Wenn ich in einem Buch wohnen soll, dann…

IMG_2705In Klappentexten findet sich nicht selten der Wunsch einer Leserin oder eines Lesers, in einem bestimmten Buch - bitte, bitte - wohnen zu können. Ganz sicher bin ich nicht, ob mir die Vorstellung gefällt. Die Idee, in einem zugigen Taschenbuch ohne Zentralheizung meine restliche Existenz zu verbringen, ist mir nicht geheuer. Ich nehme also einfach einmal an, dass der oben genannte Leser den Text des Buches gemeint hat und seinen Einzeiler als Kompliment an das Werk anlegen wollte.

Hättet ihr mich noch vor einigen Wochen nach meiner liebsten Buchunterkunft gefragt, ich hätte wohl wieder einmal John Crowleys »Little, Big« genannt: Man bekäme ein schönes Haus, eine gelassene Stimmung, viel Raum zur Entfaltung und eine Stimmung wie auf einem frühlingshaften Picknick. Man wäre in einem Märchen und es gäbe trotzdem Sex und alle paar hundert Seiten ein sprechendes Tier, die aber nicht sonderlich aufdringlich daherkämen. Ziemlich gut, oder?

Aber inzwischen bin ich klüger. Endlich habe ich erstmals Kochbuch von Jamie Oliver in die Finger bekommen. Ja - erst jetzt. Ich habe darin geblättert und würde jetzt gern zum nächstmöglichen Termin einziehen, Bitteschön.

Das raue Papier spricht für eine solide Bausubstanz und die Farben - die Farben sind so satt und tief, wie man sie wohl an keinem anderen Ort auf dieser Welt oder in der Bibliothek finden kann, sondern nur in Oliver-England, den Gefilden die Photoshop nicht kennen.Reden wir einfach nicht vom essen, okay? Reden wir von der Nachbarschaft. Fröhliche Menschen verschiedenster Herkunft, die zu Tisch auf angenehmste unordentlich sind. Alle sind so zufrieden, nun gut - das sind sie nicht ohne Grund: Sie werden ja auch recht gut und bio-mäßig achtsam vom Jamie selbst bekocht - das stimmt mit Sicherheit gelassen. Aber in meiner neuen Heimat gelingt eben auch die multikulturelle Gesellschaft so einfach wie ein Trifle.

Ach, schöne neue Kochbuchwelt. Mögest du niemals im Regal verstauben.

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