Glatt Verpflichtet und mehr

10012009269.jpg Ich bin vor nicht langer Zeit in den öffentlichen Dienst eingetreten; das bedeutet, dass man verpflichtet werden muss. Ich hatte schon so eine Ahnung, dass es ein wenig bizarr werden könnte, die Erinnerung an das Gelöbnis auf die Gesetze und Verordnungen des Landes mit erhobener Hand - "Ich gelobe es." - vor meiner kurzen, dafür dramatischen Zeit als studentischer Hilfkraft einer schwer verhaltensgestörten Psyhochologieprofessorin kurz vor dem Ruhestand. Zweieinhalb Stunden solle ich schonmal einplanen.

Verpflichtung bedeutet nicht dasselbe wie "Arbeitsvertrag unterschreiben", das wurde mir plötzlich klar.

"Verpflichtung" bedeutet in diesem Fall eine Aufklärung über den Inhalt des Gesetzes über die förmliche Verpflichtung nichtbeamteter Personen - seine Freunde nennen es Verpflichtungsgesetz, seine guten Freunde verwenden lieber VerpflG. Mein Gegenüber begann mir aus dem siebzehn Seiten starken Heftchen vor ihm vorzulesen und klärte mich über persönlich vorgenommene, aber selbstverständlich sinnwährende Kürzungen auf. Es geht in dem Text darum, was alles verboten ist. Dazu gehören Straftaten jeder Art, wie zum Beispiel Verrat von Landesgeheimnissen an ausländische Geheimdienste oder Bestechlichkeit. Ich konnte mir nicht verkneifen, zwischendurch ein "Aber das ist doch sowieso alles verboten, oder?" einzuwerfen, um die Atmosphäre aufzulockern. Hat nicht funktioniert. Ich bin sicher, man hätte das einfacher und knapper abhandeln können, mit einer Umkehrung auf all die Sachen, die erlaubt sind. Die Liste wäre vermutlich kürzer - "§1 Arbeit. Arbeit ist nichtbeamteten Personen erlaubt."

Aber ich habe einfach versucht zuzuhören und unterschrieb fleißig. Seite um Seite. Wundert euch nicht, wenn ich bald versehentlich im Knast landen sollte.

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Aber dafür sieht es hier so schön aus, dass man beinahe die klirrende Kälte vergessen könnte. Was fatal wäre, ich schlittere in schöner Rallye-Tradition in elegantem aber vollkommen unbeabsichtigtem Drift durch die Kurven und versuche am Leben zu bleiben. Was tut man nicht alles, um liebe Menschen und möglichweise liebe, aber völlig unbekannte Personen nach Hause zu fahren. Wenn ich es nicht tun würde, hätte ich ein schlechtes Gewissen. Also, so. Es geht natürlich auch darum, volltrunkene Qualitätsmenschen vor Einem Schicksal Schlimmer Als Der Tod zu bewahren.

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Ich konnte nicht widerstehen: Ich bin ein Zauberer!
~Scheibenwelt Psychotest~

Und ihr?

4 Kommentare

  1. Ha, die Bestechungs- und Schenkungsvorschriften! Lies dir das ruhig nochmal durch, da kommt wirklich Heiterkeit auf. Besonders schön ist, dass das alles regelmäßig aktualisiert wird (ein paar Wörter weniger oder mehr reichen aus) und es wird dir erneut zugeschickt mit dem Hinweis, dass du das dann bitte unterschrieben zurückschicken sollst. Oder es wird einfach so aus Auffrischungsgründen geschickt und unterschrieben zurückverlangt. Man könnte glatt auf den Gedanken kommen, dass Bestechung im öffentlichen Dienst ein großes Problem ist….

  2. Auf diese Vorschriften bin ich auch mal gespannt, da mich das wohl in nicht allzu ferner Zeit auch erwarten wird. HiWi-Verträge sollen da ja ein Kinderspiel gegen sein und damit hatte ich schon wochenlang zu kämpfen…
    Aber wieso hat dein langer Stab einem Knauf am Ende? Ich bin übrigens ein Scheibenwelt-Untoter: Untot? ja! – Unperson? nein!

    • @Julia: Ich arbeite dran, einfach durchlesen ist ja nicht so leicht getan. Da ist immer noch von der „Reichsgerichtsstätte“ zu lesen – die Formulierung ist offensichtlich stellenweise noch etwas älter.

      Aber mir will ja eh niemand was schenken.

      @caesar: Das mit dem „m“ ist wohl eher den Webseitenbetreibern zuzuschreiben als Herrn Pratchett. Du hingegen bist wohl ein Mitglied der „Anonymen Untoten“. Eigentlich sollte ich mal wieder ein Buch von TP lesen, lange her.