Vor wenigen Minuten stand ich noch am in der Warteschlange vor dem Postschalter und erkannte erst spät was für ein wundervoller Stoff sich da auftat.
Lest mal.
Man reiht sich in die Schlange ein, noch bevor man das Gebäude betritt, so wie schon ein Baby seine ersten Empfindungen und Eindrücke vor der Geburt erlebt, die Geburt – dieses für uns alle nicht unwichtige Ereignis, wie der kleine und doch große Schritt über die Schwelle der Post.
Und dann…
Dann steht man an. Man trifft andere Menschen. Man macht kleine Schritte vorwärts und erkennt: Es gibt einen geraden Weg zum Preis, nämlich der Bearbeitung des eigenen Herzenswunsches. Zum Beispiel einer Einzahlung für die Postbank. Einen neuen Dauerauftrag oder etwas anderes von unfassbarer Wichtigkeit.
Man darf sich nicht ablenken lassen von den Versuchungen des Schlangestehens. Da sind all die unerträglichen Versuchungen, die links und rechts locken. Nur einmal kurz ausgeschert, um sich schnell einmal eine Grußkarte, einen Ringbuchordner oder auch mal wieder ein Schlauchboot zu schnappen – schon ist man weit zurückgefallen und hat keine Chance, ohne eine eine Wiedergeburt – also erneutes Anstellen von ganz hinten- ans Ziel zu kommen.
Manchmal steht da “Sonderangebot”. Es ist nicht leicht, liebe Leserschaft.
Dann, viel später. Man ist nicht mehr jung, Jahre sind vergangen seitdem man als Neugeborenes seine ersten Fortbewegungsversuche jenseits der Postschwelle begonnen. Heute reichen die grauen Haare bis auf die geschundenen Knie – falls noch Haare vorhanden sind, versteht sich. Die letzten Schritte sind eine Qual. Aber der Preis ist so nah. Man kann ihn fast… spüren.
Dann ist es soweit, man steht vor dem letzten Schalter. Die Erlösung ist so nah…
Und dann hat man sein Paket nicht richtig beschriftet.
“Da hinten können sie das in Ruhe ausfüllen. Stellen sich einfach noch einmal an.”
Legenden berichten von Menschen, die in ein anderes, schöneres Leben wiedergeboren wurden. Eines nach der Poststelle.
Die Welt nach dem Schalter.
