Nachhause

Wenn ich so spät nach Hause gehe, ist die Stadt leer und die paar Geräusche hallen um so länger nach. Reichlich kalt ist es geworden, mehr Winter als Herbst und ich ohne meine kostbare Mütze. Die hätte ich eh nur im Theater vergessen, rechtfertige ich mich nachträglich und ziehe ersatzweise den Reißverschluss der Jacke höher .

Magic Casino links von mir, rechts der Bahnhof und ich denke nur daran, wie gern ich telefonieren würde. Aber dann gehe ich doch lieber weiter. Es ist ja nicht mehr weit und ich würde nur unötig wertvolle Nerven oder Nachtschlaf kosten. Halb eins, schon spät.

Als ich über die Brücke gehe, höre ich das elektronische Zirpen. Es klingt gar nicht schlecht, es schwillt melodisch an und dann wieder ab, so laut dass ich mir lange nicht sicher bin ob es von rechts oder links von mir seinen Ursprung hat. Eine Alarmanlage, vielleicht. Irgendwer würgt das Geräusch ab, bevor ich mir sicher bin.

Mir fällt eine lange und wendungsreiche Geschichte ein, die ich gern auf diesem Heimweg erzählt hätte, aber dann bin ich schon da.

Ich weiß nicht warum ich so merkwürdig traurig bin, aber zuhause bin ich auf jeden Fall. Ist doch auch was.

Wolken

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Ich knipse ein Bild vom Himmel und denke daran, wie ich am liebsten mit dem Hund spazieren gehen würde. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und blendet, aber das ist mir ganz egal.

Ich habe gar keinen Hund, aber ich kenne jemanden mit charmantem Hund und ähnlichem Wesen, wenngleich natürlich unvergleichlich, schließlich handelt es sich um eine Dame.

Wenn ich es recht bedenke, dann sollte die auch dabei sein. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Argumenten. Erstens:

Dann scheint die Sonne noch wärmer. Denke ich und blinzle noch ein wenig - vielleicht hilft das beim herbei wünschen

Geräusche

Es ist Nacht und endlich ist es auch still im Haus. Ich kann nun schreiben und würde lieber reden.

Seit ein paar Tagen schon gab es diese Geräusche im Haus. Fremde Stimmen fielen mir auf, dann wurden Möbel bewegt und es rumpelte hin und wieder. Ich ärgerte mich ein wenig darüber, aber nicht weil ich in meinem wohlverdienten langen Urlaubsschlaf gestört wurde - schon wieder ein Umzug, dachte ich - dabei hatte ich mich darüber gefreut, dass es lange keinen mehr gegeben hatte. Ich kam mit meinem Mitmietern ganz gut zurecht, auch wenn ich sie nicht oft sehe. Vielleicht aber komme ich gut mit ihnen zurecht, gerade weil ich sie so selten sehe. Nett sind sie jedenfalls, soweit ich das beurteilen kann.

Sie räumen unter mir in den Kellerräume und über mir, der Holzfußboden telegrafiert diese Art Geräusche besser als alle anderen. Scharren und Klopfen. Die vielen fremden Leute mit den ernsten Gesichtern und den zu guten Kleidern. Mir schwant etwas Unangenehmes und Rätselhaftes.

Dann erfahre ich zwischen Tür und Angel - "Sie wissen sicher, was geschehen ist, oder?" - was geschehen war: Der freundliche Herr über mir ist gestorben. Ganz plötzlich, er war nur ein paar Wochen krank und dann war es vorbei. Alt ist er nicht geworden. Da hatte ich eine Ahnung und war doch nicht vorbereitet und es verschlägt mir die Sprache - ich schaffe es noch, ein Hilfsangebot zu stammeln und dann bin ich schon aus der Tür und weg zum Termin, gleichzeitig erleichtert und schwerer getroffen als ich erwartet hatte.

Nun weiß ich also, was das alles zu bedeuten hat. So laut ist es gar nicht, rede ich mir ein: Es dröhnt nur in meinen Gedanken so. Das ist also auch Tod: Die Kartons und Kisten stapeln sich im Flur und das bedrückt mich auf eine Art, die ich nicht erklären mag. Ich drücke mich an ihnen vorbei und bin froh zu entkommen, hinaus auf die Straße. Ich bin erleichtert, wenn es Nacht wird und es aufhört zu rumoren und ich nicht mehr so nachdenken muss.

Aber vielleicht schlafe ich nun ein. Ich wünschte, nur ich wäre nicht allein im Bett.

Ich schreibe wie Dietmar Dath…

Dietmar Dath

… und bis vor wenigen Augenblicken hatte ich nicht die geringste Ahnung, wer das sein soll.

Aber FAZ.net wusste Bescheid - jedenfalls schreibe ich scheinbar meine Langtexte wie Dath. Meine Blogsachen sind wie Handke oder - wahlweise - wie Sybille Berg. Manchmal bin ich auch Tucholsky. Alles Autorinnen und Autoren die ich kaum oder gar nicht gelesen habe.

Meine Mails sind übrigens angeblich wie von Ildikó von Kürthy verfasst und nun bin ich gänzlich verunsichert - lauert in mir etwa die Seele einer Brigitte-Kolumnistin?

Dazu muss ich dann doch eure Meinung hören. Seid behutsam.

Die Tücken der modernen Welt oder: Denis fährt nach Köln

Wenn man Urlaub hat und nicht an irgendein Meer oder sonst wohin fährt, dann hat man Zeit seine Freunde zu besuchen, die nicht so nahe bei sich wohnen. So unverständlich es auch sein mag, weiter als ungefähr eine Stunde von Bielefeld entfernt einzuziehen - es gibt Leute, die darin einen merkwürdigen Wert sehen. Ich besuche sie trotzdem gern, wenngleich wohl zu selten.

Dazu muss man natürlich einen Termin aussuchen, was sich auch erledigt. Dann wird einer krank und man verschiebt erst einen Tag, dann noch einen.

Beim folgenden Versuch wartet man noch auf die letzte Bestätigung oder Absage, aber nichts kommt. Keine SMS, keine Mail, kein Anruf. Man wird langsam maulig und bleibt zuhause. Stunden später dann einigt man sich darauf, alles auf den folgenden Tag zu verschieben. Kein Problem, es ist ja das vierte Mal - man sich begonnen, sich daran gewöhnen und seine schlechte Laune bereits an völlig unschuldigen Dritten ausgelassen.

Und dann ist man endlich unterwegs und dann schon eine halbe Stunde auf der Autobahn und hey, es funktioniert doch mal und die Sonne scheint und es fällt alles von einem ab und dann kommt die SMS "Tut mir leid, heute klappt es wieder nicht, sorry- weil…". Du wendest also bei der nächsten Gelegenheit, tippst an der nächsten Raststätte ein "Ok, machen wir es dann morgen ?" und fährst nach Hause.

Da erwartet dich dann eine verwunderte Gastgebernachricht "Ich verstehe zwar nicht warum du jetzt absagst, aber ok. Freue mich."

Online klärt sich dann alles auf - die SMS war vom vorigen Tag und hatte lediglich ungefähr 25 Stunden Verspätung. Danach fühlst du dich dann erst einmal ganz schwach und überlegst, wie du den zigsten verplanten Urlaubsabend mit Inhalt füllst. Der geneigte Leser möge meine von Herzen kommende Empfehlung von Telefonaten zur Terminabsprache zur Kenntnis nehmen.

Aber dann bist du nach einer Unmenge von Stau endlich in der Domstadt und man geht ganz erträglich essen… bevor gastgeberseits eine unangenehme Erinnerung an einen enorm wichtigen Termin an die Oberfläche des Gastgeberverstandes blubbert: Der findet natürlich jetzt statt.

Ich verbringe als dank weiterer Terminprobleme den gesamten restlichen Tag auf dem Sofa und stelle wieder einmal fest, wie unglaublich langweilig ich Wetten, dass…? trotz aller Bemühungen von Gottschalk in Richtung Peinlichkeit ist. Ehrlich, dafür bin ich nicht hart genug. Wenigstens war die Katze bei mir, die siammischlingskatzenlaut ihre kritische Meinung über den Zustand der Welt im allgemeinen kundtat.

Wenigstens hat man dann … so gegen Mitternacht noch eine Flasche Wein zum leeren. Und dann… nun ja, eigentlich wollte ich da ja gar nicht übernachten, aber es ist ja nun spät und der Wein ist ja auch alle und irgendwie muss man nun auch schlafen, so um fünf.

Leider hat man ganz vergessen, dass am Sonntag der Kölnmarathon unter dem Fenster stattfindet und dass dessen Fans beim Anfeuern deutlich lauter sind als der Straßenverkehr. Ach je.

Ich muss zugeben, dass Salon Schmitz ganz hervorragend ist; dort kann man ein wundervolles (Kater-) Frühstück futtern und die Laune steigt wieder zusehends - so kann man sich dann auch im Guten verabschieden und nach Hause fahren.

Besser gesagt: Zuerst einmal musste ich einen Schleichweg aus der wegen dem Marathon komplett abgeriegelten Stadt suchen… aber das ist eine andere Geschichte.

Jetzt muss ich mich ausruhen.

P.S.: Erstaunlich, was so eine Freundschaft aushalten kann, oder?

Eben, in der Tangente

"Ich hab hier letzten Monat meinen Regenschirm liegenlassen. Ist der gefunden worden? Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm."

"Ne Reeeegenschirm? Dann ist der wohl im Regenschirmschtända."

Da war er auch. Nach einem Monat, ordentlich abgestellt dorthin wohin der auch gehör und vergessen. So ist das in Ostwestfalen. Knapp und auf den Punkt.

Erzählt mir nix über Eskalation.

Nicht nur ein paar nicht ganz zu Unrecht ziemlich erboste Bürger besetzen nicht ganz überraschend einen Bahnhof, es sind 12.0001 und genau das war abzusehen. Dann kommt es zur Eskalation als man eine Unmenge Polizisten mit Wasserwerfern und all dem anderen Spielzeug dazu schaufelt.

Die Bloggergemeinde ist abwechselnd schockiert, verwundert ("Es sind doch nur ein paar Bäume", "Es ist nur ein Bahnhof") oder solidarisch, soweit jedenfalls reicht mein erster Eindruck.

Der zweite Eindruck: Es geht nicht nur um Bäume und ich bin fast sicher: Es geht auch nicht mehr so richtig um einen Bahnhof.

Es geht um die "wir haben doch alles offengelegt" und "da hätten sie mal vor 10 Jahren Einspruch einlegen sollten" und die "alles genehmigt, wir scheißen auf euch" - Denkweisen. Das "Wir können natürlich drüber reden, aber wir machen auf jeden Fall weiter - egal was ihr sagt."

Ich habe über die Jahre schon eine Menge Demos erlebt und bei einigen war ich auch dabei, schließlich bin ich ein Kind der 80er Jahre mit Wackersdorf, Startbahn West, dem Schnellen Brüter in Kalkar und anderen Klassikern des Genres im Gedächtnis. Erst kürzlich hatten wir besetzte Hörsäle. Ich bin mir sehr sicher, dass auch die verschiedenen Polizeichefs und Innenpolitiker so etwas wie ein Gedächtnis ihr Eigen nennen - ich war damals ein Kind und kann mich genau an die Szenen im Fernsehen erinnern.

Jedes mal wenn eine große Menschenmenge sich zusammenfindet, gab es dafür eine Menge Gründe und der erste davon ist Ohnmacht - schließlich gibt es einen Haufen guter Argumente gegen diesen komischen teuren Untergrundbahnhof, aber "die" machen einfach weiter. Schließlich haben sie die Genehmigung.

Genau so, geneigte Leser - genau so war es damals auch. Es gibt eine friedliche Demo und immer noch keine Bereitschaft seitens der Bahnhofsbauer, eine echte Diskussion zu führen und schon gar keinen Baustopp. Die Demo wird größer und nun beginnt man, den Medien oder verschiedenen politischen Kräften vorzuwerfen, "Schuld" daran zu sein und die Bevölkerung zu instrumentalisieren. Da geschieht der Schritt schon fast automatisch, wenn "gewaltbereite" Teile vermutet werden und mehr und mehr Polizei dorthin beordert wird.

Irgendwer wird wohl die Nerven verlieren. Ganz sicher wird irgendjemand von 12.000 die Nerven verlieren, wenn man sich so einer uniformierten Armee gegenübersieht. Vielleicht sogar ein Polizist. Das sind ja auch nur Menschen, habe ich mal vor Jahren wen sagen hören.

Und dann geht es los.

Aber das hätte ja niemand erwarten können. Man hatte ja keine Wahl. Man muss ja Bäume fällen und Bahnhöfe bauen, sofort. Bei all dieser Gewaltbereitschaft.

  1. Wer mag, kann hier auch einfach "Viele" einsetzen - ich weiß, man streitet sich um die Zahlen []

Wonniger Donnerstag.

John Steinbeck hat man ein Buch geschrieben, dessen deutsche Fassung diesen etwas merkwürdigen Titel verpasst bekommen hat1 Ein sehr schönes Buch wie ich finde, aber der gerade noch aktuelle Donnerstag war mit Sicherheit nicht gemeint.

Es gibt Tage, an denen merkt man schon morgens… das wird nix. Die Milch ist geronnen, du hast Wichtiges Zeug (TM) beim Einkauf vergessen, die Verabredungen fallen unabgesagt aus, dafür aber rennst du treffsicher in jedes denkbare Fettnäpfchen - noch schlimmer, die fiesesten Fettnäpfe sind undenkbar und auch die... nun ja. Du kannst das an solchen Donnerstagen.

schmöck.Voll rein.

Immerhin: Man muss sich die Schuhe nicht mehr einfetten. Etwas Gutes hat es also.

Dann diese Berichte aus Stuttgart.

Warum nur häuft sich das immer an einzelnen Tagen? Tatsächlich bin ich dankbar, dass es so ist - das Wochenende muss so eigentlich katastrophenfrei bleiben, mehr geht ja wohl auf keinen Fall. Wenn man so viel vorarbeitet und Näpfchen für Monate hinter sich bringt. Oder?

P.S.: Gerade ist meine Handyrechnung per Email bekommen und… man könnte direkt glauben, der Donnerstag wollte einem um Mitternacht nochmal schnell einen reinwürgen - woher hat der bemerkt, dass ich gerade über ihn lästere?

P.P.S: Ich bleibe lieber noch ein Stündchen wach, um Raum für positive Entwicklung zu bieten. Funktionert soweit - Urlaub ist ja doch etwas Schönes.

  1. Siehe Amazon. []

Wie sag ichs meinen Nachbarn?

Meine Arbeit läuft gut, die Sonne scheint ganz wundervoll und ab nächster Woche habe ich Urlaub - wenn man dieses großen Fakten zusammenzählt, sollte ich eigentlich blendende Laune haben. Habe ich aber nicht; ich habe nach allen objektiven Kriterien eine besonders miese Stimmung und will eigentlich nur meine Ruhe. Naja: Es gibt vielleicht einen Menschen, mit dem ich gern mal reden würde. Ist aber nicht hier.

Ich bin hier, meine Kopfschmerzen sind hier und nebenan ist der Hund und bellt und jault. Nicht das erste Mal. Endlos und verzweifelt bellt er, was an meinen Nerven sägt und mein Mitleid für den kleinen Hund nicht unbedingt verschwinden lässt, sonder in ungeahntem Ausmaß für dessen unkontrollierte Wucherung sorgt. Ein Mitleidsgeschwulst.

Es ist so dass ich Eltern (von Menschenkindern) gar nicht selten sagen muss, dass ihre Sprößlinge sich ganz und gar nicht akzeptabel verhielten würden und dass ihre Erziehungsmethoden sich als so effektiv zeigten wie ... nun ja, wie alles was gerade bei Arminia passiert. Das schlägt in der Regel auch ein und man hat eine Diskussionsbasis, da ein Trainerwechsel vielleicht doch nicht unbedingt das erste Mittel sein sollte. Darauf kann man sich schnell einigen und einen neuen Weg überlegen.

Bei Hundebesitzern hingegen muss ich zugeben: Da weiß ich mal gar nicht wie ich das anfangen soll. Die wohnen da so nah bei mir und sind eigentlich richtig nett.

"Ihr Hund zeigt im Sozialverhalten häufig Ängste und kann nicht gut allein sein."

Vielleicht sollte ich ihnen den Einsatz der Familienhilfe empfehlen. Eine sonderpädagogische Einrichtung?

Kamindekorationen

Wenn ich nachts nicht schlafen kann, dann kommen mir weit hergeholte Ideen. Die meisten sind traurig und deswegen total langweilig um darüber zu schreiben. Aber hin und wieder gibt es bessere Kopfblitze. Vor nicht langer Zeit kam mir die Idee, meine allzu kahlen Wände standesgemäß zu dekorieren. Das bedeutete in diesem Fall, dass gekreuzte Schwerter oder vielleicht auch Streitäxte die Wände eines Wohnzimmers erst so richtig kuschelig machen und so Wunder für die Atmo wirken könnten. Aber dann erinnerte ich mich an meine charmante Schussligkeit und die Gefahr eines vorzeitigen Ablebens meiner Person durch allzu engen Kontakt mit scharfkantigen Gegenständen - Ableben, nein, davon wollte ich doch lieber absehen.

Also, eine Muskete über dem Kamin. Wäre das nichts? Sie wäre natürlich nicht geladen… oder vielleicht doch? Dieses gewisse Kribbeln der Ungewissheit wäre sicher ein guter Grund für belebenden Smalltalk. Meine Pro-Musketen Entscheidung erfüllte mich mit dem warmen Gefühl einer rechtschaffenen, ja: Einer weisen Entscheidung. Ich würde mir eine Muskete wünschen, nicht etwa eine billige Imitation. Eine mit Steinschloss.

Vorher aber brauche ich einen Kamin. Ob sich mein Vermieter davon wohl überzeugen lässt?

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