Ich gegen den Aufzug.

Wir sind endlich unterwegs. Aber zuvor…

Wir sind endlich unterwegs. Aber zuvor…

An meiner S-Bahn-Haltestelle gibt es einen Fahrstuhl, der seit einigen Wochen ein erbittertes Psychoduell mit mir und vielleicht auch anderen Menschen führt. Es ist nicht so, dass die Türen sich nicht öffnen - sie öffnen sich sehr langsam - aber sie öffnen sich. Ich gehe mit ein, zwei mutigen Schritten voran, lehne mich an die stählerne Wand und gebe mir große Mühe, mich gar nicht mehr zu bewegen. Mein linkes Auge zoomt auf die Türen. Sie sind offen.

Ich versuche, meine Atmung zu beruhigen und möglichst wenig zu blinzeln. Da! Die Tür zuckt, beginnt sich zu schließen - und geht wieder auf. Sie wartet und starrt mich an. Einer von uns muss sich irgendwann bewegen, das wissen wir beide. Eine Frage der Nerven. Mensch gegen Maschine. Wirbeltier gegen lichtschrankenbewehrte Hightech. Sie bewegt sich und tief in mir beginne ich zu jubeln… ein kleiner Sieg ist errungen und unter Umständen werde ich sogar meinen Zug bekommen.

Sie schließt sich… aber auf halber Strecke hält sie inne, zögert. Habe ich mich etwa verraten? Ich spüre, wie meine Herzfrequenz zunimmt und versuche mich zu beruhigen. Dann… vibrierend, unendlich leise surrend huschen die Flügel der Schiebetür aufeinander zu, bis sich die Kabine endlich auf den Weg macht.

Ich atme auf, wische mir eine einsame Schweißperle von meinen muskulösen Schläfen, die ich durch nervöses Kaugummikauen erworben habe.

Das nächste Mal nehme ich aber die Treppe.

2 Kommentare

  1. Wir alle nehmen irgendwie immer nächstes Mal die Treppe. Und doch stellen wir uns diesem Aufzug immer wieder!