Doctor Strange

© Marvel.com

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Ich bin schon sehr lange Fan der Marvel Comics und ich mag auch die Filme, aber ich muss schon zugegeben, dass die letzten Ergebnisse aus dem hauseigenen Studio für meinen Geschmack zu sehr auf „Nummer sicher“ inszeniert wurden und man das bewährte Konzept vielleicht ein paar mal zu oft neu aufgegossen hat. Nun treffen wir also Doctor Strange, mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle, dazu kommen Tilda Swinton, Mads Mikkelsen und… Chiwetel Ejiofor, dessen Namen natürlich auch ich noch einmal nachschlagen musste, um da ja keinen Fehler zu machen. Für Nicht-Eingeweihte: Der Herr Doktor ist tatsächlich von Haus aus Arzt, genauer: Ein hochtalentierter und hocharroganter Chirurg, der durch einen Unfall selbst zum Fall für die Reha wird und anfängt, nach alternative Heilmethoden für seine zerschundenen Hände zu suchen. Man ahnt es schon - das wird recht zauberhaft und damit erspare ich uns allen weitere Kalauer dieser Art.

Regie führt Scott Derrickson, der schon Horror wie Sinister oder Mystery wie Der Exorzismus von Emily Rose inszenierte und sich so durch reichlich Vorerfahrung für den neuen Job empfahl. Doctor Strange fühlt sich dennoch vor allem wie ein Marvel Studios Film an und hätte meine Meinung nach durchaus mehr Mysterien und mehr Horror vertragen können. Da es aber ein Marvel Studios Film ist, funktioniert die ganze bewährte Melange dank ordentlichem Schwung und einem ganz angenehmen Humor zumeist ganz gut, obwohl wieder eimal etwas zu zäh die Entstehungsgeschichte dieser etwas anderen Superheldenfigur und ihr erster Kampf gegen einen übermächtigen, aber trotz Mads Mikkelsen eher blassen Schurken erzählt wird. Hier hätte sich Marvel wieder einmal etwas zurücknehmen sollen und mutiger eigene Handschrift ihres durchaus talentierten Personals zulassen sollen - auch die eher schwachen Gegenspieler der Heldenfiguren sind ja eine bekannte Schwäche mit wenigen Ausnahmen wie z.B. Tom Hiddlestons Loki. Doctor Strange steht übrigens auf eigenen Füßen und der “Crossover-Effect” zu den anderen Filmen aus dem Marvel Cinematic Universe ist sehr gering - es handelt sich nicht um ein weiteres gefühltes Iron Man oder Avengers-Spin-Off.

Der glänzende Cast funktioniert um einiges besser, allen voran Cumberbatch und Tilda Swinton. Vielleicht sollte ich kurz auf die Kontroverse um die Besetzung von Stranges Mentor - ursprünglich eines älteren asiatischen Herrn - durch die eindeutig nicht asiatische Tilda Swinton, die auch in der Rolle keine Asiatin spielt - eingehen. Der Produktion wurde im Vorfeld Rassismus in Form von „whitewashing“ des Charakters vorgeworfen - eine seltene positive Rolle für asiatische Männer sei einer erneuten kaukasischen Version als Vehikel für einen Star gewichen. Nun, ich bin nicht ganz sicher wie ich mich da einordnen soll, denn der „alte Weise aus Fernost“ ist nun auch ganz eindeutig eine rassistische Stereotype, von denen die alten Comics - und nicht Doctor Strange allein - zentnerweise vorweisen konnten. Ob man ausgerechnet Swinton allein aufgrund ihrer Starpower im Mainstream besetzt hat, finde ich persönlich nicht wahrscheinlich. Man sollte vielleicht auch erwähnen, dass der Magier Wong („nur Wong“) in den Comics Stephen Stranges Kammerdiener war und hier auf Augenhöhe der anderen Charaktere und insbesondere auch mit Strange selbst agiert. Es ist ganz sicher nicht ganz einfach, einen Stoff wie diesen zu modernisieren, auch im Hinblick auf die Repräsentation von Frauen und man darf Marvel zumindest zugestehen, dass sie sich in dieser Hinsicht einige Gedanken gemacht haben. Wie erfolgreich dieses Unterfangen war, sei einfach mal dahingestellt. In jedem Fall bleibt Strange eher ein etwas zwiespältiger Held, der keine besondere Rücksicht auf die sicher irgendwie sinnvollen Natur- oder sonstigen Gesetze nimmt, wenn er es gerade für richtig hält; auch seine anderen negativen Eigenschaften sind nicht einfach verschwunden. Ich bin durchaus gespannt, wie sich dieser Charakter in Zukunft entwickeln wird.

Ganz sicher ein voller Erfolg ist die Umsetzung der schwer trippigen fremden Dimensionen und verzerrten Realitäten aus den Zeichnungen von Steve Ditko in überbordende 3D-Effekte - es gibt wenige Filme, deren 3D-Fassung ich euch so sehr ans Herz legen will wie dieser. Ich würde auch dazu raten, ihn unbedingt im Kino anzuschauen. Ich habe Doctor Strange übrigens wie üblich in der Originalversion gesehen und kann mich dazu zu den Qualitäten der Synchronisation nicht auslassen - allerdings musste ich mich doch sehr an Benedict Cumberbatchs Version eines amerikanischen Akzents gewöhnen.

Insgesamt: Ein insgesamt richtig guter, stimmungsvoller Marvelfilm mit einigen kleinen Längen, aber bestimmt eure Zeit wert. Es bleibt allerdings das Gefühl, dass hier mehr drin gewesen wäre.

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