Gorgmorgs kleine Medienschau, Oktober 2016

Lucifer

"Lucifer" in Amazon Prime Video auf dem iPad. Es ist übrigens "Chloe Decker" nicht "Dancer". Ach, Amazon.

Lucifer (Fox/Amazon Prime, 2016)

Was macht der Teufel, wenn er kurz vor dem Burnout steht? Richtig: Er macht erstmal Urlaub und zwar bei den Sterblichen, wo auch sonst? Er nimmt sich eine Therapeutin, um seine Imageprobleme und seine Daddy-Issues zu verarbeiten und macht sich mit einem eigenen Nachtclub selbstständig. Außerdem macht er das, was schräge und dezent ambivalente Charaktere in den USA offenbar gern tun: Er sucht sich einen Kontakt bei der Polizei und hilft dabei, Kriminalfälle zu lösen. Produziert von Jerry “Con Air” Bruckheimer. Meine Güte, die letzten Sätze waren schon ein bisschen schlimm, oder? Der gute Lucifer Morningstar hat dieses Ding mit dem Hobbydetektiv auch niemals gemacht, als er damals in dieser stets piekfein gekleideten Inkarnation von Neil Gaiman in seinem Comic Sandman eingeführt wurde und die Serie funktioniert auch genau dann am besten, wenn “Lucy” sich gerade nicht mit Mordfällen beschäftigt, sondern mit der Menschheit und der Unsterblichkeit und seinem mehr oder weniger freiwilligen Aufgabe als Höllenfürst hadert, vor der er sich hartnäckig drücken will. Tom Ellis ist aber so gut in der Rolle des durchaus charmant-schmierigen und gelegentlich singenden Ex-Engels, dass die Serie trotz ihrer nicht recht passgenauen Krimi-Strukturen funktioniert - stellt sie euch wie Castle vor, nur eben mit mehr Teufel. Es gibt bisher eine Staffel, mehr ist auf dem Weg.

Luke Cage (Marvel/Netflix 2016)

Marvels Serien auf Netflix waren bisher alle recht erfolgreich und auch von der Qualität her mehr als nur ordentlich - Daredevil und Jessica Jones sind so wohl auch Leuten ein Begriff, denen die Comics oder zweifelhafte frühere Verfilmungen mit Ben Affleck bisher keine Begriffe waren. Der Charakter Luke Cage kam - gespielt von Mike Colter - schon an der Seite von Miss Jones vor und bekommt hier seine ganz eigene Serie. Alles sieht von der ersten Folge an richtig gut aus - im Gegensatz zu Daredevil, wo sich der eigene visuelle Stil erst im Laufe einiger Folgen fand. die Charaktere sind interessant, das Casting ist - wie man bei Marvel inzwischen erwarten darf - schlicht erstklassig. Tatsächlich spielen bisher alle Marvel/Netflix Projekte in New York, dennoch fühlt sich beispielsweise Hell’s Kitchen in Daredevil komplett anders an als Luke Cages Harlem.
Es gibt eine ganze Menge toller Szenen mit einem ganz gelungenen Humor und einen fantastischen Einsatz von Musik in der Serie, aber der Plot? Die Handlung entwickelt sich einfach nicht konsistent weiter, die Weiterentwicklung verschiedener Figuren von Szene zu Szene und von Folge zu Folge sieht man zum Beispiel in Jessica Jones aus dem eigenem Haus deutlich effizienter gemacht - jede Szene dort bringt die Geschichte weiter. Man scheint sich auch nicht ganz entscheiden zu können, wie nah man sich nun an den Comics orientieren will oder die Serie mehr auf eigenen Füßen stehen lassen will. Trotz dieser Schwächen: Luke Cage war für mich spannend, atmosphärisch und durchweg sehr unterhaltsam. Ich bin sehr gespannt, wie die hoffentlich kommende zweite Staffel aussehen wird.

Ash vs. Evil Dead (Starz/Amazon Prime Video, ab 2015)

Viele Jahre nach dem letzten Teil der Evil Dead Trilogie (alias “Tanz der Teufel”) 1993 ist Ashley “Ash” Williams immer noch dabei, in der Haushaltswarenabteilung verschiedener Filialen des S-Mart als… nennen wir es ungelernte Hilfkraft zu arbeiten. Natürlich kommen die Deadites zurück, weil er vielleicht eine winzige Dummheit im Suff begeht - nur gut, dass Schrotflinte und Kettensägen-Handprothese im griffbbereit Wohnwagen liegen. Der Mann mag zwar jede Art von Persönlichkeitsentwicklung ausgelassen haben, dafür sind einige Kilos dazu gekommen, ein paar Beißerchen fehlen inzwischen auch - aber wozu gibt es Bauch-weg-Korsett und künstliches Gebiss, wenn seine einzige wirkliche Begabung - kunstvolle Untotenzersägung nämlich - mal wieder gefordert wird? Bruce Campbell, Sam Raimi, Rob Tapert und all die andern Leute aus Raimis Freundes- und Kollegenkreis kehren in ca 25 Minuten kurzen, knackigen, extrem (!) blutigen Episoden zurück zu ihren Wurzeln und es ist eine glorreiche Heimkehr, die sich in der ersten Linie am zweiten Teil der Filmtrilogie orientiert. Natürlich nimmt sich der Quatsch überhaupt nicht ernst, aber die Charaktere sind sympathisch und man hat es geschafft, neben Lucy “Xena” Lawless noch ein paar andere Leute zu besetzen, die neben dem überzeugend dämlichen Campbell nicht allzu blass aussehen. Ich will gar nicht zu viel schreiben - wer die alten Sachen mag, sollte sich sehr wohlfühlen und sich zumindest die von Raimi selbst inzenierte erste Folge geben. Ihr werdet sowieso weiterschauen. Wartet nur ab, wer in der zweiten Staffel als Ashs Vater auftritt…

Amazon Prime Video

Ich habe einen Probemonat für Amazons Prime Video Streaming Service begonnen und möchte gern ein paar Sätze dazu verlieren. Amazon bringt in etwa dieselbe gute Bildqualität wie Netflix und das Film- und Serienangebot für einige Euro weniger ist wirklich sein Geld wert, vor allem wenn man bedenkt dass die Prime-Mitgliedschaft für Amazon-freundliche Vielbesteller kostenlosen Premiumversand bedeutet. Aber die Apps…! Auf der PS4 werden die Untertitel oftmals eine satte Sekunde nach der gesprochenen Zeile angezeigt, manchmal werden sie beim nächsten Start einer Episode einfach vergessen und müssen erst wieder aus- und wieder angeschaltet werden - wenn man denn die Einstellungen dafür findet, denn die Bedienung ist keineswegs so logisch, wie ich mir das wünsche - vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich etwas beschränkt bin. Sich häufende Kleinigkeiten wie diese werden irgendwann zu einem Ärgernis, insbesondere weil Netflix Probleme dieser Art einfach besser im Griff zu haben scheint - es ist möglich, Amazon!. Ich muss allerdings sagen, dass die deutlich andere Bedienung auf dem iPad für meine Begriffe bei weitem besser war als auf der PS4, ich konnte sogar auf Anhieb die Sprache der Untertitel einstellen. Außerdem: Untertitel kommen sogar pünktlich! Die “X-Ray” Funktion, die beim Pausieren der Szene anzeigt, wer gerade zu sehen ist - wirklich cool! Amazon hat da schon ein paar gute Ideen, aber… da gibt es noch viel zu tun. Dafür gibt es teilweise tolle Exklusivtitel - da kommt noch einiges mehr, insbesondere freue ich mich auf Bryan Fullers Version von Neil Gaimans American Gods.

Nächstes Mal:

Ein paar Lesungen, die ich besuchte, The Elder Scrolls Online, Marvels Doctor Strange - es gab so viel, dass ich kaum alles in den Oktober stopfen konnte und es wird immer mehr!

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