Der Schatten der Scheuermagd von Lord Dunsany.

Denken wir uns einen milden Sommerabend, über Spanien heraufdämmernd, wenn eben der Flimmerschein des Laubes in dunkleren Farben erlischt, der Himmel im Westen geheimnisvoll hell ertönt und sich im Osten verfinstert. Denken wir uns Spaniens Goldenes Zeitalter, nach seinem herrlichen Zenith zum Ausklang gen Westen sinkend. (The Charwoman's Shadow, 1926)

Ramon Alonzo vom Turm und zum Felsenwald versucht seinem wenig fleissigen Vater Geld und seiner Schwester Mirandola eine angemessene Mitgift zu verschaffen und sucht sich daher einen zwielichtigen Lehrer in Sachen Goldherstellung. Der möchte als Lohn am liebsten Ramon Alonzos Schatten…  ein Handel, vor dem die uralte Scheuermagd in des Meisters eindringlich warnt. Natürlich vergebens, denn sonst wäre die Geschichte ja schon zuende. Das wäre sehr schade.

Ich glaube, dieses Buch geht wohl als "ziemlich obskur" durch - es ist sowohl ein Märchen aber auch eine Romanze und außerdem ironischer Abgesang auf das goldene Zeitalter Spaniens, welches Dunsany gern in seiner eigenwilligen Version beschrieb und es hier nicht zum letzten Mal als Bühne für seine Geschichten verwendete. Der Stil ist gewohnt blumig, reich an Schnörkeln wie auch die Handlung - nichts für ungeduldige Leser allerdings, die Hochspannung erwarten. Wer Dunsany bislang nicht mochte, wird auch hier nicht glücklich.

Ein feiner Humor zieht sich durch das Buch und machte es mir leichter, gewisse Längen zu verzeihen - das Ende hingegen ist berührend, angemessen märchenhaft und voller Wehmut.

Mit der letzten Seite nämlich endet nicht nur diese Geschichte, sondern auch das Goldene Zeitalter ist für immer vorbei.

Für mich ist Der Schatten der Scheuermagd eines der schönsten Bücher für die letzten glänzend warmen Tage vor dem grauen Spätherbst. Wenn ihr es finden könnt, dann lest es.

Nebelzeit

Der blaue Himmel ist wie eine unendliche azurne Weite, die meine Gedanken fortziehen lässt, weiter und weiter. Die Sonne wärmt mein Gesicht und ich muss blinzeln.

Nun ist der blaue Himmel nur ganz selten zu sehen, viel öfter ist es dort oben grau und ich kann blinzeln wie ich will, gewärmt werde ich nicht. Aber das ist auch in Ordnung.

Der Nebelhimmel ist wie eine Leinwand, wie Büttenpapier für die Feder meiner Phantasie. Auf die Unendlichkeit kann man nicht schreiben, aber das hier ist wie gemacht für Geschichten.

Ich werde wieder mehr schreiben.

Der Nebelhimmel ist schon ganz zugekritzelt mit Notizen. Ich muss sie nur noch abtippen.

Warum ich manchmal so schlecht erreichbar bin

Ein erfahrener Kollege hat mir einmal nahegelegt, möglichst schlecht erreichbar zu sein - nur das würde mich vor einem Burn-Out bewahren. Wer es wirklich ernst meine, würde im Zweifelsfall anstelle eines Sozialarbeiters andere Stellen anrufen:

  1. Die Feuerwehr
  2. Die Polizei
  3. Den Rettungwagen
  4. Die Krisennummer des Jugendamtes
  5. Batman

Da hatte er vielleicht nicht ganz unrecht. Ich habe mich aber nicht daran gehalten. Bis jetzt.

Nur dass ich in letzter Zeit gar nicht für meine schlechte Erreichbarkeit konnte, das waren die verschiedenen Telekommunikationsunternehmen.  Bis vor etwa sechs Wochen wohl bekannt wurde, dass ich kündigen wollte. Alles. Kabel, Mobilfunk, Internet, Festnetz. Ich wollte Geld sparen und bin darum… äh, zu einer Firma gewechselt, die für eine so beunruhigende wie unerklärliche Vorliebe für Magenta bekannt ist. Wirklich? Wirklich. Nur ein weiteres unschönes Beispiel für meine komplexen Vertragsverhältnisse.

Natürlich begannen so erst die Probleme. Aber das habt ihr ja schon geahnt, nicht wahr?

Ich rede jetzt nicht davon, dass die Anbieter nicht einfach eine Kündigung akzeptieren.  Nicht dass sie sich weigern. Aber sie wollten vorher "noch ein paar Details in einer Beratungssituation" klären.  Ich kann auf Kommando sehr dumm und sehr wütend wirken - "ich verstehe das nicht, das regelt besser mein Anwalt für mich" - das hat dann gewirkt.

Dann fiel mein DSL Anschluss aus. Der Supportmitarbeiter half mir treuherzig über die lange Warteschleife hinweg - "Ach, die ist doch kostenlos für unsere Kunden." Wie schade, dass ich gerade auch den Ausfalls meines Telefonanschlusses melden wollte, der lief ebenfalls über das Internet. Das sei aber schade und sicher auch teuer per Handy.  Meinte der. Die Störung nahm er aber nicht auf. Das sei bald wieder gut, in 1-2 Stunden. War es aber nicht. Natürlich nicht. Der dritte Supportmitarbeiter nahm dann die Störung 'korrekt auf', die vorher hätten irgendwie "Mist gebaut". Nach 10 Tagen  bekam ich die Nachricht, dass sie nun die Meldung an den Netzbetreiber weiterleiten würden, sie bräuchten lediglich noch Informationen über die Art der Störung. Der Techniker kam zwei Tage später. Es lief, dann fiel es wieder aus. Nach zwei Wochen hatte ich wieder DSL. Gut, dass ich bereits gekündigt hatte.

Was meinen Mobilfunkvertrag angeht - die Kündigung "würde noch ein wenig Zeit in Anspruch nehmen", teilte man mir mit. Das überrascht mich natürlich nicht. Denn die Vertragslaufzeit wird laut Webseite so angegeben:

In diesem Sinne: Ich hoffe, wir verlieren - auch in Zukunft - nicht den Kontakt.

 

Katzensitzen

Meinen Leute sage ich, ich sei zum catsitting gefahren. Das stimmt nur zur Hälfte, denn natürlich besuche ich die Katze in Abwesenheit meiner Eltern, aber die Katze will nicht, dass ich sitze oder mich auch nur in irgendeiner Form mit ihr beschäftige.

Die Katze will was zu beißen.

Mehr als sonst.

Wenn ich nicht wüsste, dass mein Bruder den Kater schon heute mittag reichlich versorgt hat. Wenn der Katzenfressnapf nicht halb voll wäre.  Dann würde ich glaube, dass das arme Tier am verhungern ist. Das Futter von heute mittag ist natürlich ungenießbar. Dazu muss eine Katze von Welt nicht einmal irgendeinen Blick abfeuern. Die Körperhaltung ist eindeutig.

Fülle er den Napf mit frischer Nahrung, nur vom Besten soll's sein und er möge sich sputen. 

Nachdem das Werk getan ist, trottet das Biest wieder weg, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Zeit für sein Hobby, Ausdemfensterstarren.

Ich liebe Katzen. Ich vermisse den alten Flohsack, sobald ich wieder in Bielefeld bin. Ich weiß nicht genau warum…

Der Krieg gegen den Schlaf

In jedem Jahr ist es dasselbe Spiel mit mir: Ich werde so ungefähr ab der zweiten Hälfte des Septembers sehr, sehr müde und bleibe es auch. Das bedeutet, dass ich unter der Woche nach der Arbeit so erledigt bin, dass ich kaum noch einem ordentlichen Film folgen kann, geschweige denn einem ordentlichen Gespräch oder einer Lesung… oder einem Buch.

Das liegt vermutlich daran, dass ich keine Lust habe, mich abends schlafen zu legen - dafür dämmere ich dann vor mich hin und ärgere mich darüber, dass ich die ganze Zeit so dämlich herumdämmere. Sobald mal etwas Interessantes passiert, penne ich natürlich augenblicklich ein - es reicht schon, wenn mal eine neue Folge How I Met Your Mother kommt - dann bin ich unweigerlich direkt nach dem Vorspann im Reich der Träume angekommen - dorthin habe ich nämlich immer einen Sonderzug gebucht, der in Sofanähe wartet.

Im Grunde sollte ich an Tagen wie diesen Urlaub nehmen und dann so ab Mitte Oktober wieder anfangen zu arbeiten.  Komischerweise scheint sich die Arbeit in diesen Wochen immer geradezu unverschämt zu häufen, also fällt diese Option aus.

Ich könnte natürlich auch mal den inneren Schweinehund plattmachen.

Oder einfach ICQ, Facebook… all die Kommunikationswege zeitweilig ausschalten, bevor ich durch meine Trägheit meinen Mitmenschen auf den Geist gehe.

Ich kann jedenfalls behaupten, dass ich meinen Halb-Winterschlaf im Halb-Winter habe.

In dieser Zeit führe ich so lange Krieg gegen den Schlaf, bis ich vernünftig werde und endlich bedingungslos und glücklich kapituliere, bis ich zur Kaffeezeit wieder aufwache.

Altweibersommer

Manchmal braucht man nicht mehr als einen blauen Himmel, einen weiten Blick über die Felder, eine pennende Katze als Gesellschaft und Geschichten die noch aufgeschrieben werden müssen.

Das Leben war schon einmal einfacher und weniger anstrengend, aber heute und hier und jetzt an diesem Ort unter dieser Sonne ist es in Ordnung. Ich lehne mich zurück und warte, bis der Tee fertig ist.

Eigentlich sollte ich Pilze suchen gehen, oder?

Vielleicht suche ich gleich Pilze.

Vielleicht nicht. Ich schaue über das Gebüsch in den Himmel hinauf und speichere den Eintrag.

 

Kafka am Strand von Haruki Murakami.

Man hat mir Murakami schon oft empfohlen.

Wohl nicht ganz ohne Grund - ich habe da dieses Faible für Geschichten, die am Rande des Phantastischen und vielleicht einen kleinen Schritt darüber hinaus stattfinden. Schlaue Leute mit gutem Geschmack hatten schon lange etwas von diesem Herrn aus Japan gelesen und da genau den richtigen Stoff für mich vermutet.

Um dieser Besprechung ein wenig die Spannung zu nehmen: Auch wenn ich fast zehn Jahre brauchte, um dann doch endlich einmal mit Kafka am Strand meinen ersten Murakami zu beginnen… hatten sie doch recht. Empfohlen bekam ich den Autor ausschließlich von Frauen, geschenkt bekam ich das Buch dann von einem Mann. Das hat sicher nichts zu bedeuten.

Was ist zwischen den Buchdeckeln? Eine Ödipus-Geschichte mit allen Schikanen, Regen aus Blutegeln, ohnmächtige Schulkinder, Gespräche mit Katzen, Beethoven, Flucht, Freundschaft Bibliotheken und Sex.

Dazwischen sind ungefähr zwei fast unerträgliche Szenen untergebracht, die mich das Buch erst einmal weglegen lassen wollten… natürlich habe ich es nicht getan. Ich habe einmal tief durchgeatmet, die Augen für einen Moment geschlossen und dann weitergelesen. Die Leute, die mir gegenüber im Zug saßen - die haben sich bestimmt gewundert.

Freundlich, modern und gut lesbar geschrieben, eine gute Geschichte und dann und wann wunderschöne Zeilen… ich glaube, das wird nicht mein letzter Murakami sein

Bitte wartet auf keinen Fall zehn Jahre.

Schnipsel, Blogs, Telefon und an was glauben.

Wenn man so betrachtet, wie viele Leute nicht mehr auf ihre Blogs schreiben, wie sie in die sozialen Netzwerke umziehen - egal wie die nun heißen mögen, Facebook oder Google Plus und die VZs dieser Welt und diese Welt als kurzen, schnell dahingetippten Wegwerfnachrichten an eine kleine Gruppe von Kontakten… dann muss ich nachdenken und ich frage mich, ob das alles war, warum sie einmal gebloggt haben: Der Klick auf das "gefällt mir". Ob man damit seinen Kontakten positiven Eindruck und ihre Aufmerksamkeit erregt. Reicht das?

Nun, für mich war das nicht alles.

*

Ich würde mich nicht unbedingt für einen religiösen Menschen halten, aber die Idee einer großen, unbestechlichen und sicheren Gerechtigkeit, die irgendwann kommen wird - die finde ich gut und tröstlich. Ich bewundere diese Menschen für ihren Glauben, der nichts mit diesem hässlichen, modischem Zynismus zu tun hat. Das vor nicht langer Zeit zu erleben hat mich sehr berührt. So dass mir die Worte fehlten.

*

Die merkwürdigen Fehden verschiedener (Kommunikations-) Elektronikfirmen und ihrer Fans erinnern mich immer mehr an aggressive Fangruppen im Stadium, die unbedingt voneinander ferngehalten werden müssen. Denn sonst könnte es knallen. Da muss man schonmal aufpassen, welches Mobiltelefon man öffentlich zeigt. Noch eine Gemeinsamkeit mit Hools: Ihre Muttis würden sich schämen - die der Samsung-, Apple-, und Google Chefs und so weiter… und die ihrer fanatischen Kaufsklaven sowieso.

*

So. Nun kann ich meine Spülmaschine ausräumen.

Die Metamorphosen des Stiers

Bahnbrechendes aus der TV-Beilage.

Erst durch dieses Fundstück in der Küche alter Bekannter ist mir ein wichtiges Detail offenbart worden: Wir Stiere scheinen uns gelegentlich zu häuten. Vor allem, wenn die alten Muster feststecken. Kein Wunder, wenn man sich die stierische Haut als eine Art lederne Tapete vorstellt. Wenn die runter muss, kann das in Arbeit ausarten.

Einige Fragen stellen sich mir: Hat der Stier eine berufliche und eine private Haut? Ist der Stier - und das würde alles ändern! - ein Reptil mit regelmäßigen Häutungen oder doch eher das Larvenstadium eines prachtvollen, vielleicht insektoiden Lebewesens? Wenn aus der Raupe nach der Häutung ein wundervoller Schmetterling wird - was schlüpft dann nach der Verpuppung aus dem Kokon eines Stieres?

Will ich das wirklich wissen? Interessante Bilder entstehen in meiner Hochleistungsphantasie…

Das flache, tragbare Gedächtnis

Ich habe gerade meine gesammelten Daten von meinem alten Notebook auf einen neuen tragbaren Computer gebracht und dabei - man hat eine ganze Weile Zeit - kommt man schon einmal ins Nachdenken. Schließlich hat man Gelegenheit zur Sichtung der letzten gut zehn Jahre an fertigen und halb fertigen, ganz und fast vergessenen Geschichten und sogar Gesichtern, die man auf offensichtlich absichtlich geschossenen Fotos beim besten Willen nicht mehr erkennen kann.

Diese Sichtung habe ich natürlich gemacht, um endlich mal den alten Dreck in die Müll zu werfen. Natürlich habe ich nichts löschen können. Ihr kennt mich ja. Nun, jetzt kennt ihr mich auf jeden Fall etwas besser: Ich bringe es sowieso nicht übers Herz.

Das bedeutet nicht nur weniger freien Speicher auf dem neuen Computer. Das bedeutet auch eine viel kompliziertere und langwierigere Operation, wenn die Gedächtnistransplatation ansteht. Die dauert bei mir bei jedes Mal länger, logisch. Dieses Mal hat das kleine Datenübertragungsprogramm - der Migrationsassistent, den ich auch gern medizinisch-technischen Assistenten nenne - eine OP-Zeit von etwas vier Stunden angekündigt. Nach längerem Nachdenken: 12 Stunden. Dann 27. Dann 40 Stunden. Dann entschied er sich vorläufig für 30 Stunden und 14 Minuten.

Weil ich beim Spender-Notebook mal wieder zu verträumt gewesen bin, genau nach Anweisung den Schlafmodus auszuschalten, dauerte es auch ziemlich genau 30 Stunden. Man hofft ja immer, dass diese geschätzten Wartezeiten doch bitte ungenau sein mögen, bitte. Aber mein Notebookhersteller1 hat leider eine der besseren Funktionen dieser Art in sein eigenes Betriebssystem eingebaut. Aber Gedächtnistransplantationen sind ja auch kompliziert und dauern lange. In der ganzen Zeit darf man nicht mit dem neuen Körper… dem neuen Notebook herumspielen und fiebert und hibbelt dem Ende der Operation entgegen. Bei einem Spendergedächtnis kann ja so viel schief gehen - am Ende erkennt man sich selbst nicht wieder.

Nun, letzte Nacht ist die Verpflanzung erfolgreich abgeschlossen worden. Irgendwann um drei Uhr. Ich bin so… entspannt…

Aber ich musste darüber nachdenken, wie es wohl wäre diese Daten allesamt zu verlieren. Zwar habe ich Backups, aber der Gedanke gefällt mir gar nicht. Allein der Gedanke an all die Geschichte, die ich nie zuende schreiben könnte, all die Mails, die Fotos…

Wir lagern schon eine Menge aus. Ich wünschte mir, ich könnte das alles in meinem Kopf unterbringen… und nicht viele, aber vielleicht die eine oder andere kleine Datei würde ich auch gern löschen.

  1. Es ist die Apfelfirma. Ich glaube, das sage ich mal lieber in den Fußnoten, um keine Apple-Diskussion zu beginnen. []
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