Gorgmorgs kleine Medienschau, August 2016

NMS

Dieser Planet in No Man's Sky sieht nur auf den ersten Blick einladend aus...

No Man’s Sky (PS4, Hello Games 2016)

Eine ganzes Universum, die per Zufallsgenerator erstellt und wurde und aus lächerlichen 18 Trillionen Planeten besteht und du mittendrin - das ganz kleine unfassbare winzige Sub-Staubkörnchen darin - das bist du. Im Gegensatz zum ganz ähnlich funktionierenden Totalen Durchblicksstrudel in Douglas Adams Per Anhalter durch die Galaxis ist dieses Spiel nicht die "grausamste Seelenfolter, der ein fühlendes Wesen ausgesetzt werden kann", sondern eher eine ganz entspannte Angelegenheit, die bekifft sicher noch eine entscheidende Winzigkeit lässiger ist - das glaube ich jedenfalls, ich kiffe allerdings nicht.

Diese Galaxis sieht aus wie jedes Prog-Rock Cover der und 60s und 70s gepaart mit jedem Science Fiction-Taschenbuchcover derselben Jahrzehnte und du hast ein defektes Raumschiff und einen zum Glück einigermaßen dichtes kleines Raumschiff. Dazu dudelt zur Auflockerung bisweilen ein wirklich angemessen spaciger Soundtrack der Math-Rocker 65daysofstatic.

Tja. Das bist du nun also, fühlst dich verloren und kannst nun machen... was du willst. Du könntest einfach rumfliegen und dir die Gegend anschauen, du könntest die seltenen Aliens verstehen lernen, Handel treiben, wichtige Ressourcen katalogisieren und fremdartige Kreaturen erforschen und benennen, die noch niemand jemals zuvor gesehen hat und vermutlich - bei 18 Trillionen Planeten - auch ziemlich wahrscheinlich keiner der anderen Spieler nach dir sehen wird. Du könntest Streit suchen. Du könntest das Zentrum der Galaxis anfliegen und das... Geheimnis herausfinden.

Nun, das klingt vielleicht nicht besonders spannend, aber es ist so beruhigend und so schön bunt. Ganz ehrlich, so wahnsinnig viel Spiel ist da nicht drin, aber merkwürdigerweise stört mich das überhaupt nicht.

KILL la KILL (Trigger, 2013)

“Psst. Sie unterhält sich schon wieder mit ihrem einzigen Kleidungsstück.“

Ich schaue manchmal ganz gern Anime, vor allem wenn sie mich bequem auf Netflix erreichen. Dieser hier ist ein ganz unterhaltsamer Shōnen Anime - der Schwerpunkt liegt also auf Action und Abenteuer, der Humor hat hier aber auch einen gewichtigen Anteil. Die Heldin Ryuko hat eine Hälfte einer riesigen Schere(!) und sucht den Rest des Schneidewerkzeugs, um dem Mord an ihrem Vater auf die Schliche zu kommen. Glücklicherweise kann man mit dem Ding auch hervorragend Leute vermöbeln, was an ihrer neuen Schule als ungemein praktisch erweist, tragen dort doch ausgerechnet die fiesesten Leute Schuluniformen, die ihnen Superkräfte verleihen. Ryuko hat eine von ihr so bezeichnete „Kleidung für Perverse“, die sich in väterlichem Ton mit ihr unterhält und - na klar - ebenfalls Superkräfte verleiht und einem alten Videospielgesetz entspricht: Kampfausrüstung für Frauen verleiht den besten Schutz, wenn sie am wenigsten Haut bedeckt. Spätestens jetzt sollte klar sein: Auch KILL la KILL enthält seinen Anteil von „Fan Service“ und bedient die Interessen der hormongeplagten eigentlichen Zielgruppe - männlichen Jugendlichen - auch abseits von Action und Abenteuer. Das bleibt für japanische Verhältnisse noch relativ im Rahmen, aber ich will doch kurz darauf hinweisen. Wenn dann auch noch die textil-feindlichen Rebellen von Nudist Beach (ja, wirklich), dann wird das eigentliche Thema klar: KILL la KILL ist ein Action-Anime mit den relativ selten vereinten Themen Mode und Prügeleien. Macht Spaß!

Hercules (Brett Rattner, 2014)

Stellt euch mal vor, jemand kommt auf die Idee, einen Hercules-Film zu machen, in dem der legendäre Held ein Hochstapler ist, der entweder ernste Wahnvorstellungen hat und seine epischen Taten entweder nur phantasiert oder sie durch seinen übereifrigen PR-Berater zur Belebung seines Söldner-Business zusammenlügen lässt - vielleicht beides in Kombination. Stellt euch weiter vor, dass ihr in der Hauptrolle den üblicherweise durchaus talentierten und charismatischen Dwayne Johnson habt, der offenbar motiviert genug war, um seine beachtliche Muskelmasse noch um einige… gefühlte Zentner aufzustocken. Dazu eine eine wirklich bis in die Nebenrollen feine Besetzung mit Ian McShane, Rufus Sewell, Joseph Fiennes und sogar John Hurt.

Man addiere Brett Rattner und subtrahiere jeden Funken von Inspiration, Charme und Ironie und die ganze Chose geht wirklich traurig baden.

Warum ausgerechnet dieser eher obskure Comic von Steve Moore (nicht verwandt, aber dafür befreundet mit dem deutlich bekannteren Alan Moore) verfilmt wurde, ist mir persönlich eher schleierhaft. Der „Sandalenfilm“ wäre eigentlich reif für eine schwungvollere Wiederbelebung gewesen.

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