American Gods und Jonathan Strange & Mr Norrell

Dieses Mal sind wir nicht mehr bei Netflix, sondern bei Amazon; auch sind beide Serien ziemlich gut. Ich weiß, dass solche plötzlichen Neuerungen das unter Umständen zu Massenpanik und Aufständen führen kann, aber daran habe ich mich inzwischen gewöhnt und dasselbe gilt bestimmt auch für meine geneigten Leserinnen und Leser.

American Gods (Starz, 2017)

Es löste doch eher gemischte Gefühle bei mir aus, als eine Serie auf der Basis von Neil Gaimans großartigem Roman bei dem US-Sender mit dem inspirierten Namen Starz angekündigt wurde, denn direkt vorher waren jahrelange Versuche bei HBO gescheitert - Game of Thrones hatten sie zwar glänzend hinbekommen, aber Gaimans Epos über die mit-eingewanderten Götter der USA und deren Kampf ums Überleben war wohl zu viel des Guten - und das ohne Bedarf für große Feldschlachten und ausgedehnte Auslandsdrehs. Dann aber wurde bekannt, dass Bryan Fuller (Hannibal, Pushing Daisies, die beste Serie!) einer der Showrunner sein würde und Neil Gaiman selbst involviert wäre - damit sah die Sache für mich schon wieder ganz anders aus. Tatsächlich: American Gods schafft es, den Roman von 2001 geschickt auf die heutige Zeit zu trimmen, ein paar Elemente hinzuzufügen und seine faszinierende Geschichte in aller Ruhe zu erzählen. Gerade das gemächliche Tempo bleibt erhalten und gerade das hilft der Serie sehr. Es gibt schon während der ersten drei Folgen einige sehr blutige Szenen und einige durchaus sehr explizite Sexzenen. Interessanterweise hat Amazon seine Codesperre für „Ab 18“-Inhalte bei dieser Serie nicht eingeschaltet - merkwürdig. Ebenso merkwürdig finde ich, dass Amazon die Originalfassung nicht in Ultra-HD anbietet.

American Gods - und das gilt vielleicht noch mehr für die Serie als auch für das sehr lesenswerte Buch - hat einiges über sehr aktuelle gesellschaftliche Themen zu sagen, aber es geht vor allem um Glauben und dessen Natur. Alles beginnt im Knast, übrigens.

Jonathan Strange & Mr Norell (BBC, 2015)

Es bietet sich an, diesen Siebenteiler gleich im Anschluss zu besprechen, handelt es sich dabei doch um eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Susanna Clarke, dessen wohl bekanntester Fan der bereits weiter oben erwähnte Neil Gaiman ist. Es ist wieder ein Fantasystoff, der allerdings wenig mit Tolkien und Konsorten zu tun hat, dafür aber mit der Rückkehr der englischen Magie zur Zeit der Napoleonischen Kriege und den beiden im Titel genannten Zauberern unterschiedlichen Charakters. Es ist eine wunderschön ausgestattete, exzellent besetzte Serie voll prächtiger Kostüme inklusive eine Menge beeindruckender Hüte, deren BBC-typisch begrenztes Budget für Effekte gekonnt eingesetzt wurde - wenn Magie passiert, dann aber richtig!

Jonathan Strange & Mr. Norell besitzt einen feinen Humor und eine gewisse Melancholie, die sich durch jede einzelne der etwa einstündigen Episoden zieht und eigentlich will man nicht, dass die Geschichte zu Ende geht, aber wie das so mit einer Miniserie ist… es gibt einen Anfang und ein schlüssiges Ende. Ganz toll.

Beide Serien sind Teil des Amazon Prime Abos.

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