Das geheime Leben meines Automobils

Oha.

Oha.

Wenn dein Vater sich während der Arbeit genau so bei dir meldet, dann sollte man der Bitte um Rückruf unbedingt nachkommen. Der Zwinkersmiley verheißt schon einmal nichts Gutes: Der Mann hatte ganz sicher eine gute Geschichte auf Lager, eine von der Sorte die schon jetzt ihm ganz, ganz große Freude macht. Grund zur Sorge, wie meine geneigte Leserschaft vermuten wird. Meine geneigten Leserinnen und Leser liegen selten falsch und dieses Mal war es nicht anders.

Die Polizei hatte sich bei ihm gemeldet, weil er aus finanziellen Gründen als Fahrzeughalter eingetragen war. Mein Auto - geparkt an einer abschüssigen Straße - habe begonnen sehr langsam abwärts zu rollen. Das sei den glücklicherweise meinen aufmerksamen Nachbarn aufgefallen und die hätten einen Backstein hinter das Hinterrad gelegt. Ich sollte nur bei meiner Rückkehr den Stein entfernen und den Wagen an eine waagerechte Stelle umparken. Vielleicht sei es sinnvoll, in der nächsten Zeit einmal die Handbremse zu überprüfen, haha. Sonst sei alles gut, wirklich!

Oh.

Natürlich schossen mir zahllose Gedanken durch den Kopf. "Hast du etwas die Bremse nicht fest genug angezogen? Die war ja immer schon etwas schwach..." und "Du bist so dämlich, Denis" waren die ersten und dann setzte es sich ähnlich fort, nur zunehmend nervöser und selbstkritischer. Ich arbeitete also mehr oder weniger konzentriert bis zum Feierabend und wappnete mich auf das peinliche Gespräch mit den aufmerksamen Nachbarn, als ich in den Zug nach Bielefeld stieg. Nur ein paar Minuten Fußmarsch und als ich um die letzte Ecke vor dem... ursprünglichen Parkplatz bog, hatte ich mir bereits in vielen Details ausgemalt, wie weit mein Auto wohl ohne mich unterwegs gewesen war.

Das was mich dort erwartete, hatte ich allerdings nicht erwartet: Da stand ein Auto und es war zu meiner nicht unbeträchtlichen Überraschung meines. Ich untersuchte das Hinterrad nach etwaigen Backsteinen. Da war kein Backstein, kein Y-Tong Stein, nicht mal ein größerer Kiesel. Der Wagen stand genau so da, wie ich ihn geparkt hatte. Interessant, nicht wahr? Ich rief meinen Vater gleich an und berichtete ihm. Er fand das auch interessant - so interessant dass er am nächsten Tag bei der Polizei anrief und sich nach der Sache erkundigte - ich hätte das sicher nie getan. Das hier schrieb er mir am nächstem Morgen:

Threemaauszug

Ich war sofort entspannt.

Ich wirklich habe keine Ahnung, was da an jenem Morgen passiert ist und ehrlich gesagt wird die Geschichte in meinem Kopf nur noch merkwürdiger, solange ich darüber nachdenke. Wer sind diese Nachbarn, von denen ich nie etwas hörte? Wo ist der Backstein jetzt? Hat mein Auto einen Doppelgänger, der die Öffentlichkeit ablenkt? War dieser Motorradpolizist ein Komplize? Was unternimmt mein PKW, wenn ich arbeiten gehe? Was kann mein Auto noch alles? Warum wurde ich nicht informiert? Sorgt mein Auto dafür, dass diese Welt ein weiteres Mal vor einem entsetzlichen Schicksal verschont bleibt? Kann ich Heldentaten von der Steuer absetzen? Ist mein Kraftfahrzeug Batman?

Wenn ich also bisweilen ein wenig abgelenkt und gedankenverloren wirke: Nun wisst ihr, warum.

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