Ist das der Vollmond?

Falls nicht, dann sollte Vollmond sein. Ich bin hellwach und voller Gedanken, schlafen kann ich überhaupt nicht. Vielleicht hätte ich ausgehen sollen, aber dazu habe ich überhaupt keine Lust. Keine Lust und kein Interesse an den meisten anderen Menschen. Eine von diesen Nächten ist es.

Ich muss an sie denken, wie sie spricht und wie das kribbelt tief in mir; wie sie lacht wie sonst niemand lacht und wie sich einen umarmt und wie sie riecht und wie sie ernst ist und wie sie geht und wie sie schreibt und singt und atmet, an einem Telefonhörer viel zu spät in einer von vielen Nächten, in der wir uns nicht sehen konnten und uns näher wären als andere in einem Bett.

Und sie ist nicht da und ihre Stimme höre ich nicht, ich denke nur an sie. Wie sie ist. Wie sie mir fehlt.  Wie niemand und nichts sie ersetzen kann.

Wie wenig doch meine Gedanken wert sind, wenn ich ohne sie bin.

 

Ätzend.

Kürzlich stellte ich fest, dass mein sehr gelbes Auto einen kleinen Mangel hatte - eine lose Naht auf dem Rücksitzpolster. Mein Vater hat es drauf, ziemlich gut solchen Kram reparieren zu können und bot an, sich darum zu kümmer - der eindeutige Vorteil, wenn man Näher und Schneider unter seinen Vorfahren verorten kann und einiges gelernt hat. Ich habe davon so gut wie gar nichts mitbekommen - mal davon abgesehen, dass ich Knöpfe "mit Stiel" annähen kann.

Er rief mich noch am nächsten Tag an und meinte, dass der Schaumstoff im Polster beschädigt sei - etwas hätte sich dorthinein gefressen. Er wollte mal sehen, ob er ein günstiges Ersatzteil besorgen könnte - langsam würde er neugierig. Ich ebenfalls.

Dann sagte er, dass sich da ein weißes Pulver auf dem Metallunterbau abgelagert hätte. Das Pulver fühle sich "seltsam" auf den Fingern an. Er würde das mal entfernen.

Heute, nach dem Regenguß, da rief er mich an. Dort, wo er das Pulver auf den Rasen geschüttet hatte... war nichts mehr grün, sondern nur noch ein schwarzer Fleck verbrannten Grases.

Gut, dass meine Mitfahrer nie auf die Rücksitze geschwitzt haben, oder? Sehr mulmiges Gefühl. Gut, dass ich von Berufs wegen keine Kinder mehr transportieren muss...

Roter Mond

Die Leute sagen, in dieser Nacht solle es eine Mondfinsternis geben. Ich sehe keinen roten Mond, sondern nur dunkelsamtigen Nebel. Der sieht so aus, als würde er alle Geräusche schlucken und unsere Schritte wären nur ganz leise zu hören, wir spürten nur die rotsamtig nassglänzenden Pflastersteine unter unsere Füßen. Keiner sieht uns, während wir gehen, keiner kann hören was wir uns leise erzählen. Das samtrote Licht in deinem Gesicht. Schatten deines versteckten Lächelns.

Ich halte den Gedanken fest.

 

Einlegearbeiten

Auf meinem Küchentisch liegt ein kleiner durchsichtiger Plastikbeutel. Was sich darin befindet, habe ich immer noch nicht ausgepackt, obwohl es schon den halben Tag dort herumliegt.

Der Orthopäde meines Vertrauens hat mir Einlagen verschrieben.

Wenn ich mal ehrlich bin, muss ja auch etwas passieren. Ich habe wirklich Schmerzen, wenn ich längere Strecken gehen muss - dabei gehe ich eigentlich sehr gern zu Fuß. Ich humpele durch die Gegend wie ein lahmer Alter. Also sollte ich mich wohl freuen, dass die Dinger möglicherweise helfen. Aber… wenn ich mal noch ehrlicher bin, dann muss ich auch zugeben dass ich schon einmal Einlagen hatte. Damals hatte eigentlich jeder zweite Grundschüler welche, wahlweise leukoplast oder lederfarbene Folterinstrumente, die tief in sich einen Kern aus Metall bargen  - sie waren entschieden unbiegsam und eindeutig schmerzhaft für den Träger, überhaupt nicht allerdings für die Orthopädischen Werkstätten die sich sehr über die vielen Verschreibungen freuten.

Da liegen die Dinger also und ich habe sie eben schonmal ein wenig - durch die Plastikfolie - abgetastet, so zur Sicherheit. Sie sind biegsam und haben die Farbe von Leukoplast. Allerdings habe ich das Gefühl, nun so etwas wie eine Gehhilfe benutzen zu müssen.

ich würde also auf die Einlagen verzichten, humpeln wie ein lahmer Alter damit ich mich nicht fühle wie ein lahmer Alter.

Hm.

Also gut. Morgen abend werden sie ausprobiert.

Gedankenzischen

Eigentlich sollte ich schon lange schlafen, aber das ist nicht ungewöhnlich um diese Zeit nach Mitternacht. Meistens hat es damit zu tun, dass ich bei irgendwelchen Spielen, Blogbeiträgen, Büchern oder noch bessser Telefonaten hängengeblieben bin und überhaupt nicht an schlafen denken will.

Heute ist das anders. Den Fernseher lasse ich lieber laufen, auch wenn mich das Programm rein gar nicht interessiert, aber dann schalte ich ihn auch aus, weil ich den Mist nicht mehr ertragen kann. Aber dann ist da die Stille.

Manchmal schaue ich zum Telefon, das heute sicher nicht mehr klingeln wird und der Gedanke daran tut weh.

Der Lüfter des Notebooks ist so laut in der Stille und ich wünschte, irgendetwas wäre zu hören, etwas von der Straße. Das schreiende Kind vom ersten Stock, das immer zur Geisterstunde seinen Pseudo-Krupp Husten hören lässt und ich liege dann meistens im Bett und habe Mitleid mit ihm. Aber ich höre nichts von oben, nicht in dieser Nacht.

Ich bilde mir ein, dass es in meinem Kopf rauscht und ein hartnäckiger Piepton scheint in meinen Ohren zu fiepsen,  aber das Bedauern ist lauter. Schöne Erinnerungen kommen hoch und spuken.

Einsamkeit heißt das Gefühl.

Falsches

Wenn man etwas erzählt und plaudert und richtig glücklich ist und dann… ein Wort kommt ganz falsch und dann noch eines und du merkst es erst nicht einmal, als das Glück schon verschwunden ist und etwas anderem Platz gemacht hat.. Du weißt genau - alles was du sagst, kann es nur schlimmer machen und doch plapperst du los, versuchst verzweifelt den schon verlorenen Moment zu retten, ihn retten vor etwas das du selber gar nicht verstanden hast. Etwas, das den anderen verletzt hat und dein Herz sinkt, weil du nichts tun kannst, nicht jetzt und gleich ist die Chance weg die du nie wirklich hattest und… du weißt immer noch nicht, was man nun denkt von dir. Nur das es sehr weh tun muss. Du weißt es und dass du das nicht wolltest. Was immer es ist, das ist falsch und das bist du nicht, das warst du nie. Nur ist es zu spät für deine Wahrheiten, oder?

Manchmal muss es raus und da ist kein Augenzwinkern am Ende und kein ach-es-wird-schon gut.  Da ist Leere und Bedauern und etwas Hoffnung, wo vorher etwas anderes war. Es ist deine Schuld und was immer da passiert ist… es tut dir sehr, sehr leid.

Die Bremsung der Welt

Teil des Problems

Teil des Problems

Etwas stimmt nicht mit der Welt und der Existenz und dem Planeten, ja mit dem Multiversum selbst scheint einiges im Argen zu liegen, wenn man sich die Gesamtsituation einmal vor Augen führt. Mir seit längerem geneigte Leser sind sicherlich bereits zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie ich, auch wenn das für sie - mit dem Gesamtbild des Multiversums vor Augen ein durchaus erinnernswerter Akt gewesen sein muss wie es für mich einer wahr.

Ich vermutete lange, dass wir allesamt zuwenig Zeit hätten. Das kann aber nicht sein, denn Zeit ist einfach da, man bewegt sich nur in ihr - darum sind auch Messinstrumente wie Uhren so lächerliche kleine Nervensäge. Nein. Der Planet und sein mittelbares Umfeld ist einfach zu schnell unterwegs. Ich bin sicher, dass man außerhalb dieses Sonnensystems weniger Klagen über hektische Tage zu hören bekommt - ich kann jedenfalls keinerlei Zitate darüber vorlegen und das nicht weil ich vielleicht nicht richtig gesucht hätte. Jeder weiß, wie gewissenhaft ich arbeite. Ich bringe regelmäßig den Müll vor die Tür. Ich habe einen Wecker und benutze ihn regelmäßig. Ich bin ein Teil des Problems. Denn:

Der Planet "Erde" hat es zu eilig. Er dreht sich viel zu schnell und wir sind schuld.

Wenn sich unsere geschätzte Kugel zu schnell bewegt, dann ja wohl deswegen weil wir so eifrig auf ihr rennen, fahren und schippern. Ihr kennt das von Artisten, die auf großen Bällen laufen und diese so fortbewegen; sogar manche wohltrainierte Tiere können das (und machen sich auf diese Weise mitschuldig). Dieser Planet namens Erde ist der große artistische Ball, den wir alle durch immer weiter beschleunigen und so dafür sorgen, dass wir nicht nur ständig müde, geschafft und abgespannt sind. Es bewirkt auch dass es immer so schnell dunkel wird und so früh morgen. Darum kriegen wir nie erledigt was wir schon immer gern tun wollten! Meistens jedenfalls nicht!

Zum Glück kann man etwas gegen diese besorgniserregende Entwicklung tun. Was? Lest weiter, denn ich habe die Lösung hier: Wir, die Verständigen und Hellsichtigen unter den Menschen (und unter den balancierenden Tieren) müssen uns widersetzen! Wir dürfen nicht einfach weiter in dieselbe Richtung eilen, die von uns erwartet wird! Nicht einfach weiterfahren, laufen, schippern, fliegen, kriechen, rollen! Tut das nicht. Haut den Rückwärtsgang rein und dann… gebt so richtig Gas in die Gegenrichtung.

Tut das genau jetzt und zwar alle gleichzeitig. Glaubt mir, danach fühlt ihr euch bestimmt schon eine Winzigkeit entspannter.

Gespenster

Ich habe meine Bilder sortiert und weil ich technisch so unglaublich gut ausgestattet bin, fragt mich meine Bilderverwaltungssoftware, wer denn wohl auf diesem oder jenem Foto abgebildet ist. Aktuell stehen noch 2286 solcher Fragen aus und ich klicke nur dann und wann auf einen der Links, wenn ich jemanden erkenne und gerade nichts Besseres zu tun habe.

Oft kommen mir die Personen bekannt vor und ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern. Manchmal sollte ich wohl annehmen, dass wir uns nahestanden. Aber mir kommt nicht einmal mehr das Gesicht in den Sinn und ich belasse es bei der vorgegebenen Eingabe: "Unbekannt". Ein wenig schuldig fühle ich mich dabei.

Aber vorhin war da ein Gesicht, das ich schon lange nicht mehr gesehen habe; eines, das ich auch nicht mehr sehen werde. Der liebe Mensch auf diesem Bild, ein alter Freund - er ist nun schon eine ganze Weile tot. An diesen Abend erinnere ich mich gut, wie er etwas unwohl und fehl am Platze auf seinem Stuhl herumrutschte. Es muss unser allerletzter gemeinsamer Abend gewesen sein; ich habe ihn nie wieder gesehen. Warum ich ihn mit meinem alten Handy fotografiert habe, das weiß ich nicht mehr.

Etwas Unschönes steckt mir im Hals und ich muss ein paarmal schlucken. Ich schaue mir das Bild eine Weile an. Dann tippe ich säuberlich seinen Namen ein und drücke auf die Eingabetaste.

Im Banne des Götterboten

Die letzte Woche war keine gute Paketewoche. Sie begann mit der Geiselnahme meiner Ausgabe von L.A. Noire durch die hiesige Packstation. Ich dachte, das wäre schwer zu toppen. Oh, wie sehr hatte ich mich getäuscht…

Schon ein Blick auf die Bestallbestätigung meines neuen gebrauchten… ganz sicher nicht zuvor gestohlenen… Autoradios hätte mir große Sorgen bereiten sollen. Es kam nicht mit der Post - oder einem der Tochterunternehmen, die seit einigen immer die Schuld an vermurksten Lieferungen zugeschoben bekommen. Nein. Es war eine Götterbotenlieferung.

Die kommen nicht am Morgen, sondern… vielleicht am Morgen. Vielleicht aber auch am Nachmittag. Am Vorabend. Oder am Abend. Wenn man sie verpasst, kann man die Pakete nirgends abholen. Nicht beim Nachbarn, nicht bei der Post. Sie hinterlassen auch keine Zettel auf denen der nächste Zustellversuch angekündigt. Sobald man also angekündigt bekommt, dass die Sendung "vermutlich heute" zugestellt wird, muss man warten.

Genau so habe ich den letzten Nachmittag und Abend verbracht: Auf dem Sofa. Nah am Fenster, vom dem aus man sehr gut die Tür und die vorher auf störungsfreien Betrieb kontrollierte Türklingel im Auge hat. Ohne Kopfhörermusik, damit ich dir Klingel auch dann hören würde, wenn ich den Götterpaketboten übersehen sollte. Staubsaugen ging natürlich auch nicht. Die Einkäufe hatte ich verschoben und war so vom Mineralwassermangel bereits schwer gezeichnet. Aber ich wartete. Stundenlang. Ich nahm sogar mein Abendmahl am Fenster ein. Ich wartete unermüdlich, bis es dunkel wurde.

Niemand kam. Niemand klingelte. Niemand… warf eine Karte mit dem neuen Zustelltermin ein oder meldete sich bei meinen Nachbarn. Hat eigentlich jemals eine berufstätige Person außerhalb der Urlaubstage ein Paket vom diesem Laden geliefert bekommen?

Ich habe aber mal im hochmodernen amazonischen Paketverfolgunssystem nachgeschaut. Da steht:

24. Mai 2011 18:11 Lage DE Zustellversuch

Ich würde nun gern wissen, wer um diese Zeit unbemerkt in meine Wohnung eingebrochen ist, mich kampflos mit K.O. Tropfen außer Gefecht gesetzt und gleichzeitig ähnliches bei all meinen Nachbarn vollbracht hat, nachdem er die Briefkästen für einige Minuten zugeschweißt hat. Denn sonst hätte ich ziemlich sicher mitbekommen, wenn man mir etwas gewollt hätte.

Oder der Götterbote ist gar nicht gekommen und hat schamlos gelogen. Das kann natürlich nicht sein, oder?

Epilog: Ratet mal, wo ich gerade sitze und diesen Beitrag schreibe. Die Vorräte werden knapp, aber ich gebe nicht auf. Aus dem Augenwinkel schiele ich zur Tür…

25. Mai 2011 09:47 Lage DE Lieferung wird zugestellt

Meine Augen beginnen langsam zu brennen, vom zur-Tür-schielen.

Auto-Stöckchen

Mächtig lange her, dass ich mal ein Stöckchen aufgenommen habe. Das hier kommt von<a href=http://www.ophelia-unfugfabrik.de/?p=4057"> Frau Ophelia Winter.

1. Was war dein erstes Auto?

Ein anthrazitfarbener Golf Diesel. Nicht gerade etwas, was man einen Rennwagen nennen könnte. Außerdem gingen ständig die Scheinwerferlämpchen kaputt.

2. Was ist dein Traumauto?

Ich bin nicht so besonders anspruchsvoll, was Autos angeht. Allerdings mag ich Land Rover. Außerdem bin ich ein weiterer Bielefelder Blogger, der den Maserati Grand Turismo wunderschön findet. Manchmal steht einer auf dem Parkplatz bei Ikea.

3. Welches Auto fährst du aktuell?

Einen Golf 4 TDI in einem offenbar diskussionswürdigen Farbton: Schwefelgelb.

4. Hast du deinen Führerschein gleich im ersten Anlauf geschafft?

Den Theorieteil schon, den praktischen Teil nicht - beim ersten Anlauf musste ich eine Stunde (!) herumkurven, bis der Prüfer meinem Fahrlehrer verschiedene Geschichten erzählt hatte. Ich habe dann gefragt, ob ich langsam umkehren sollte - danach war er wohl beleidigt und gab sich große Mühe, mich durchfallen zu lassen. Hat auch geklappt. Den Schein hab ich dann im nächsten Anlauf bekommen.

5. Fluchst du im Auto? Und wenn ja, wie?

Ziemlich selten. Wenn doch, dann auch wenig kreativ. So etwas wie "Mögen deine Geschlechtsteile verdorren und abfallen!" Na gut, das war gelogen.

6. Bist du ein schwieriger Beifahrer?

Nein. Ich bin angenehm und schlafe schnell ein.

7. Traust du dich Autobahn zu fahren?

Klar. Autobahn mag ich.

8. Wie viele Punkte hast du in Flensburg?

Zero. Hoffe ich jedenfalls.

9. Was für Musik hörst du beim Autofahren?

Allermeistens WDR 5. Die Radiomusik macht mich wahnsinnig und da sind mehr Sprechbeiträge, die mich vielleicht schlau machen. Mein neu erworbenes Auto hat leider nur ein Kassettenradio (!), darum bringe ich wenig eigene Musik mit. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

 

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