Kopf im Dreck

Vor einigen Tagen sah ich auf meinem wildnisnahen Arbeitsplatz einen großen grünen Vogel auf der zur Zeit entschieden ungrüneren Wiese herumhüpfen.  Gleichzeitig sah er aus wie ein Specht – es musste sich also um einem Grünspecht handeln. Wieder einmal erwiesen sich meine unübertroffenen deduktiven Fähigkeiten als ausgesprochen nützlich.

Die erstaunte Praktikantin (sie erfuhr hier ihr erstes Spechterlebnis), war meine Zeugin. Der Specht hüpfte zielstrebig zwischen die zahlreichen Maulwurfshügel. Zweifellos hatte er einen Plan oder Pläne.

So ein Grünspecht sieht sehr beeindruckend im ersten Frühlingssommerlicht aus.

Er schaute sich immer wieder um – vielleicht schämte er sich schon für das, was jetzt kommen sollte: Er hämmerte seinen Schnabel und vielleicht ein gutes Stück seines Schädels tief in das relative Grün, stocherte nach und zog ihn dann wieder heraus, um sich wieder umzuschauen. Wir waren schockiert: Spechte sollten oben auf Bäumen hocken und majestätisch hämmern! Dieses würdelose Gebuddel im fruchtbaren Lehm war unerträglich.

“Was macht der denn da?” rief die Praktikantin. Das hatte sie nicht erwartet – all ihre Spechterwartungen zerbrachen in diesen paar Minuten Beobachtung am lebenden Picus viridis. Ich konnte sie gerade noch beruhigen. Ich gab ihr Kaffee. Mit Milch.

Bald hatte der Vogel genug von diesem ehrlosen Tun und flog davon.

Natürlich habt ihr inzwischen den Wikipedia Link weiter oben angesurft und zweifellos habt ihr wie ich herausgefunden, dass der Grünspecht auch abschätzig “Erdspecht” gerufen wird und tatsächlich besonders gern Ameisen knuspert. Das ist seine Natur1. All diese scheinbare Seltsamkeit war vollkommen normal für ihn.

Wir haben ihm2 ganz ohne Zweifel fürchterlich Unrecht getan.

  1. Außerdem hat er eine sehr lange Zunge mit verhornter, widerhakenbewehrter Zunge. Stellt euch das mal vor []
  2. Oder auch: Ihr. Nicht dass wir hier auch noch eine Spechtin als Kerl verunglimpfen. []

2 Kommentare

  1. *lach*

    Herrlich!

    Das tut zur Zeit echt gut… ich beobachte vom Balkon aus Buntspechte, Eichelhäher und Elstern…

    Der Frühling kommt. Bestimmt.

    Wunderbar geschrieben, Denis. Danke!

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