Gespräche kleiner Jungs

Ich glaube, ich war in der dritten Klasse und wie die meisten kleinen Jungs gab es irgendeinen anderen Jungen, den ich bewunderte. Mein Vorbild hieß Dirk und war etwas größer als ich. Viel wichtiger als das war die Tatsache dass Dirk gewohnheitsmäßig redet wie ein Polier und einen Vater hatte, der mehr wie ein Metzgermeister aussah als die meisten Metzgermeister die ich bis heute gesehen habe. Dirk konnte gehen wie ein Bauer mit Hüftschaden und allein das hätte ihn schon unermesslich cool gemacht.

Einmal waren Dirk und ich unterwegs auf der Nachbarstraße in unserer Siedlung, da donnerte es. Begann zu nieseln. Zu stürmen. Ihr kennt das ja, diese warme Windböe vor dem ersten Donner, die schwer über die Hügel rollt und einem einen kleinen Schweißausbruch beschert.

Die ersten dicken Tropfen fielen und durchschlugen die Baumwolle unserer zu weiten T-Shirts.

Uns entgegen kam jemand den Weg hinabgelaufen. Es war eine junge Frau, die es mächtig eilig hatte. Sie schien sich im Gegensatz zu uns nicht über die kühlenden Regentropfen zu fühlen, sondern rannte eilig nach Hause. Einiges unter ihrem Shirt kam dabei in Bewegung und natürlich - schließlich waren wir kleine Jungs - starrten wir hin.

Dirk sah skeptisch aus, er runzelte sichtbar seine Stirn und sah komplett unzufrieden aus.

"Die Frau da, die sollte nicht rennen."

Das verstand ich nicht recht.

"Frauen dürfen nicht rennen. Die werden sonst krank, hat meine Mutter gesagt."

"Wirklich? Die sieht doch ganz gut aus."

"Meine Mutter hat so was schonmal gesehen und sie hatte dann sofort schlechte Laune."

Er starrte noch eine Weile mit mir hinter dem Teenager her, bis sie in einem Eingang verschwand. Dirk nickte kurz, um sich selbst ein wenig Bestätigung zu geben.

"Frauen sollen nicht laufen. Vor allem so junge nicht."

Das habe ich nicht ganz verstanden. Aber Dirk war viel zu cool, um seine Meinung in Zweifel zu ziehen.

 

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