Vor einer Weile ist mir aufgefallen, dass meine Welt kleiner geworden ist. Ich stellte fest, dass ich seltener die Stadt der Wunder verlasse und wenn ich das tue, dann zumeist an bekannte Orte, an denen ich mich mit wohlbekannten Personen treffe und erwartbare Dinge unternehme, esse oder sehe.
In der Stadt, die sie Bielefeld nennen, ist es nicht anders: Ich nehme an wiederkehrenden Terminen teil, ich gehe regelmäßig in dieselben Cafés, Kneipen und Restaurants, in denen ich derart zum Inventar gehöre, dass ein Großteil der Leute mich kennt, aber meine Gewohnheiten sind dort so vertraut, dass man überrascht ist, wenn ich dann Unerwartetes tue oder unentschuldigt fehle. Es geht nicht so weit, dass ich mich dort krank melden müsste, aber man erkundigt sich und mahnt gelegentlich – nicht ganz ernstgemeint – meine seltenen Fehlzeiten an.
Das hat seinen Charme und ich fühle mich gemocht und geschätzt, ich habe mit guten, freundlichen Menschen zu tun, die mir wichtig sind.
Es gefällt mir überhaupt nicht, dass ich weniger Neues sehe, dass ich mich auf das Vertraute verlasse und mich gelegentlich dabei ertappe, lieber doch lieber nicht etwas weiter zu fahren, um zum Beispiel ein Konzert zu sehen.
Gut vorstellen kann ich mir, dass diese verkleinerte Welt eine Folge der frühen Pandemie ist. Früher haben sich Leute zu Kaffee und Kuchen oder für gelegentlich zu viel Bier besucht. Meine Eltern hatten oft Freund*innen oder Leute von der Arbeit zu Besuch. In meiner Erfahrung starben solche Besuche lange vor Corona langsam aus, aber natürlich ist das eine rein anekdotische Beobachtung. Liegt es daran, dass ich älter geworden bin ? Glaube ich nicht so recht. Soziale Netzwerke? Hm. Vielleicht?
Glücklicherweise höre ich gern neue Musik und nicht nur den Kram aus vergangenen Jahrzehnten und ebenfalls zum Glück probiere ich gern neue Spiele aus und so weiter – ganz und gar fossil bin ich noch nicht.
Bei ein paar Leuten um mich herum bemerke ich Ähnliches. Dieses ins ganz Private zurückziehen, dieses „ach, früher bin ich da auch immer hingegangen, aber das ist lange her, weiß auch nicht warum ich aufgehört habe.“
Für das kommende Jahr will ich die Schrumpfung meiner Welt besser bekämpfen. Das ist der eine Vorsatz – oder besser: Das ist mein Wunsch.
Die Feiertage sind nach und es war kein gutes Jahr für mich, wenn ich dabei allein die letzten zwei, drei Monate denke, was mir allzu leicht passiert. Aber insgesamt … da war schön einiges an wundervollen Momenten.
Das Wundervolle, das sind für mich zu einem großen Teil die fabelhaften, seltsamen Leute um mich herum. Kann gut sein, dass ich euch nicht so oft gerecht wurde, wie es mir gefallen hätte, aber ihr seid einfach das: Wundervoll.
Passt gut auf euch auf und lasst von euch hören.