Manche Leute behaupten ja, dass eine Parterrewohnung nur für ganz wagemutige Geister geeignet sei. Es gibt nicht nur den Straßenlärm und verstärkt Besuche von Einbrechern mit Höhenangst, sondern auch hochgewachsene Passanten, die einem den einen oder anderen interessierten Blick auf den Wohnzimmertisch werfen. Bei mir jedenfalls sind einige Punkte zutreffend. Dennoch muss ich betonen: Ihr normalen Parterrebewohner – ihr wisst einfach gar nichts.
Ich wohne nicht nur im Erdgeschoss, nein: Ich habe auch eine Straßenlaterne direkt vor meinen Wohnzimmerfenstern, die einiges verkompliziert. Natürlich hat die Laterne einige Vorteile: Wenn ich Raucherbesuch habe, dann setzte ich sie zum Suchtvollzug zwar vor die Tür, aber wenigstens nicht ins Dunkle – das erleichtert mein schlechtes Gewissen ungemein. Ich habe keine Probleme, im angeheiterten Zustand das Schlüsselloch zu finden. Außerdem ist es auch nachts ganz leicht, mich zu besuchen – die wenigsten Leute haben sich bisher verlaufen: Sie suchen einem nach einem Ort Des Lichtes.
Leider aber lockt die Laterne nachts so einiges an interessanten Lebewesen an und Motten sind dabei noch die liebenswürdigsten Besucherinnen. Motten sind nämlich nicht besonders laut, was sie entscheidend von ungefähr allen anderen Laternenfreunden unterscheidet. Meine geneigten Leser würden sich wohl wundern, was ich mitten in der Nacht schon unfreiwillig an Gesprächen mitgehört habe. Mag sein, dass einige davon konspirative Treffen waren und einige ungeheuerliche Geheimnisse durch meine Gehörwindungen gesickert sind – ich verstehe meistens nichts Verwertbares und das ist auch gut so, denn die meisten Bewohner des Laternenbiotops sind entsetzlich betrunken, dafür aber laut – sagte ich schon, dass sie laut sind?
Aber das ist alles noch halbwegs erträglich, denn: Manche Gäste singen. Gerade letzte Nacht bin ich um vier Uhr von einem schauerlichen Gesang geweckt worden – es handelte sich um eine Sonntagnacht, übrigens. Ich habe das Lied nicht erkannt – wenn es sich denn um ein Lied handelte und nicht etwa die letzten Momente vor dem Erstickungstod des Anonymen Schallerzeugers. Endlose Minuten später war er dann still – da ich trotz angestrengten Lauschens nicht den dumpfen Aufprall eines leblosen Körpers vernahm, hat es sich wohl wirklich um Gesang gehandelt.
Viele schreckliche Momente werden allein dadurch vermieden, dass ich viel zu träge bin um wutentbrannt aus dem Haus und nur mit einem extrem kleidsamen Pyjama1 bekleidet grauenhafte Kurzschlusshandlungen zu begehen. Ich beiße anstatt dessen einfach mein Kissen und wurde bislang nicht kriminell.
Was nicht bedeuten soll, dass ich nicht verdammt hart drauf bin. Ich bin verdammt hart drauf, ich wohne im Erdgeschoss und hinter einer Straßenlatern. Also: Singt besser woanders. (Außer ihr könnt echt gut singen.)
- vielleicht trage ich gar keinen Pyjama, sondern etwas anderes extrem Stilvolles [↩]

Ich kenne die Problematik ^^ Bei uns kommen nch im Sommer verstäkt Radfahrer dazu, die (auch nachts) meinen niemand würde mitbekommen, wie sie sich in voller Fahrt “unterhalten”. Gott seis gepfiffen konzentrieren die sich allerdings eher auf den Tag, was mir dann an meinem momentanen Lieblingsarbeitsplatz lustige Geschichten zuträgt. (Auch Hundebesitzer sind sehr kommunikative Leute)
Allerdings wehen den Schalk in mir bei obiger Schilderung lustige Ideen an, die mit billigen Funkgeräten o.ä. zu tun haben. In der Nähe versteckt könntest du dann aus dem Bett je nach Laune ein Duett anstimmen oder aus dem “Nichts” unflätige Beschimpfungen brüllen. Vielleicht gibt es dann bald eine Spukgeschichte um die mysteriöse Laterne *g*
Wir werden sehen… mal schauen, was mir noch einfällt.
Ha, ja ich glaub, dass man hart drauf sein muss, im Erdgeschoss zu wohnen – 1. Stock wäre für mich wohl minimum – niedriger hab ich nie gewohnt
Dennoch, im 3. Stock kriegt man bei uns auch viel zu viele Besoffskis der Kneipe mit. Aber hier oben ist das mit der Trägheit natürlich noch intensiver.