Mein Auto ist noch in den Staaten.

Auto

Beweisfoto. Ich habe tatsächlich ein rotes Auto.

Aus einem mir inzwischen schleierhaften Grund habe ich mich mit meinem kleinen roten alten Auto in die USA eingeschifft. Das war gar nicht so einfach. Allein schon der Umgang mit dem etwas unkooperativen Zoll war problematisch: Die dachten doch tatsächlich, ich wollte die Karre dort verkaufen!

Die Schiffsreise verlief eher ereignislos. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mich daran dachte, dass der Atlantik nicht den Ruf hatte, so ruhig zu sein. Aber dann waren die Geschichten über die Atlantiküberquerung immer sehr alt, ich konnte mich an niemanden erinnern der wirklich eine Schiffsreise in die Staaten unternommen hatte. Die meisten waren geflogen. Das wäre vielleicht auch für mich eine gute Idee gewesen, oder? Auto in einen Container und ich würde einfach bequem rüber fliegen, um am Ziel vereint zu werden.

Nun, ich hatte mich einfach anders entschieden.

Als ich ankam, fuhr ich endlose Straßen entlang. Andere Autos kamen mir nur sehr selten entgegen, es waren nur Hügel, Bäume, Felsen, die Straße und der Himmel. Manchmal regnete es heftig. Die großen Regentropfen klatschten mit solcher Gewalt gegen die Windschutzscheibe, dass ich mehr als einmal anhalten musste. Ich machte Fotos mit meinen Smartphone; diese Live Photos die mehr wie ein kleiner Film aus ein paar Sekunden waren, mit einem Fetzen Ton.

Die Reise war sehr anstrengend und die Einsamkeit nagte an mir. Ich hatte es zwar eilig und spürte, dass etwas passieren würde, wenn ich nicht am Steuer bliebe.

Ich habe dann trotzdem in einem Motel eingecheckt, als mir die Augen begannen zuzufallen. Es ging einfach nicht mehr weiter, ich brauchte einfach Ruhe. Einfach nur das Wissen, dass hier noch andere Menschen waren. Die Merkwürdigkeit der Situation wurde mir erst klar, als ich zur Ruhe kam. Warum war ich eigentlich unterwegs? Was war mein Ziel?

Als ich wieder aufwachte, war ich in meinem Bett. Zuhause. In meiner Bielefelder Wohnung. "Was für ein merkwürdiger Traum", dachte ich. Dann schaute ich mir die Bilder in meinem Smartphone an und auch die kleinen Live Photos. Ich konnte den Donner hören.

"Mein Auto ist noch auf dem Hotelparkplatz!", fuhr es mir durch den Kopf.

Das war dann der Moment, in dem ich wirklich und wahrhaftig aufgewacht bin. Im selben Bett, derselben Stadt, ganz sicher nicht in einem Motel, aber ohne die Bilder im Handy.

Ich bin dann trotzdem erst einmal kurz vor die Tür gegangen um nach dem Wagen zu sehen. Sicher ist sicher.

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