Einige Anmerkungen zum Wecken

Schlaf gestaltet sich ausgesprochen kompliziert in diesen Tagen - ich gehe spät ins Bett, kann dann lange nicht schlafen und wache früh auf, um dann doch noch lange nicht aus der Kiste zu kommen. Daher experimentiere ich mit verschiedenen Weckmethoden, weil die Katze nicht zuverlässig ist.

Der geschmacklos-billig piepende Elektrowecker hat einfach keinen Stil und den entscheidenden Nachteil, meine Laune gleich nach der unbarmherzigen Ausweisung aus den Traumlanden mit einem fürchterlich fiesen Geräusch zu konfrontieren. Das führt zu schlechter Laune und Unlust zum Aufstehen. Daraus folgert sich Zeitmangel, hastiges Essen, Verdauungsprobleme, noch schlechtere Laune, Verspätungsrisiko und so weiter. Arbeitslosigkeit, Gesundheitsprobleme, Unglück. Möglicherweise ein früher Tod. Ich empfehle Alternativen.

Die Variante "Handywecker mit Vibrationsalarm" - das Gerät wandert ennervierend über jedwede glattere Unterlage und tritt irgendwann den Weg unter das Bett an, wo es leise weitervibriert. Man steht letzendlich auf, in einer Mischung aus schlechtem Gewissen und Resignation. Man kapituliert vor einem Telefon. Das ist kein guter Anfang für einen Tag.

Vor einem halben Jahr habe ich technisch aufgerüstet, wie man das so als Supermacht tut, wenn man mit seinen Problemen nicht klar kommt. Halt: An sich hatte ich gar kein Problem mit dem Liegenblieben, nur der Rest der Welt wollte sich einfach nicht anpassen. ich gab nach und legte mir einen Radiowecker zu, in den ich außerdem meinem übertrieben ausgestattetes Abspielgerät für digitale Musikdateien1 stopfen konnte. Recht praktisch, dachte ich, sich von seiner Lieblingsmusik wecken zu lassen.

Allerdings kann es gut sein, dass es dann nicht mehr lange meine Lieblingsmusik ist. Immerhin verbinde ich sie ja dann mit dem geweckt werden und das ist kein guter Umgang für ansonsten vollkommen untadelige Lieder - so kann man sein Image bei Autor dieser Zeilen nachhaltig beschädigen.

Der in diesem fantastischem Gerät eingebaute klassische Radiowecker ist wie russissches Roulette der akustischen Art - alles kann gut gehen, aber mit etwas Pech kann man von etwas Unaussprechlich Schrecklichem erweckt werden, oder - schlimmer noch - von einem interessanten, mit beruhigender Stimme vorgetragenem Wortbeitrag2 kann man gnadenlos zurück in die Federn geschickt werden und endgültig viel, viel, viel zu spät kommen und vielleicht (siehe oben) elend ums Leben kommen. Trotzdem ist es meine Methode. Aber nicht meine liebste.

Am besten und angenehmsten wecken nämlich Emails. Natürlich meine ich freundliche Emails.

Weil mein übertrieben kompetentes Abspielgerät nicht nur für mich Musik abspielen kann, sondern auch meine Post abholt, piept es einmalig sehr leise, sobald sich etwas in meinem digitalen Postfach eingefunden hat.

Piep.

Davon werde ich wach. Zuverlässig. Wenn es nicht gerade der nächste elendige Newsletter ist, dann geht es mir gut. Sehr gut. Und ich bleibe sogar wach, weil ich immer gleich eine Antwort schreiben will. Das kann nur ein guter Tag werden, weil es bereits jetzt offensichtlich ein fantastischer Tag ist und ich mich merkwürdig unaufhaltsam fühle.

Ich mache meine Lieblingsmusik an, stehe auf und überlege mir schon jetzt, was ich zurückschreibe.

P.S.: Was ist eure Methode?

  1. Mein iPod Touch ist gemeint. []
  2. Der Sender meiner Wahl ist WDR 5, wegen der eher ungefährlich-blassen Musikauswahl, die man auf nüchternen Magen ganz gut vertragen kann. Außerdem gibt es da kein witziges 'Frühstücksradio'. []

6 Kommentare

  1. Ich habe grässliche Elektrowecker.

    Normalerweise erschlage ich den Wecker nach dem ersten, maximal zweiten Pieps.
    Wie automatisch:
    Wecker: „pie…“
    Ich: *augenaufschlag*
    Wecker: „iee..“
    Ich: *armaushol*
    Wecker: „eps.“
    Ich: *Mit Gewalt auf Aus Knopf drücke*

    Wenn ich versehentlich das kaputte licht erwischt habe weckt er mich eh nach 5 Minuten nochmal.

    Wenn es wirklich wichtig ist, stelle ich zwei Wecker im Abstand von 5 Minuten, dann hat sich nämlich die „Nur noch 5 Minuten..“ ausrede gegessen.

  2. Geweckt werde ich von unterschiedlichen Geräuschen des mobilen Geräts. Ich versuche das etwas zu variieren, weil ich nach einigen Tag recht aggressiv auf den Ton reagiere. Ganz schlecht, wenn die gleiche Melodie als Klingelton verwendet wird und ich bereits aggressiv abhebe. Nach dem Klingeln wälze ich mich etwas hin und her und dann rufe ich die Mails ab. Und schon hat der Tag begonnen.

    Gar nicht so selten habe ich das Glück vor dem Läuten aufzuwachen. Dann werden gleich Mails abgerufen und der Tag beginnt ganz ohne Aggressivität.

  3. Ich habe mich früher, als ich noch zur Schule ging und zuhause wohnte, von meiner Stereoanlage wecken lassen. Das war eine, in die man drei CDs gleichzeitig einlegen (aber nicht abspielen) konnte. Stets wachte ich erst vom leisen Klack der sich einschaltenden Anlage und dem daraufhin ertönenden ohrenbetäubenden Rattern der CD-Dreh-Maschinerie auf. Funktionierte aber zuverlässig, vor allem dann, wenn ich am Abend zuvor Besuch gehabt hatte und die Anlage noch auf Lautstärke 45 dröhnte. Kerr, war ich da schnell aus dem Bett! Das hab ich heute nicht mal mehr bei dem Geräusch von einem sich auf den guten Teppich erbrechenden Hund.

  4. Meine Wecker und ich… die unendliche Geschichte…

    Im Moment weckt mich der Wecker meines mobilen Telefons mit Cubanischen Rythmen…. und das im 5-Minuten-Takt, weil so lange ist die Snooze-Zeit, die aber garantiert dazu ausreicht um mich wieder weit ins Land der Träume zu beamen und mich dann in eben diesem 5-Minuten-Takt dem Ende meines Lebens mittels Herzinfarkt näherbringt.

    Normalerweise reicht das….

    Wenn ich dann aber so wie heute Frühdienst habe und um 05:05 aus dem Haus muss, klingelt noch das normale Festnetz-Telefon in ca. 1 Meter Entfernung vom Bett mit der grandiosen Melodie „Bruder Jakob“ und meistens stell ich mir dann sicherheitshalber noch den analogen Wecker „Pieeep – Pieeeep – Pieeeep“ auf den Esstisch (ca. 3 Meter vom Bett weg)….

    Dann muss ich ja ohnehin aufstehen und bin schon so entnervt, dass ich zur Beruhigung erstmal ne Tasse guten Kaffee brauche…

  5. Da habe ich wohl einmal ein populäres Thema gefunden, hmm? Vielen Dank für eure Kommentare, freut mich wirklich. Einen Teegruß auf euch!

    @Kate: Ich bewundere deine Verteidigungsreflexe, mit denen du dich gegen die dräuende Weckergefahr schützt.

    @Luca: Ich wache auch schonmal ohne läuten auf. Das geht aber nur am Wochenende oder bevor der Weckton anschlägt – wenn ich mich unter der Woche nicht wecken lasse, verschlafe ich mit tödlicher Sicherheit.

    @Meriche: Du meine Güte, das ist ja brutal.Das mit der Anlage hatte ich auch mal, auch so etwas in der Schulzeit – aber nachdem ich mir ein paarmal den kopf oben unter der Decke gestoßen habe (weil laut und daher erschrekt), war ich nicht mehr so überzeugt von der Idee. „Kerr“… ich dachte, das sagt man nur hier bei uns. 🙂

    @Mayla: Meine Güte. Wie du das hier beschreibst, ist das ja fürchterlich. Ich würde davon noch gefährlicher als ich sowieso schon vor dem ersten Tee bin.

  6. Eigentlich die russisch Roulette Variante mit einem coolen alten Grundig Radiowecker. Dessen Weckzeit muss man zwar auf gut eine Stunde vor die gewünschte Zeit stellen (irgendwas stimmt in der Mechanik wohl doch nicht mehr) aber der Klang ist richtig gut. Jüngst experimentiere ich aber mit dem Handy und einer Wecktechnik, die ich von einer Freundin übernommen habe und das geht wie folgt: Wecker eine Stunde vor Weckzeit einstellen. Aufwachen. Den Wecker auf weitere 15 Minuten einstellen. Das ganze noch dreimal. Klingt komisch? Dachte ich auch zuerst und die meisten Leute, die schon mal in den Genuss dieser Weckung kamen, verabscheuen es auch. Wenn man total müde ist und irgendwo, sagen wir mal in einer Vorlesung einschläft, so im Sitzen und nicht ganz, dann kommen einem manchmal ganz tolle Gedanken, ein Traum, den man selber noch ein bisschen mitgestalten kann. Naja und genau das provoziert man. Da kommen einem früh morgens schon die tollsten Ideen. Manchmal.