Gorgmorgs kleine Medienschau, Juli 2016

Stranger Things

Auch in Stranger Things lohnt es sich bisweilen der Gesundheit willen, den Blick nach oben zu richten.

Stranger Things (2016, Netflix)

Eine achtteilige Serie, die in einer Version von 1983 spielt, die sich mehr nach den 80ern anfühlt als die 80er selbst - das könnt ihr mir ruhig einfach mal glauben, ich war nämlich da. Die etwa 50minütigen Folgen sind sichtlich mit viel Liebe gemacht und die Handlung... nennen wir das mal einen recht bekömmlichen Cocktail aus Stand by me, E.T., Die Goonies, garniert mit ein paar pikanten Teilen Stephen King - letzterer übrigensein großer Fan der Serie, wenn man seinen Äußerungen auf Twitter glauben darf. Zwar erreicht Stranger Things nicht ganz den Charme der Klassiker, aber selbst ohne den etwas dick aufgetragenen Nostalgiefaktor habt ihr eine atmosphärische, toll gespielte und gefilmte Mystery-Serie mit einem richtig fantastischen Soundtrack.

Normal (Warren Ellis, 2016)

Was passiert eigentlich mit den visionären Köpfen, den Futuristinnen und Futuristen, wenn sie ein wenig zu weit in die Zukunft schauen? Wenn sie ein paar Zusammenhänge zu viel verstehen? Ganz klar: Die werden in einer Klinik behandelt... äh, weggesperrt und bekommen die Aussicht, irgendwann resozialisiert zu werden. Normal Head ist so eine Einrichtung. Etwas unruhig wird die dort ansonsten sehr, sehr, sehr... reizarme Umgebung erst, als ein Patient aus seinem Zimmer verschwindet und nur eine wimmelnde Menge Insekten auf seinem Bett hinterlässt. Warren Ellis ist am ehesten für seine Comics bekannt (Transmetropolitan etc.), schreibt aber bisweilen auch Drehbücher und Romane. Normal gibt es derzeit nur ein digitaler Form auf Amazons Kindle Service, aber auch andernorts - interessanterweise erscheint die Geschichte in kleinen, günstigen Episoden für etwa 1,50€. Spannend, unterhaltsam und mächtig creepy.

BoJack Horseman Season 3 (Netflix, 2016)

Stranger Things mag zwar schon ziemlich gut sein - es hat aber keine Chance, meine erklärte Lieblingsserie auf Netflix vom ihrem wohlverdienten Thron zu schubsen. Die Überschrift legt es bereits vaufdringlich nahe: Es handelt sich dabei um BoJack Horseman. Der titelgebende Ex-Serienstar aus den 90ern hat zu Beginn der dritten Staffel zwar ein erfolgreiches Comeback hingelegt, ist aber immer noch nicht glücklich. Ziemlich sicher wird er auch niemals glücklich werden... glaubt Bojack nicht ganz unberechtigt. Wie die Serie es hinbekommt, in dieser Staffel noch mehr als zuvor eine wirklich clevere Satire auf das Mediengeschehen hinzulegen und dabei gleichzeitig lustig und bisweilen bitterernst und dann und wann wirklich todtraurig ohne jeden Funken von Ironie zu sein - das ist doch einigermaßen einzigartig. Wieder gibt es dann und wann ein paar Längen und vielleicht eine oder auch zwei Episoden, die man streichen könnte, trotzdem: Das hier ist schon ganz schön wundervoll. Am besten ganz viele Folgen am Stück und natürlich: Beginnt mit der ersten Staffel.

Kommentare sind geschlossen.