Netflix‘ mittelguteste Serien: Flaked und Marvel’s Iron Fist

Flaked

Da steht er in seinen kurzen Hosen - Will Arnett in Flaked.

Ich habe zu viel gesehen, geneigte Leserschaft - zu viele Filme und zu viele Serien. Es fiel mir daher schwer, zu entscheiden worüber ich das nächste Mal schreiben würde. Ich tat das, was mancher unentschlossene Mensch auf Twitter tut und fragte dort - ich erhielt keine Antwort, aber so schnell gebe ich ja nicht auf.

Auf den folgenden Tweet gab es Resonanz:

In gewisser Hinsicht sind also bestimmte Teile meiner Twitter-Timeline für diesen kleinen Artikel verantwortlich, indem sie positiv reagierten und wieder andere, indem sie diesen Text nicht bereits vor der ersten Zeile verhinderten. Zwei nicht gänzlich überzeugende Serien habe ich mir ausgesucht - eine etwas ältere, die hierzulande nicht besonders viel Aufmerksamkeit bekam und eine, die weltweit für nicht nur positives Aufsehen sorgte: Flaked und Marvel’s Iron Fist.

Flaked (2016)

Will Arnett (Arrested Development, BoJack Horseman) spielt die Hauptrolle und war auch einer der Autoren dieser tragikomischen Serie, die in der Hipster-Hochburg Venice Beach, CA spielt. Er ist Chip, ein mehr oder weniger komplett untätiger Designer von dreibeinigen Stühlen. Seinen durchaus beachtlichen Ruf einer örtlichen Berühmtheit hat er aufgrund einer tragischen Geschichte, die ihm zu einer einem geläuterten Menschen und nunmehr trockenen Alkoholiker machte. Seitdem suchen die Anwohner Rat bei ihm. Dummerweise hat Chip die kleine Charakterschwäche, nur in Ausnahmefällen die ganze Wahrheit zu erzählen…

Eigentlich habe ich Flaked nur angeschaut, weil der Soundtrack von Stephen Malkmus (Pavement) - einem meiner musikalischen Helden - komponiert und eingespielt wurde. Dazu kommen Songs von Warpaint, Kurt Vile und einer ganzen Reihe anderer fantastischer Leute. Die Musik passt wundervoll zu den immer irgendwie sonnendurchfluteten Bildern und der… freundlich ausgedrückt… entspannten Attitüde der Figuren, das gilt insbesondere für Malkmus’ Sachen. Die Serie plätscherte für eine ganze Weile recht beliebig vor sich hin und eigentlich konnte ich die Kritik an ihr ganz gut nachvollziehen: Die Handlung kommt nicht recht voran und die Figuren haben keine Tiefe. Aber da war die Musik und die schönen Bilder und ich mag Will Arnett und… irgendwann nach der dritten oder vierten Folge stellt ich fest, dass ich Flaked eigentlich richtig gern sah. Tatsächlich gewinnen die Figuren mit der Zeit erheblich, die Handlung zieht an und… hey, das hätte Klasse werden können.

Vielleicht war es Arnetts leider allzu realer Rückfall in die Trinkerei während der Dreharbeiten oder die Tatsache, dass Netflix-Eigenproduktionen eigentlich immer zu viele Folgen pro Staffel haben - diese erste Runde Flaked war leider ein wenig fokussiert. Ich würde dennoch sagen: Diese Debutstaffel ist mir ein westfälisches „kann man gucken“ wert - also eine vorsichtige, aber ehrliche Empfehlung.

Eine neue Staffel kommt im Juni 2017.

[Nachtrag]: Jemand auf Tumblr hat sich die Mühe gemacht und den Soundtrack der Serie mit den passenden Szenen dokumentiert - auf The music of Flaked.. Der offizielle Soundtrack ist inzwischen auch auf Spotify angelangt.

Marvel’s Iron Fist

Ach, Iron Fist. Marvels Partnerschaft mit Netflix war bislang so etwas wie ein Triumphzug, Daredevil, Jessica Jones und zuletzt auch Luke Cage sind allesamt mächtig beim Publikum und auch bei großen Teilen der Kritik eingeschlagen. Das neue Werk dreht sich um einen eher obskuren Charakter, der seinen Ursprung in der Martial Arts Welle der 70er Jahre hatte. Danny Rand - ein schwerreicher Konzernerbe - überlebt als Kind einen Flugzeugabsturz und wird in einer mystischen „Lost City“ in den Anden zu einer Lebenden Waffe ausgebildet und so zum Beschützer von K'un-L'un - die Ausschreibung des Job sah offenbar ganz speziell einen blonden, weißen Jungen vor. Danny kehrt nun also zurück nach NYC zurück und will sein Erbe antreten (Das glaube ich, ganz sicher bin ich aber nicht). Natürlich ist er bewaffnet - mit Kung Fu und einem nicht enden wollenden Schatz an salbungsvollen Kalendersprüchen, die selbst Kwai Chang Caine höchstselbst erblassen lassen würden. Letzterer - die Hauptfigur einer gewissen Serie aus den 70s namens - richtig, Kung Fu - sollte übrigens einmal mit einem gewissen Bruce Lee besetzt werden. Am Ende ging die Rolle dann aber an David Carradine. Die Geschichte wiederholt sich manchmal eben doch: Im Fall von Danny Rand ging die Rolle auch nicht wie dereinst geplant an einen Asiaten mit guten Martial Arts-Skills, sondern anscheinend in letzter Sekunde an den überaus westlichen aussehenden Briten Finn Jones aus Game of Thrones, dessen Training der Kampfkünste drei Wochen(!) vor Drehbeginn startete. Klingt schwer nach den 70ern und dieses Gefühl hatte ich noch oft.

Ich erzähle das so lang und breit, weil Marvel’s Iron Fist nicht nur an einem über weite Strecken wenig überzeugenden Casting leidet, sondern auch an unausgegorenen Scripts, einer nicht recht funktionierenden Handlung mit teils absolut unerklärlichen Charakterentwicklungen. Unverzeihlich für das Genre sind allerdings die schauderhaft schlechten Actionszenen. Man merkte denen leider allzu sehr an, dass sie nach allen Regeln der Kunst zusammengeschnitten wurden, um den untrainierten Helden so gut wie möglich aussehen zu lassen. Marvel kann Kampfszenen so viel besser, wie man vor nicht langer Zeit sehr gut in Daredevil sehen konnte.

Auch ist Jones ist ganz offensichtlich kein schlechter Schauspieler. Er gibt sich ehrliche Mühe, genau wie der Rest der hochkarätigen Besetzung. Aber mit diesen Drehbüchern ist nicht viel zu gewinnen.

Wirklich schlecht ist Iron Fist immer noch nicht. Es ist eine entschieden durchschnittliche Serie, die so viel mehr hätte sein können. Im Gegensatz zu Marvels bisherigem Output kann ich auch am Ende der Staffel nicht sagen, um was in der Serie überhaupt geht - bei allen kleinen dramaturgischen Schwächen hatte z.B. Luke Cage immer etwas zu sagen.

Iron Fist hat nun so gar nichts zu sagen und ein Held, der für nichts steht außer… irgendwie, das Gute, schätze ich… der ist auch eher überflüssig, ebenso wie dieser schon vom Konzept her instinktlose Schnellschuss einer Serie, die nicht in die heutige Zeit passt.

Schaut sie euch trotzdem an, wenn ihr Fans von Marvelkram seid - wirklich langweilig ist Iron Fist nicht. Erwartet nur nicht zu viel.

3 Kommentare

  1. Puh, bei Flaked kann ich dir zustimmen, habe ich auch aus irgendeinem Grund (Grippe macht schlimme Dinge mit mir!) zu Ende geschaut aber eigentlich überhaupt nicht gemocht. Ich mag Will Arnett sonst sehr gern, aber die Show ging mir einfach zu sehr ins nichts. Naja, Staffel 2 werde ich dann wohl bei der nächsten Grippe bingen 😰

    • Ich fand bei Flaked ganz spannend, dass sich die Sympathien bei mir im Laufe der Staffel verschoben haben und ich den anfangs unerträglichen Chip am Ende mochte. Na gut, da war auch die Musik…