Hochkomprimiertes Leben

Eigentlich wollte ich grade vor einer Stunde über den fürchterlich miesen Eiskaffee im Mindener Ratscafé schreiben – wie ich in meiner Naivität vorausgesetzt hatte, dass ich hier mit einem Kaltgetränk zu rechnen hatte – oder über die Ungerechtigkeiten in der Geschlechterfrage. So die Tatsache, dass der klassische Partyhorror “Schau, Schatz, aber unauffällig: Die da drüben hat dasselbe Kleid an wie du.”bei Männer komplett harmlos oder sogar eher erheiternde Wirkung hätte. “Herr Kollege, sie haben aber ein tolles Hemd! – Danke, ihres gefällt aber auch!”

Natürlich könnte das auch der Grund sein, warum viele Männer bei offiziellen Anlässen per Pinguinmethode von vornherein in Uniform auftreten. Prävention. Ihr versteht.

Gestern Abend plante ich noch, über die Beerdigung zu schreiben, die für morgen geplant ist. Aber an die muß ich gerade gar nicht mehr so sehr denken wie in den letzten Tagen, mich hatte die Sache fast jede wache Minute beschäftigt. Nun dreht sich wieder alles in meinem Kopf, nun allerdings um eine andere Neuigkeit:

Seit ein paar Minuten weiß ich, dass ich bald wieder in Vollzeit arbeite. Ich habe genau die Stelle bekommen, die ich haben wollte und werde bald sehr bald wieder in der Zivilisation mein Lager aufschlagen. Die erste positive Nachricht seit langem und ich gedenke sie zu genießen, so sehr es mir möglich ist.

4 Kommentare

  1. die hemdsituation hatte ich ziemlich genau so schonmal, und obwohl ich den anderen herrn als wesentlich “typisch männlich”er eingeschätzt hatte (und nach wie vor einschätze) als mich, hat der ziemlich kühl reagiert.

    über die geschlechterfrage würde ich hier, glaube ich, gern mal lesen.

  2. nein, leider nicht! das kann ich mir gar nicht vorstellen, dass das gefährlich werden könnte, ich hätte das gern mal, als erlebnis im erlebnisschatz.
    es war, ich schäme mich fast ein bisschen, ein h&m-hemd. ein richtiges hemd, also kein tshirt. das haben glaube ich viele, so braun ist das, der stoff tut, als wäre er leinen. und ich kenne noch jemand, der das auch hat, ich weiß gar nicht, ob ich das mit dem schonmal gleichzeitig anhatte und ob das thematisiert wurde.

  3. Pinguinmethode klappt auch bei Damen ganz gut. Vorausgesetzt, man wählt tatsächlich eine unifarbene, gedeckte Uniform und kein auffälliges Spezialkostüm. Wenn man Uniformen lange udn regelmäßig genug trägt, gewöhnt man sich sogar irgendwann an sie.

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