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The Umbrella Academy (Netflix, 2019)

Februar 20, 2019 - Lesezeit: 2 Minuten

Bei der momentanen Flut an Material über kostümierte Heroen ging ich dann doch eher skpetisch auf dieses neue Produkt aus dem Hause Netflix zu. Aber da die ersten Bilder ein wenig anders aussahen - ganz so als ob da jemand mal einen Trailer zu einem Wes Anderson Film gesehen hatte - und weil es einen Schimpansen-Butler mit Spazierstock gibt, habe ich der ganzen Chose eine Chance gegeben.

Ich wusste zwar von den Comics von Gabriel Ba und Gerard Way - genau, das ist der Sänger von My Chemical Romance! - hatte sie allerdings nie gelesen. Man merkt auch der Serie die Einflüsse von Autor Way noch sehr deutlich an, insbesondere die DC Helden der Doom Patrol haben es ihm wohl angetan und hier insbesondere die Arbeiten von Grant Morrison an besagten Figuren, die übrigens - Timing! - gerade in den USA ihre eigene Serie bekamen und vorab bereits in der recht empfehlenswerten Titans Serie (Staffel 1, Folge 4, bei uns bei Netflix verfügbar) zu sehen waren. Wer sich diese Folge anschaut, wird sicher einige Parallelen finden. Dennoch ist die federführend von Steve Blackman umgesetzte The Umbrella Academy ihr ganz eigenes Ding mit einem sehr eigenen Ton und trotz allem “doom and gloom” einer gewissen verspielten Leichtigkeit, die mir sehr gefallen hat.

Darin ist eine Menge reichlich krauses Zeugs: 1989 wurden 43 Frauen überall auf der Welt spontan Mutter, ohne vorher schwanger gewesen zu sein. Sieben von den Kindern wurden von einem verschrobenen, Monokel-tragenden Milliardär gekauft (seine Worte!), nach ihrer Nützlichkeit nummeriert und zu einer Art kindlicher X-Men ausgebildet. Die „Umbrella Academy“ zerfällt in den kommenden Jahren und erst der Tod ihres Adoptivaters bringt sie wieder zusammen. Das trifft sich gut: In ein paar Tagen geht nämlich die Welt unter und jemand sollte wirklich etwas dagegen unternehmen.

Oh ja, da sind einige extrem gestelzte Dialoge, manchmal verstehe ich ich auch nicht, warum die Personen so und so handeln und gegen Ende merkt man schon doch sehr deutlich, dass das Autor mal bei My Chemical Romance war - aber ich muss sagen, ich hatte eine Menge Spaß. Es nämlich zur Abwechslung nicht um halbstündige Keilereien, sondern tatsächlich um die Charaktere - eine reichlich seltsame Familie, deren merkwürdigste Eigenschaft lange nicht ist, dass die Mutterfigur ein Android ist. Es gibt so viele liebevolle Details, die wirklich liebevoll in Szene gesetzt wurde.Dazu kommen eine wundervolle Besetzung die eigentlich durch die Bank genauso gut ist wie ihr größter Name Ellen Page und oft sehr geschickt eingesetzte Songs unter anderem von Queen und… Tiffany.

Ich würde sagen: Kann man sich absolut geben, nach den ersten etwas konfusen Folgen kommt The Umbrella Academy wirklich in Fahrt. Ich habe alle zehn Folgen in etwa zwei Tagen angeschaut und ich glaube, so funktionieren sie auch am besten.