihr arbeitet?

D.M.: Normalerweise fangen wir mit der Musik an. Wir probieren einfach was aus, irgendwann gibt es dann so etwas wie eine Melodie. Bernard nimmt dann die Sachen mit nach Hause und schreibt einen Text. Nach ein paar Tagen kucken wir gemeinsam, was wir haben und probieren dann solange aus und ändern Sachen, bis der Song fertig ist.

J.R.: Worüber sind eure Songs?

D.M.: Alles mögliche, Beziehungen, Leute, ein Song ist über das Verhältnis, das man zu sich selber hat. Man schreibt die Songs so, wie man sich am Besten ausdrücken kann und versucht sich damit mitzuteilen.

J.R.: Ich habe vor einiger Zeit ein Interview mit einer Band geführt, die ausschließlich auf deutsch singt, weil sie sich auf deutsch am Besten ausdrücken können.

D.M.: Warum auch nicht, Rammstein kommen damit ja auch durch. Sie haben in Australien auf einem Festival gespielt. Wir sind zwar alle keine Fans, aber es war lustig zuzusehen. Wenn sie sich selber in Brand stecken und so. Aber irgendwie müssen sie auch auffallen, wenn sie internationalen Erfolg haben wollen. In Australien sind sie auf jeden Fall aufgefallen. Wir haben davor gestanden und haben gedacht "Gott, was wird das?"
Wir hatten schon Angst, das alle Deutschen so sind.

J.R.: Und was für einen Eindruck hast du jetzt?

D.M.: Oh, es geht. Ich habe schon viele deutsche Schimpfwörter gelernt.

J.R.: Das ist wichtig.

D.M.: Ich versuche immer so viel von einer Sprache zu lernen, das ich Hallo, Danke usw. sagen kann. Außerdem bin ich dabei Spanisch zu lernen.

J.R.:Wie seit ihr in das Vorprogramm der Manics gekommen?

D.M.: Wir sind kurzfristig für Coldplay eingesprungen, weil ihr Sänger mal wieder was mit den Stimmbändern hat. Wir haben echt Glück gehabt. Wenn wir hier alleine aufgetreten wären, wären die 20 Mädel von gestern bestimmt heute nicht da gewesen.

J.R.: Euer Album heißt Odyssey Number Five und die Single dazu ist My Happiness.

D.M.: Ja, das Album soll im Sommer rauskommen, und danach kommen wir wieder auf Tour. Wann kommt der Euro? Ich finde das Geldwechseln immer am Schlimmsten. Man hat lauter Kleingeld in der Tasche und jeden zweiten Tag braucht man eine andere Währung, will man ohne Bargeld auch nicht auskommt. Und das nur weil man 'ne Karte verschickt oder irgendeine Kleinigkeit braucht. Zum Glück gibt es jetzt das Internet, das ist viel schneller und billiger.

J.R.: Gebt ihr noch mehr Konzerte in Deutschland?

D.M.: Nein, wir fahren gleich noch nach Zürich und übermorgen nach Wien. Danach geht's wieder nach Hause. Wir waren jetzt fünf Wochen in Europa.

J.R.: Dann wünsche ich euch eine gute Heimreise. Zum Glück ist es in Australien nicht so kalt wie hier.

© 2001 Jennifer Richmond

Kommentare sind geschlossen.