Treppenhaus der Verdammnis

Ich sollte eigentlich schon lange schlafen, aber ich muss einfach die folgende Begebenheit noch niederschreiben, solange die Erinnerung noch sehr frisch ist. Nun, wie es manchmal vorkommt, ging ich an diesem Abend zu Freunden, wo man sich traf um den Abend gemeinsam zu verbringen und später zusammen auszugehen. Bielefeld ist zwar nicht groß, dennoch macht es mehr Spaß und mehr Sinn, wenn nur zwei Leute fahren und nicht sieben. Nun gut, man hörte etwas nicht sonderlich laute Musik, man lachte und irgendwann beschloss, den Weg ins JZ Kamp anzutreten, um die dortige Jubiläumsparty zu besuchen. Jawohl! Das versprach ein unterhaltsamer Abend zu werden und genau das bewahrheitete sich auch.

Mein lieber Freund C. und ich gingen die hölzerne Treppe hinab und unterhielten uns leise. Als uns plötzlich ein großer unrasierter Herr mit schwerem Akzent (den konnte ich bis heute nicht einordnen) hinterherbrüllte, das es bald 12 wäre und wir abhauen sollten – nun, genau damit waren wir grade beschäftigt, also störten wir uns nicht weiter am dem armen Irren und gingen weiter dir treppe hinab. Ein verhängnisvoller Fehler. Denn der stürmte nicht gerade leise hinter uns her und schrie “raus raus raus raus raus.. sofort RAUS!”… bis wir den Bürgersteig betreten hatten. Dann: “Verpisst euch, ihr Arschlöcher!” In mir kochte es allmählich und ich konnte es wirklich nicht mehr ertragen – wir hatten beim besten Willen nichts Schlimmes oder gar außergewöhnlich Lautes verbrochen. Außerdem standen wir nun definitiv auf der Straße und nicht mehr in seiner edlen Residenz. Ich drehte mich halb um und meinte -großer Fehler – das er dann wohl auch in genau diese von ihm verwendete Kategorie einzuordnen wäre; dann gingen wir zum Auto.

Oder besser: Wir versuchten es. Denn plötzlich muss er mir in den Rücken gesprungen sein und presste mir seine Armbeuge auf die Kehle. Mir blieb dir luft weg und reichte meinem verständlicherweise etwas schockierten Freund mein Handy – an sowas denkt man wirklich in dem Moment, man ist wahrhaft kaltblütig und empfiehlt mit der letzten Luft dem nebenstehenden Kumpel, gegebenenfalls die Polizei zu rufen. Irgendwann – die Zeit vergeht so zäh wie Rübenkraut fließt – beginnt man sich zu sorgen. Ich erinnerte mich an meine wenigen Minuten Selbstverteidungserfahrung und rammte ihm mit aller verblieben Kraft und Entschlossenheit den Ellenbogen in den Unterleib, was er mit einem UFF! und einem Aaah! und einer wirklich minimalen Lockerung des Griffes beantwortete. Meine restlichen Freunde waren inzwischen eingetroffen und versuchten eindringlich, den haarigen Herrn von der Unverständlichkeit seines Verhaltens zu überzeugen. Er sah sie, ließ los und trollte sich. Wir sind schnell abgehauen, erst recht als sein Kleiderschrank von Kumpel in der Tür auftauchte. Aber da waren wir schon in der überzahl und auf dem Sprung.

Wie das so ist – leider war das nicht die erste Situation dieser Art, die ich erlebte, egal in welcher Rolle – sind die Zuschauer sehr viel geschockter als das Opfer. Das muss ja nicht hilflos zustehen. Nun gut, ich hatte jedenfalls auf der folgenden Party etwas gutes zu erzählen, wenngleich etwas heiser – erst dort erfuhr ich, dass der beutegierige Neandertaler… der ansässige Hausmeister war.

Nun.

Ich kann nicht behaupten, dass ich damit gerechnet hätte.

4 Kommentare

  1. Erinnert mich ein wenig an unsere Diskussion von unserer letzten Party. Zum Glück blieb dabei alles fiktiv.
    Aber seinem Kumpel erstmal das eigene Handy zu reichen ist eine ganz gute Reaktion, denn das könnte ja dabei Schaden nehmen und womöglich hat dieser sekbst keins dabei, so dass im Notfall niemand mehr einen Krankenwagen/die Polizei rufen könnte.

  2. Nun, wirklich in Gefahr war ich eigentlich nicht, ich konnte mir ja sicher sein, dass in kurzer Zeit meine Freunde und Freundinnen auftauchen würden – mal ganz davon abgesehen, dass Festnetz in der Nähe war.
    Ich habe eigentlich nur ein schmerzendes Handgelenk und eine zerbissene Unterlippe, die schnell heilt.

  3. Da stellt sich bei mir wieder einmal die Frage, wieviel Macht ein einzelner Mensch vertragen kann. Welche Macht haben Securityleute? Und mit welcher Hilflosigkeit reagiert man auf solche Begegnungen?! Vor zwei Jahren war ich auf einem Volksfest, jedes Dorf hat sein eigenes Mützenfest, für Westfalen brauche ich dieses Ereignisse im Jahr wohl nicht näher beleuchten. Natürlich hatte ich keine Lust, wie immer, aber mit den Kumpels noch ein paar Bierchen nach einem ausgelassenen Proben, warum nicht – zuhause kenn ich ja alle.
    Nach der Eingangskontrolle, die zwischen Kiz (“Jungs kommt rein, wir haben die schönsten Mädchen!”) und Harrys Boxbude (“Hier ist Bob der King, den ersten Kong wirst Du nicht erleben!”) lag – hereinspaziert!
    Nach dem Genuss von halb vollen und schon von etlichen Lippen gegüsster Gläschen mit heimischen Bier, mußte mein einfaches Rohrsystem Meldung machen.
    Also raus aus dem Zelt, so fix es geht ein Plätzchen suchen und dem in-die-Natur-pinkeln fröhnen. Toiletten finde ich ekelhaft!
    Als die Entspannung eintrat war ich mit den Gedanken in den Sternen und mein Körper schoß eine Belohnung für die Beachtung seiner Signale aus.
    Plötzlich, zur Zeit des Mittelstrahls, durchfuhr mich aus heiterem Himmel ein Bedrohungsblitz, ein Cocktail aus verschiedensten Hormonen. Ich wurde am rechten Ärmel meiner Kleidung ohne Vorwarnung und brutalst weggezogen! Der erste Gedanke: Prostata bemühen den Tank zu schließen und sofort “einpacken”!
    Zweiter Gedanke: Situation checken und sich erstmal befreihen!
    Als ich mich befreit hatte, und einen kleinen häßlichenn Typen mit Barret, Lederjacke, Jeans und Schlagstock plus dicke Stiefel vor mir sah, hielt ich mich im Zaum, und habe die Gegenwehr auf mein Mundwerk beschränkt – was ich heute bereue! Hatte ich was falsch gemacht? Als Bildungsbürger sucht man vielleicht erstmal nach seinen eigenen Fehlern; Was habe ich Verbrochen, habe ich eine Straftat oder ähnliches begangen?
    Er merkte natürlich auch sofort das ich kein 16-jähriger Bubi war. Er fühlte sich auf einmal bedroht und hielt den Schlagstock zur Verteidigung vor seinen Körper, da ich natürlich außer mir war und wild gestigulierend auf ihn einbölkte! Nach etwa drei oder vier Schlägen auf meine Gitarristenunterarme (Konnte 2 Wochen nicht Spielen!), hätte ich eigentlich ausraßten müssen…
    Sein “Arbeits”-kollege kam dazu, der angebliche “Zeuge”! Da beide der deutschen Sprache nicht mächtig waren, und beide wohl nur etwa ein Viertel von dem verstanden hatten was ich wollte, kamen anderen dazu, die überhaupt nicht verstanden hatten, worum es eigentlich ging!
    Er fing mit Polizei an, da ich doch sehr dafür war die anzurufen, war er es auf einmal doch nicht mehr! Mir wurde das alles zu viel, habe mich verpißt und die Polizei angerufen! Am nächsten Tag Anzeige erstattet, die kannten den schon! Da er einen “Zeugen” bennen konnte, wurde aus der ganzen Sache nur eine Akte, blaue Flecken, ein kaputtes Shirt und eine zerissene Jacke…
    Der Typ hätte auch sonst wer sein können, also habe ich falsch reagiert! Wer ohne Vorwarnung jemanden in einer intimen Situation bedroht, muss auch damit rechnen einen vor die Mütze zu kriegen! Bin stolz auf mich so reagiert zu haben, aber einen Denkzettel hätte der Idiot vertragen können!
    Und wenn alle überall hinpinkeln ist das ekelhaft, das sehe ich genauso! Aber Gebüsch ist keine Tanzfläche, und ein Schlagstock kein Zepter…
    Als gut ausgebildete Fachkraft im Sicherheitssektor, muss man solche Situationen anders aus der Welt schaffen!
    Anscheinend scheint unsere Gesellschaftsform einen solchen “Service” zu brauchen, wie auch andere Dienstleistungen, die aber eigentlich kein natürlicher Mensch braucht!
    Eine Situation richtig einschätzen ist manchmal sehr schwer, man muss sich nicht alles gefallen lassen und auch nicht alles machen!

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